Otto Binder (* 27. Oktober 1904 in München; † 28. Juni 1944 in München-Stadelheim) war ein deutscher Kommunist und Mitglied der Hartwimmer-Olschewski-Widerstandsgruppe.
Leben Binder besuchte die Volksschule und wurde in der Maschinenfabrik Krauss-Maffei zum Eisengießer ausgebildet. Er war mit Rosa Olschewski, der Tochter von Wilhelm Olschewski senior verheiratet, hatte eine Tochter und war Mitglied der Gewerkschaft und der KPD. Von 1929 bis 1933 arbeitete er als Straßenbahner bei der Stadt München, wurde 1933 wegen seiner politischen Einstellung entlassen, war danach arbeitslos und fand eine Anstellung bei BMW. Am 3. Mai 1935 wurde Binder wegen „Verdachts auf Vorbereitung hochverräterischer Aktivitäten“ verhaftet, war bis zum 26. September 1935 in verschiedenen Münchner Gefängnissen inhaftiert und wurde auch in den Folgejahren mehrmals kurzzeitig verhaftet.
Nach Beginn des Krieges beteiligte er sich zusammen mit anderen, darunter sein Schwager Wilhelm Olschewski junior und Engelbert Kimberger, am Aufbau der Widerstandsgruppe um seinen Schwiegervater Wilhelm Olschewski senior, die in Verbindung mit der Berliner Uhrig-Römer-Widerstandsgruppe stand. Anfang 1942 gelang es der Gestapo, Spitzel in die Berliner Gruppe einzuschleusen und erhielt so auch Informationen über die Münchner Gruppe. Otto Binder wurde am 4. Februar 1942 zusammen mit Wilhelm Olschewski junior verhaftet und bis zum Prozessbeginn in Münchner Gefängnissen und unter der Häftlingsnummer 40557 im KZ Dachau inhaftiert. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn am 20. Juni 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tod, weil er zusammen mit seinem Schwager Willy Olschewski „1941 und 1942 als alte Kommunisten in München […] den Sturz der nationalsozialistischen Staatsführung erstrebte und dabei auch Sabotage- und Terrorakte geplant habe“.
Otto Binder wurde zusammen mit Engelbert Kimberger und seinem Schwager Wilhelm Olschewski junior am 28. Juni 1944 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet. Die Leichen der Hingerichteten wurden für eine Bestattung nicht freigegeben. Nachforschungen der Angehörigen ergaben nach Kriegsende, dass sie in der Anatomie der Würzburger Universität präpariert und für das Anatomiestudium verwendet worden waren.
Gedenken alternativtext=Stolperstein für Otto Binder vor der Augustenstrasse 98 in München|mini|220x220px|Stolperstein für Otto Binder vor der Augustenstrasse 98 in München Am 14. September 1947, dem „Tag der Opfer des Faschismus“, wurden die Särge mit den sterblichen Überresten in einer Gedenkveranstaltung vor der Münchner Feldherrnhalle aufgebahrt und die Ermordeten von Mitgliedern der bayerischen Staatsregierung geehrt.
Auf dem Münchner Nordfriedhof in Sektion 117, Reihe 13, Nummer 03 befindet sich die Familiengrabstätte von ihm, seinem Schwiegervater Wilhelm Olschewski senior und seinem Schwager Wilhelm Olschewski junior. Auf einer Tafel steht die Inschrift: Liebe Kinder, Ihr sollt nicht klagen, liebe Kinder weinet nicht, wenn von unserem Opfertode diese Tafel zu Euch spricht . Wir fanden hier als Freiheitskämpfer unsere letzte Ruhestatt. Wir mußten unser Leben lassen, daß Krieg und Mord ein Ende hat.
Am 14. Oktober 2017 wurde vor seiner Wohnung in der Augustenstraße 98 in München ein Stolperstein für ihn verlegt.
Einzelnachweise
Kategorie:Widerstandskämpfer im KZ Dachau Kategorie:Person, für die in München ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:München in der Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer) Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1904 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann Kategorie:Kommunistischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus Kategorie:Uhrig-Gruppe