Morgennebel im Gebirge ist ein Gemälde des deutschen Romantikers Caspar David Friedrich, entstanden um 1808. Das unsignierte Werk in Öl auf Leinwand im Format 71 × 104 cm befindet sich im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in Rudolstadt und ist eine der Hauptattraktionen der dortigen Sammlungen.Heike Enzian: Rudolstadts berühmtestes Gemälde ist zurück in der Heimat. In: Ostthüringer Zeitung, 10. Juni 2025, abgerufen am 21. Mai 2026. Das Bild zählt zu einer Reihe verschiedener Kreuzlandschaften und Arbeiten nach Vorbild des Honigsteinmassivs in der Sächsischen Schweiz im Entstehungskontext des Tetschener Altars. Beschreibung Das Gemälde zeigt die Pyramide eines einzelnen Bergmassivs, das von Fichten und Kiefern bewachsen ist. Nebelschwaden umhüllen den Bergkegel, während der Himmel größtenteils von Wolken bedeckt wird. Nur am Gipfel öffnet sich der Himmel, sodass bei genauerer Betrachtung ein kleines Kreuz bzw. Kruzifix sichtbar wird, das auf eine spirituelle Dimension des Werks hinweist. Die Anzahl der Bildmotive ist stark reduziert, wobei die weiten Flächen von Nebel und Wolken die Erhabenheit des Bergs betonen. Die Detailgenauigkeit und das „frische Kolorit“ werden als charakteristisch für Friedrichs Frühwerk betrachtet.
Symbolik und Wirkungsästhetik Helmut Börsch-Supan sieht den Berg als Symbol des Göttlichen in der Natur, das mit dem Kreuz auf der Spitze aus dem von Nebel und Wolken erfüllten irdischen Bereich in den klaren Himmel darüber deute. Beim dreigeteilten felsigen Gipfel handele es sich möglicherweise um eine Anspielung auf die Trinität. Die Kiefern- und Fichtenvegetation, die Halt auf dem Bergmassiv finde, bedeute die gläubige Christenheit.
Werner Busch betrachtet insbesondere die Beziehung zwischen der größten der immergrünen Fichten am Bergkegel und dem Gipfelkreuz, die sich in gleichem Abstand links bzw. rechts von der Bildmitte befinden und am weitesten aus den Nebelschwaden emporragen. Diese Relation überführe das Schwebende in der Erscheinung im Nebel in eine ästhetische Ordnung und sei lesbar als Verweis auf Offenbarung oder Erlösung.
Für Johannes Grave ist das Bild elementar mit Fragen von Sichtbarkeit und Verbergen verbunden. Betrachterinnen und Betrachter würden durch das Kreuz nicht nur auf den religiösen Sinngehalt verwiesen, sondern auch näher an das Bild herangezogen und der Blick auf dessen Flächigkeit und Materialität gelenkt. „Dadurch kann sich in der Verschiebung der Aufmerksamkeit zwischen Dargestelltem und Darstellungsmitteln jenes Spiel zwischen Sichtbarkeit und Verbergen fortsetzen, das bereits mit dem Nebel und den Wolken in der Landschaft anschaulich wird.“
Entstehung und Einordnung Morgennebel im Gebirge wird Friedrichs Frühwerk zugerechnet und in einem Zusammenhang mit Kreuzlandschaften und Arbeiten um den etwa zeitgleich entstandenen Tetschener Altar gesehen. Im Gegensatz zu dessen offenkundiger Symbolik wird die religiöse Thematik hier jedoch über die Landschaft selbst vermittelt.mini|Caspar David Friedrich: Tetschener Altar (Das Kreuz im Gebirge), 1807/08|270x270px
Als Vorbild für das dargestellte Bergmassiv gelten die Honigsteine bei Rathen in der Sächsischen Schweiz, wobei Friedrich Perspektive und Elemente frei kombinierte. Die charakteristische Dreiecksform des Berges hatte der Maler auf dem Verso des Amselfalls bei Rathen in der Sächsischen Schweiz festgehalten, entstanden vermutlich zwischen 1799 und 1803. Die Datierung ist jedoch strittig. Möglicherweise existierten weitere, detailliertere Studien. Friedrich griff das Motiv in der Folge auch in dem Blatt Herbst, Abend, Reife (1803) in seinem frühen Jahreszeitenzyklus, auf den Sepien Gebirge im Nebel und Gebirgslandschaft mit Kreuz (beide 1804/05) sowie im Tetschener Altar (1807/08) auf.
Zuschreibung
Das Gemälde gelangte zu einem unbekannten Zeitpunkt in die Rudolstädter Sammlung und war im Bestand irrtümlich als Landschaft aus dem Schwarzatal verzeichnet. Erst nach einer Firnis-Erneuerung im Jahr 1941 wurde Friedrich als Urheber vermutet. Damalige Datierungen lagen bei 1820. Heute wird von einer Entstehung um 1808 ausgegangen. Aus diesem Jahr stammt auch ein Hinweis in der Zeitschrift Prometheus, der auf Morgennebel im Gebirge bezogen wird. „Bei Friedrich […] ein mit Wolken umflorter und hoch in die Wolken ragender Berg, auf dessen höchstem Felsgipfel das Kreuz in blauer klarer Luft zu sehen ist“, heißt es dort.
Als Vorbild für das Bergmassiv wurden zwischenzeitlich auch die Schrammsteine (ebenfalls in der Sächsischen Schweiz) angenommen bzw. eine Zusammensetzung aus verschiedenen Studien aus der Sächsischen Schweiz ohne konkretes Vorbild vermutet.
Der Fotograf Frank Richter publizierte Wanderrouten und Vergleichsfotos mit heutigen Ansichten des Honigsteinmassivs.
Rezeption und Ausstellungen Das Bild wurde 2024 im Rahmen von drei großen Jubiläumsausstellungen zum 250. Geburtstag Caspar David Friedrichs in der Hamburger Kunsthalle, der Alten Nationalgalerie in Berlin und in der Galerie Neue Meister in Dresden gezeigt und 2025 im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt. Bis Anfang 2026 war es in der Kulturhauptstadt Europas 2025, Nova Gorica, zu sehen.
Zeitgenössische Künstler, darunter Hiroyuki Masuyama, haben sich von dem Werk inspirieren lassen.
Literatur
Helmut Börsch-Supan, Karl Wilhelm Jähnig: Caspar David Friedrich – Gemälde, Druckgraphik und bildmäßige Zeichnungen, Prestel-Verlag, München 1973, ISBN 3-7913-0053-9, S. 166. Johannes Grave: Morgennebel im Gebirge, 1808. In: Markus Bertsch und Johannes Grave (Hg.): Caspar David Friedrich – Kunst für eine neue Zeit (=Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle), Hatje Cantz, Berlin 2023, ISBN 978-3-7757-5604-4, S. 128. Kunstnachrichten aus Dresden. In: Prometheus I, Wien 1808, 3. Heft, Anzeiger, S. 21–24, S. 23. Frank Richter: Caspar David Friedrich – Spurensuche im Dresdner Umland und in der Sächsischen Schweiz. Verlag der Kunst Dresden Ingwert Paulsen jr., Husum 2009, ISBN 978-3-86530-115-4, S. 77. Frank Richter: Wandern mit Caspar David Friedrich. Sächsische Schweiz, Tharandt & Kriebstein (zur Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden). Sandstein Verlag, Dresden 2024, ISBN 978-3-95498-826-6, S. 60–63. Walther Scheidig: Caspar David Friedrich: Morgennebel im Gebirge. In: Zeitschrift für Kunst, Leipzig 1947, 1. Jg., Heft 4, S. 7–17. Walther Scheidig: Meisterwerke der Malerei – Schätze aus kleineren und mittleren Sammlungen. Edition Leipzig, Leipzig 1964, S. 100–101. Lutz Unbehaun: Morgennebel im Gebirge. In: Jeanette Lauterbach, Jens Henkel: Schloß Heidecksburg – Die Sammlungen. Thüringer Landesmuseum Schloss Heidecksburg, Rudolstadt 2004, S. 21–22.
Weblinks
Morgennebel im Gebirge im Museum digital Thüringen Morgennebel im Gebirge auf der Website „250 Jahre Caspar David Friedrich“ der Hamburger Kunsthalle, der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde (19. Jahrhundert) Kategorie:Gemälde von Caspar David Friedrich