Martinez Zogo (geb. Arsène Salomon Mbani Zogo, 29. September 1972 in Yaoundé; get. 17. Januar 2023) war ein kamerunischer Journalist und Radiomoderator, der sich auf die Anprangerung von unlauteren Geschäftspraktiken und Korruption spezialisiert hat.
Sein Tod unter Folter, an der Beamte des kamerunischen Geheimdienstes DGRE beteiligt waren, wird als Staatsangelegenheit betrachtet.
Leben Jugend und Ausbildung Martinez Zogo wurde am 29. September 1972 unter dem Namen „Arsène Salomon Mbani Zogo“ geboren. Er ist der Sohn von Antoinette Essala und Zogo Moungou Victor, einem Gendarmen, der ursprünglich aus dem Dorf Etam Kouma (nahe Sa’a) im Kanton Benyabega im Département Lekié stammt. Er wuchs in Yaoundé im Stadtteil Essos auf und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für Fußball. Eine Verletzung verhinderte jedoch eine Profikarriere. Daraufhin begann er zu tanzen und gründete eine Tanzgruppe. Er nahm das Pseudonym Martinez an und versuchte sich zunächst als Moderator von Shows und Veranstaltungen, bevor er zum Radio kam. Als Autodidakt im Hörfunk hat Martinez Zogo nie eine formale Ausbildung im Journalismus oder im Hörfunk absolviert.
Karriere Martinez Zogo begann seine journalistische Laufbahn in Yaoundé bei Radio Siantou (RTS) unter der Leitung von Rémy N’Gono. Nach einer Suspendierung verließ er RTS und wurde 2006 von Radio Magic FM eingestellt. Dort startete er die Sendung „Embouteillage“ („Stau“), die sich hauptsächlich mit den Hintergründen von Skandalen um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens befasste. 2011, nach fünf Jahren bei Magic FM, wechselte er zu Radio Amplitude FM und nahm seine Sendung „Embouteillage“ mit.
Im Dezember 2017 wurde er von Royal FM angeworben und zum stellvertretenden Programmdirektor Nr. 2 ernannt. Dann verließ er Royal FM und kehrte zu Amplitude FM zurück, wo er seine beliebte tägliche Sendung „Embouteillage“ moderierte und bis zu seinem Verschwinden am 17. Januar 2023 als Leiter des Senders.
Kontroversen und Suspendierungen Suspensions Martinez Zogo und seine Sendung „Embouteillage“ sind höchst umstritten. Der Radiomoderator wurde vom Nationalen Kommunikationsrat (Conseil national de la communication, CNC), der Kommunikationsaufsichtsbehörde Kameruns, bereits mehrfach wegen Äußerungen in seiner Radiosendung suspendiert.
Am 25. Februar 2015 wurde er suspendiert, ebenso wie seine Sendung „Embouteillage“, wegen „eines Verstoßes gegen die Ethik und das professionelle Verhalten in der sozialen Kommunikation“.«faute constitutive d’atteinte à l’éthique et à la déontologie professionnelle en matière de communication sociale» Die Suspendierung erfolgte nach einer Beschwerde von Minister Paul Atanga Nji wegen „Äußerungen im Zusammenhang mit einem Fall von Veruntreuung öffentlicher Gelder bei Campost, die meine Würde verletzten“. Diese Äußerungen hatte der Moderator in seiner Sendung „Embouteillage“ am 18. November 2014 getätigt. Am 19. Januar 2015 wurde Martinez Zogo dazu von der CNC befragt. Er entschuldigte sich beim Minister, erhielt aber dennoch eine einmonatige Suspendierung.«des propos se rapportant à une affaire de détournement de derniers publics à la Campost et portant atteinte à ma dignité»
Am 22. September 2017 wurde er nach einer Beschwerde des Fußballers Samuel Eto’o wegen „unbegründeter Äußerungen zu moralischen Fragen und rufschädigender Aussagen“ während seines Aufenthalts in Gabun zum Afrika-Cup 2019 wurde er erneut vom CNC sanktioniert.«déclarations non fondées se rapportant à des questions de mœurs et portant atteinte à son image» Er erhielt eine dreimonatige Suspendierung von seiner Sendung „Embouteillage“ sowie von der Ausübung seiner Tätigkeit als Journalist und Radiomoderator.
Am 1. Juli 2019 gehört er zu den 21 Journalisten und Medienunternehmen, gegen welche der Nationale Kommunikationsrat Sanktionen verhängte. Martinez Zogo erhielt eine formelle Mitteilung wegen „unbegründeter Anschuldigungen und ungerechtfertigter Verwendung beleidigender Ausdrücke gegenüber Gervais Bolenga“.«accusations non fondées et usage injustifié de termes offensants envers Gervais Bolenga»
Gerichtsverfahren Im Oktober 2008 wurde ihm vorgeworfen, im Radiosender Magic FM Informationen über Sportjournalisten verbreitet zu haben, die angeblich Geld von der Fédération Camerounaise de Football (Fecafoot) erhalten haben, um das Ansehen des Ministers für Sport und Leibeserziehung zu schädigen.
Im Oktober 2009, der weiterhin bei Magic FM angestellt ist, wird vom Musiker JP Mélody wegen Verleumdung verklagt.
Verhaftung Am 17. Januar 2020 wurde er von Kriminalbeamten im Radiosender Amplitude FM festgenommen und wegen Verleumdung angeklagt, nachdem Sylvie Biye Essono der Ehefrau von Samuel Mvondo Ayolo, Minister und Direktor des Zivilkabinetts des Präsidenten Anzeige erstattet hatte. Ihm wurden „Cyberkriminalität, Verletzung der Privatsphäre und Erpressung“ («cybercriminalité, atteinte à la vie privée et chantage») vorgeworfen und er wurde am 22. Januar 2020 im Zentralgefängnis Kondengui inhaftiert. Am 26. März 2020, nach zwei Monaten Untersuchungshaft wurde er vom Gericht erster Instanz (TPI) des Verwaltungszentrums Yaoundé zu einer zweimonatigen Haftstrafe verurteilt und anschließend freigelassen.
Tod Entführung Am 17. Januar 2023, auf dem Heimweg wurde Martinez Zogo von maskierten Männern entführt. Die Entführung ereignete sich gegen 20 Uhr vor dem Gendarmerieposten Nkol-Nkondi in Yaoundé. Die Gendarmen fanden auch sein Auto mit beschädigter Karosserie vor, „als ob der Fahrer versucht hätte, das Tor zu rammen“ («comme si le conducteur avait tenté d’enfoncer le portail»). Noch am selben Tag wurde eine Untersuchung eingeleitet. Laut Zeugenaussagen, die auf der Website actucameroun.com veröffentlicht wurden, waren in den Tagen zuvor nachts Unbekannte in der Nähe seines Hauses gesehen worden. Nach seinem Verschwinden wurde das Auto seiner Frau Berichten zufolge zweimal sabotiert, die Bremsen durchtrennt, und es war zwei Tage vor Martinez Zogos Verschwinden in einen Unfall verwickelt.
Veröffentlichung des Todes Obwohl seine Entführung einige Tage zuvor von dem Journalisten und Whistleblower JP Remy Ngono in den sozialen Medien bekannt gegeben worden war, wurde er am 22. Januar 2023 in Ebogo tot aufgefunden, einer Stadt 15 km von Yaoundé entfernt. Er wurde völlig nackt aufgefunden. Sein Körper war verstümmelt und in einem fortgeschrittenen Verwesungszustand. Sein Tod wurde der Agence France-Presse (AFP) von einer anonymen Polizeiquelle bestätigt. Er starb im Alter von 50 Jahren. Die Leiche wurde anschließend zur Obduktion in die Leichenhalle des Hôpital central de Yaoundé (Zentralkrankenhaus von Yaoundé) gebracht.
Laut Charly Tchouemou, dem Chefredakteur des Radiosenders Amplitude FM, der zusammen mit dem stellvertretenden Staatsanwalt und der Ehefrau von Martinez Zogo zum Fundort kam, um die Leiche zu identifizieren, wurde die Leiche am frühen Morgen von einem Mann entdeckt, der auf dem Weg zum Feld war.
Laut dem Politiker Kah Walla erfolgte sein Verschwinden zu einem Zeitpunkt, an dem sich seine Sendung hauptsächlich mit Finanzskandalen und mutmaßlichen Fällen von Veruntreuung befasst und an dem der Journalist erst kürzlich einige hochrangige Personen beschuldigt hatte, Geld aus dem kamerunischen Staat gestohlen zu haben.
Reaktionen und Gerichtsverfahren Der kamerunische Verlegerverband traf sich an seinem Arbeitsplatz, um dem Journalisten die letzte Ehre zu erweisen. Sie suchten außerdem den kamerunischen Kommunikationsminister auf, um Gerechtigkeit zu fordern.
Am 20. Januar 2023 reagierte die Regierung mit der Veröffentlichung einer Pressemitteilung. In der vom Kommunikationsminister René Sadi unterzeichneten Pressemitteilung hieß es, die Regierung verfolge den Fall mit Interesse und es seien Anweisungen erteilt worden, um sicherzustellen, dass die volle Wahrheit über das Verschwinden des Journalisten ans Licht komme.
Der Nationale Journalistenverband Kameruns (Syndicat national des journalistes du Cameroun) veröffentlichte am 22. Januar 2023 eine Mitteilung und bezeichnete seinen Tod als „grausames Attentat“ («d’assassinat odieux») und ruft Medienschaffende dazu auf, am 25. Januar 2023 Schwarz zu tragen und zu trauern. Chantal Roger Tuile gab an, dass Martinez Zogo vor seinem Tod sexuell missbraucht und an den Genitalien, Fingern und Zähnen verstümmelt wurde.
Die von Paul Biya angeordnete und Galax Yves Landry Etoga anvertraute Untersuchung der DGSN/SED nach dem Attentat auf Martinez Zogo, der vor der Veruntreuung von Geldern aus den Haushaltslinien 94, 65 und 57 des kamerunischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums gewarnt hatte, führte zur Verhaftung von etwa zwanzig Mitgliedern des kamerunischen Geheimdienstes (DGRE), während weitere flüchtig blieben. Léopold Maxime Eko Eko, der Chef des kamerunischen Geheimdienstes, wurde als Verdächtiger festgenommen.
Der Geschäftsmann Jean-Pierre Amougou Belinga, der Journalist Bruno Bidjang und der ehemalige Oberst Raymond Thomas Etoundi Nsoe wurden am 6. Februar 2023 in Yaoundé festgenommen. Die drei wurden nach Ermittlungen von Polizei und Gendarmerie vom Staatssekretariat für Verteidigung verhört. Die Wohnsitze von Amougou Belinga sowie die Mobiltelefone der Festgenommenen wurden durchsucht. Die Zeitung „L’Anecdote“, die zu Amougou Belingas Medienimperium gehört, veröffentlichte eine Erklärung, in welcher sie seine Festnahme als Routineverfahren bezeichnete und seine Anhänger zur Ruhe aufrief.
Amougou Belinga geriet schnell in Verdacht, der Drahtzieher des Mordes zu sein.
Am 14. Juni 2023 befragte der Militärrichter Florent Sikati II Kamwo Journalisten im Zusammenhang mit dem Fall Martinez Zogo. Xavier Messé, der ebenfalls vorgeladen wurde, war nicht erreichbar.
Am 19. Dezember 2023 wurde Stéphane Martin Savom, Bürgermeister von Bibey, ein Mitglied der Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais (RDPC) und als enger Vertrauter von Ferdinand Ngoh Ngoh geltend, von Nzié Pierrot Narcisse, der neu mit dem Fall betrauten Richterin, in Untersuchungshaft genommen. Er war als Zeuge vorgeladen am 20. November 2023 von Florent Sikati II Kamwo worden.
Am 1. März 2024 schloss das Militärgericht in Yaoundé die gerichtlichen Ermittlungen zum Mord an Martinez Zogo ab. Die rund zwanzig Angeklagten wurden alle wegen verschiedener Anklagepunkte vor Gericht gestellt.
Am 27. Mai 2024 fand die vierte Anhörung im Prozess gegen Martinez Zogo vor dem Militärgericht statt. Die beiden Anträge der beiden Nebenkläger, darunter die Familie Zogo, wurden abgelehnt: die Aufhebung des Leichensiegels für Bestattungszwecke und die Übergabe der Ermittlungsakte an die Verteidiger.
Eine weitere Anhörung fand am 16. Juni 2024 statt. Am 19. August 2024 wies das Gericht den von mehreren Parteien gestellten Antrag auf Aussetzung des Verfahrens zurück und entzog der Generaldirektion für Auslandsnachrichtendienst (DGRE) den Status als Nebenklägerin. Die mündliche Verhandlung war für den 9. September 2024 angesetzt. Am 31. August 2026 wurden neue Beweise gegen Maxime Eko Eko erhoben.
Würdigungen Nach Bekanntwerden des Todes des Journalisten trafen aus aller Welt Beileidsbekundungen ein. Es entstanden einige Initiativen, wie beispielsweise den Vorschlag einen Martinez-Zogo-Preis zu stiften, um die mutigsten Journalisten auszuzeichnen, welche die Veruntreuung öffentlicher Gelder aufdecken, oder einen nationalen Tag ohne Presse zu organisieren.
Siehe auch Norbert Zongo Charles Ateba Eyene Engelbert Mveng Germain Cyrille Ngota Ngota (Bibi Ngota) Samuel Wazizi
Einzelnachweise
Kategorie:Journalist (Kamerun) Kategorie:Hörfunkjournalist Kategorie:Hörfunkmoderator Kategorie:Veranstaltungsmoderator Kategorie:Mordopfer Kategorie:Folteropfer Kategorie:Kameruner Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Mann