Hermann Sollfrank (* 2. Juli 1964 in Vohenstrauß/Oberpfalz) ist ein deutscher Bildungswissenschaftler und Sozialpädagoge, Hochschullehrer und Caritasdirektor. Seit dem 1. Oktober 2021 ist er Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising e.V.

Leben Sollfrank wuchs in der nördlichen Oberpfalz nahe der tschechischen Grenze auf. Infolge der Grenzschließung geriet der familiäre Handwerksbetrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sein Vater, gelernter Schreiner, zog daraufhin in den Großraum München, wohin später auch die Familie folgte.

Nach der Schule absolvierte Sollfrank zunächst eine Ausbildung zum Bohrwerkdreher und war im Maschinenbau tätig. Anschließend machte er als erster in seiner Familie das Abitur und begann ein Studium der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule München, das er 1991 mit Auszeichnung abschloss.

Bereits während seiner Jugend engagierte er sich in der Katholischen Jugendarbeit, was sein Interesse an Sozialer Arbeit prägte. Ursprünglich plante er ein Maschinenbaustudium, entschied sich jedoch nach seinem Zivildienst bei der Caritas in Dachau für eine sozialpädagogische Laufbahn.

Beruflicher Werdegang Nach seinem Studium arbeitete Sollfrank rund zehn Jahre in der Kinder- und Jugendhilfe. Parallel studierte er Pädagogik mit der Bezugsdisziplin Psychologie an der Universität Augsburg. An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt lag sein Forschungsschwerpunkt in der historischen Pädagogik, insbesondere in der Geschichte der Sozialpädagogik. Er promovierte über das Thema Katholische Jugendpflege von 1819 bis 1926.

Im Jahr 2002 wurde Sollfrank zum Professor für Sozialpädagogik an der Katholischen Stiftungshochschule München berufen. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte lagen in den Bereichen Schul- und Jugendsozialarbeit, Medien- und Spielpädagogik sowie Pädagogik des Kinder- und Jugendalters. Sollfrank war zudem in der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften sowie in der wissenschaftlichen Begleitung und Organisationsberatung sozialer Einrichtungen tätig. In der Hochschulentwicklung war er maßgeblich in die Umsetzung der Bolognareform und die Digitalisierung der Hochschulverwaltung involviert.

2014 wurde Sollfrank zum Präsidenten der Katholischen Stiftungshochschule München gewählt. In dieser Funktion befasste er sich verstärkt mit hochschul- und sozialpolitischen Fragestellungen und trieb die Umstrukturierung der Hochschule voran, um diese für die Zukunft aufzustellen. Der signifikante Ausbau der Gesundheits- und Pflegestudiengänge, allen voran der erste Hebammenstudiengang in Bayern, die Weiterentwicklung der diversen Studiengänge in den Bereichen Soziale Arbeit, Bildung und Management, eine grundlegende Reform der Verfassung der Hochschule, ein starker Ausbau der Forschungsaktivitäten der Hochschule und die Neugestaltung des Campus München wurden während seiner Amtszeit realisiert.

Am 1. Oktober 2021 trat Sollfrank das Amt des Direktors des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising e.V. an. Er wurde von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx in dieses Amt berufen, der Sollfrank als eine Persönlichkeit würdigte, die „Erfahrung in sozialen Themen und wissenschaftliche Perspektive vereint“ und damit „zum Wohl der Menschen beitragen kann, vor allem auch derer, die manchmal aus dem Blick geraten“.

Sollfrank folgte Georg Falterbaum, der das Amt seit Februar 2018 innehatte. In seiner Antrittserklärung bezeichnete Sollfrank die Berufung zum Caritasdirektor als „große Ehre“ und hob hervor, die Weiterentwicklung des Verbands sei ihm ein wichtiges Anliegen. Er wolle „an das Erreichte anknüpfen, aktuelle und kommende Herausforderungen in den Blick nehmen und tragfähige Perspektiven entwickeln“.

Dem Vorstand des Wohlfahrtsverbands gehören neben Sollfrank Gabriele Stark-Angermeier und Thomas Schwarz an. Gemeinsam mit ihnen hat er die Leitung des Caritasverbandes in der Erzdiözese München und Freising inne, der sich seit seiner Gründung im Jahr 1922 mit seinen rund 10.000 Mitarbeitenden zum größten Wohlfahrtsverband in Oberbayern entwickelt hat. Er ist Spitzenverband mit elf Fachverbänden und zahlreichen Mitgliedern. Gleichzeitig ist er Trägerverband für rund 350 eigene Einrichtungen und Dienste. Der Caritasverband deckt das gesamte Spektrum von Hilfeleistungen für Menschen aller Altersklassen, gesellschaftlichen Schichten und Konfessionen ab. Sollfrank ist in diversen Gremien und Beiräten auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene vertreten, unter anderem ist er Mitglied des Caritasrats des Deutschen Caritasverbandes.

Schwerpunkte und Arbeitsweise Als Vorsitzender des Spitzenverbands setzt sich Sollfrank für eine konsistente und nachhaltige Weiterentwicklung der Arbeit der Caritas ein. Dabei wird das normative, strategische und operative Management stetig weiterentwickelt. Ziel ist es, ausgehend vom Grundanliegen der Caritas, Menschen in Not wirksam an der Seite zu stehen, den Verband wirksamer und angesichts der multiplen Herausforderungen der Zukunft zugleich resilienter werden zu lassen. Das bedeutet den Weg zu beschreiten von einer traditionell hierarchischen Organisation hin zu einer adaptiven, lernenden und vernetzten Organisation. Zusammen mit dem gesamten Vorstand begann er 2021 eine tiefgreifende Verbandsreform, die Prinzipien des Beyond Budgeting und partizipative Führungsstrukturen in den Mittelpunkt stellt. Der Verband organisiert seine strategischen Geschäftseinheiten neu und bleibt zugleich ein starker Partner in der Region. Dabei orientiert er sich unter anderem an soziokratischen Managementkonzepten. Er arbeitet entsprechend mit modernen kollaborativen Führungsstrukturen, in denen Verantwortung geteilt, Entscheidungen transparent getroffen und Expertise konsequent einbezogen wird.

Zu seinen thematischen Schwerpunkten zählen:

Entwicklung des Sozialstaats und Weiterentwicklung der Arbeit der Wohlfahrtsverbände Rolle der Sozialen Arbeit, der Familien- und der Jugendpolitik, der Ausgestaltung von Versorgung und Pflege und der Fürsorge Zukunft sozialer Berufe, insbesondere in der Sozialen Arbeit, der Kindheitspädagogik und der Pflege Förderung von Inklusion und sozialer Gerechtigkeit Verbindung von Wissenschaft, Praxis und Verbandsstrategie Organisationsentwicklung sozialer Organisationen

Persönliches Sollfrank ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Dachau.

Publikationen Einhundert Jahre Ausbildung für soziale Berufe mit christlichem Profil, Bachelor- und Masterstudiengänge an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, 2009, Seiten: 157–164 Die Soziale Arbeit und Ihre Bezugswissenschaften, 2011 Aufsatz Erziehung und Bildung als Perspektiven der Sozialen Arbeit, Seiten: 75 – 89 Abschlussbericht zum Projekt „Lernen durch Fördern“: intensive Sprachförderung Münchner Grundschüler, ein Kooperationsprojekt der LMU München & KSFH München finanziert durch die SWM Bildungsstiftung, Richard Sigel, Leonhard Wölfl, Birgit Dorner, Hermann Sollfrank, Michaela Hofbauer Sozialpädagogik im Wandel, 2005, Franz-Michael Konrad (Hrsg.), Beitrag von Prof. Sollfrank „Jung sein“ und „Katholisch sein“ Zum Verhältnis von Jugendbewegung und katholischer Jugendpflege in den ersten Jahren der Weimarer Republik, Seiten: 103 bis 114

Weblinks Hermann Sollfrank: Zehn Jahre „Wir schaffen das“. In: michaelsbund.de, 22. September 2025. Caritasdirektor Professor Dr. Hermann Sollfrank: „Praktische Lebenshilfe, um Menschen in ihrem Alltag zu stärken“. In: Wochenanzeiger, 12. September 2024.

Einzelnachweise

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