Haustor war eine jugoslawische Rockband, die 1979 in Zagreb gegründet wurde. Sie ist eine der prominentesten und einflussreichsten Bands der jugoslawischen Rock-Szene überhaupt.
Die Band wurde gegründet vom Sänger und gelegentlichen Gitarristen Darko Rundek und dem Bassisten Srđan Sacher. Dies sind die beiden kreativen Schlüsselfiguren der Gruppe. Haustor erlangte mit ihrem Neue-Welle-Sound mit Einflüssen ethnischer Musik und ihren theatralischen Liveauftritten öffentliche Aufmerksamkeit. Ihr erstes, nach der Band benannte Album aus dem Jahr 1981 – heute eines der Schlüsselalben der jugoslawischen neuen Welle – brachte der Band nationalen Ruhm und Anerkennung der Kritiker ein. 1984 veröffentlichte die Band das Album Treći svijet, das einen unverwechselbaren Sound mit Einflüssen der Weltmusik gepaart mit Rundeks poetischen Texten inspiriert von verschiedenen literarischen Werken, Filmen und Comics enthält. Trotz des Lobs der jugoslawischen Presse verließ Sacher die Band nach der anschließenden Tour und ließ Rundek als einzigen Komponisten und Texter der Band zurück. Die Alben Bolero (1986) und Tajni grad (1988) wurden gut von der Öffentlichkeit und der Musikkritik angenommen. Trotzdem trennte sich die Band plötzlich im Jahr 1990 während der Aufnahmen für ihr fünftes Studioalbum. Nachdem die Band ihre Aktivitäten beendet hatte, machte Rundek eine sehr erfolgreiche Karriere als Singer-Songwriter.
Haustor vereinigte sich 1996 mit Rundek und Sacher für eine Performance in Zagreb wieder. Eine weitere Reunion fand 2022 statt, als die Gruppe den Titeltrack des Albums Treći svijet für eine Neuauflage in Vinyl neu bearbeiteten.
Geschichte 1979–1990 Jahre der Neuen Welle (1979–1982) Der Grundstein der Band wurde 1977 gelegt als Darko Rundek und Srđan Sacher die Gruppe Komuna („Kommune“) gründeten, mit welcher sie gelegentlich auftraten. Zu dieser Zeit studierte Rundek Literaturwissenschaft, schrieb Theaterrezensionen für Zeitungen und war eine Zeit lang Editor des Kulturteils des Studentski list („Studentenzeitung“). 1979 gründeten die beiden Haustor mit der ersten Besetzung: Rundek (Gesang, gelegentlich Gitarre), Sacher (Bass), Boris Leiner (Drums) and Ozren Štiglić (Gitarre), letzterer war vormals bei der Band Eustahijevi Virtuozi („Eustachis Virtuosen“). Die Band nannte sich ursprünglich Nagradni Bataljon („Preis-Battalion“) und probte in den Räumen von Kugla glumište, mit welcher sie oft kooperierten.
Zu Beginn der Bandkarriere spielte der Drummer Boris Leiner gleichzeitig mit Haustor und der Band Azra, bevor er in Haustor durch Zoran Perišić ersetzt wurde. Der Band traten dann bald bei Zoran Vuletić (Keyboard), Damir Prica „Capri“ (Saxophon) und Nikola Santro (Posaune). 1980 bekam die Band mit Hilfe des Radiojournalisten Anđelko Maletić und des Musikkritikers Dražen Vrdoljak die Gelegenheit zwei Songs für Radio Zagreb aufzunehmen. Einer der Songs, Moja prva ljubav („Meine erste Liebe“), dessen Lyrics von der Kurzgeschichte The Girls in Their Summer Dresses von Irwin Shaw inspiriert wurden, wurde schnell ein Radiohit. Die Band erzeugte neue Aufmerksamkeit mit ihrer Performance auf dem Subotica Youth Festival 1980. Auffällig waren ihre künstlerischen Lieder und Auftritte auf Basis von Rundeks und Sachers Interessen – Rundek, der zum Studium der Regie an der Zagreb Academy of Dramatic Art wechselte, brachte Theatralik, Pantomime und Theatermakeup in die Shows der Band, während Sacher, der zu dieser Zeit Archäologie und Ethnologie studierte, Elemente jugoslawischer und ausländischer Folkmusik zu dem Neue Welle Sound brachte.
Zum Beginn des Jahres 1981 nahm die Band ihr Debüt auf, eine Single mit einer neuen Version von Moja prva ljubav und dem Song Pogled u bolju budućnost („Ein Blick in eine bessere Zukunft“), was zuerst mit Boris Leiner als Drummer aufgenommen wurde. Nach der Veröffentlichung der Single trat Haustor auf dem Pozdrav iz Zagreba („Grüße von Zagreb“) Festival im Jugendzentrum Belgrad auf, wobei sie mehr Aufmerksamkeit vom Publikum bekamen als die bereits etablierte Band Prljavo Kazalište. Während des Frühlings wurde Perišić durch einen neuen Drummer Srđan Gulić ersetzt, mit welchem sie die Aufnahmen für ihr Debütalbum aufnahmen.
Das Debütalbum, das denselben Namen wie die Band trägt, wurde 1981 durch das Label Jugoton veröffentlicht. Es wurde produziert vom Gitarristen der Band Parni Valjak Husein Hasanefendić „Hus“, der auch auf einigen Tracks selbst spielte. Das Album enthält, neben Moja prva ljubav, welches zu einem großen Hit wurde, leicht mystische und psychodelische Songs wie Radio, Mijenjam se („Ich ändere mich“), Tko je to („Wer ist das“), Duhovi („Geister“), Crni žbir („Schwarzer Spion“), Lice („Gesicht“) and 60–65. Lice und Sachers intimer und nostalgischer Song 60–65. erschienen später in Adi Imamovićs Film Nemir („Unruhe“). Das Album sollte den Song Radnička klasa odlazi u raj („Die Arbeiterklasse kommt in den Himmel“) enthalten, benannt nach dem Film von 1971 des italienischen Regisseurs Elio Petri. Auf Geheiß des jugoslawischen Sekretariats für Kultur entfernten Produzenten von Jugoton den Titel vor der Veröffentlichung des Albums. Das Debütalbum und ihre auffälligen Liveauftritte machten die Band bald zu einer der prominentesten Bands der Zagreber Neuen Welle neben Prljavo Kazalište, Azra und Film. Am 15. Mai 1981 spielten Haustor und die Band der Belgrader Neuen Welle Šarlo Akrobata auf der Biennale Zagreb als Vorband für die britische Band Gang of Four. Ende 1981 veröffentlichten Haustor eine 7"-Single mit den Songs Zima („Winter“), Majmuni i mesec („Affen und der Mond“) und Capri, welcher dem Saxophonisten der Band, Damir Prica „Capri“, gewidmet wurde.
Die Arbeiten zum zweiten Studioalbum wurden unterbrochen, als Teile der Mitglieder zum Wehrdienst bei der jugoslawischen Volksarmee eingezogen wurden. Das letzte Konzert vor der Unterbrechung fand im Zagreber Club Kulušić statt und das Konzept der Performance war eine Reise in die Zukunft.
Treći svijet und Sachers Abgang (1983–1984) Die Band setzte mit dem Beginn 1983 ihre Aktitvitäten fort in der Besetzung mit Rundek, Sacher, Prica, Gulić, und einem neuen Mitglied: Gitarrist Zoran Zajec. Mit dem Gitarristen Željko Brodarić "Jappa" als Produzent und mit einer Bläsergruppe nahm die Band das zweite Studioalbum Treći svijet („Dritte Welt“) auf und veröffentlichte es 1983. Das Album ist geprägt durch musikalische Einflüsse vom Reggae, über Lateimamerikanische Musik bis zu Elementen des Pop. Rundeks Texte wurden beeinflusst durch biblische Symbolik, verschiedene literarische Werke, Abenteuerfilme und Comics des italienischen Autors Hugo Pratt. Die Songs Neobičan dan („Unüblicher Tag“), Zadnji pogled na Jeršaleim („Der letzte Blick auf Yerushaláyim“), Babilonske baklje („Fackeln von Babylon“), Skriven iza lažnih imena („Versteckt hinter falschen Namen“) und der Titeltrack brachten eine unverwechselbare Atmosphäre, die neu für die gesamte Rock-Szene Jugoslawiens war. Das Album enthält außerdem den Song der vom Debütalbum der Band entfernt wurde. Trotz des Erfolgs des Albums, war die darauffolgende Tour nicht sehr erfolgreich und Sacher und Prica verließen die Band 1984, um die Gruppe Brojani („Die Gezählten“) zu gründen.
Rundek-Jahre und Auflösung (1984–1990) Das dritte Album der Band, Bolero, wurde aufgenommen von Rundek, Prica und Zajec, mit Gulić and Santro, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt die Band bereits verlassen hatten. Auf dieserAufnahme spielte Rundek die Bassgitarre und für einige Tracks nutze die Band einen Drumcomputer. Andere Musiker, die an der Aufnahme des Albums beteiligt waren, waren: Jurij Novoselić (Mitlgied der Band Film, Altsaxophon und Keyboard), Rastko Milošev (von Parni Valjak, Gitarre), der Jazzmusiker Neven Frangeš (Keyboard), außerdem weibliche Mitglieder der Reggaeband Naturalna Mistika („Natürliche Mystik“) und die Schauspielerin Anja Šovagović für die Backvocals. Das Album enthielt außerdem als Gast den Schauspieler Rade Šerbedžija, welcher im Song Take the Money and Run rezitiert. Das Album wurde produziert von Dragan Mačinović und Mitar Subotić. Mit all den von Rundek geschriebenen Songs brachte Bolero den zweitgrößten Hit der Band, den Song Ena, neben erfolgreichen Songs wie Šejn, Šal od svile („Seidentuch“), Ja želim („Ich wünsche“), TV Man, Sejmeni und Take the Money and Run. Letzterer enthält Elemente des Rap. Für die Promotionstour kehrten Gulić, Prica und Santro zurück, außerdem der Bassist Marion Barišin (früher bei Trobecove Krušne Peći), Keyboarder Alen Bjelinski (früher bei Aerodrom) und der Trompeter Igor Pavlica. 1986 erschien die Band auf dem Zagreb Fest mit dem Song Samo na čas („Nur für einen Moment“).
Das Album Tajni grad („Geheime Stadt“) wurde mit zwei neuen Mitgliedern aufgenommen: Bassist Marino Pelajić (früher bei Film) und Keyboarder Julije Rejić. Sacher spielte als Gast den Bass für fünf Songs. Alle Songs wurden von Rundek geschrieben. Das Album wurde von der Kritik und der Öffentlichkeit gut angenommen und die Titel Ula ulala, Bi mogo da mogu („Ich könnte, wenn ich könnte“), Uzalud pitaš („Du fragst vergeblich“). Samo na čas und Uhode („Verfolger“) wurden die Favoriten des Publikums.
1990, mitten in den Aufnahmen für das fünfte Album mit dem Arbeitstitel Dovitljivi mali čudaci („Schlagfertige kleine Sonderlinge“), beendete die Band plötzliche ihre Aktivitäten.
Neue Aktivitäten früherer Mitglieder und posthume Veröffentlichungen links|mini|Darko Rundek bei einem Konzert 2017. In der Mitte der 1990er startete Rundek eine erfolgreiche Karriere als Singer-Songwriter. Nach der Auflösung Haustors zog Rundek mit seiner Familie nach Paris und startete eine sehr erfolgreiche Karriere als singer-songwriter mit der Veröffentlichung seines Albums von 1996 Apokalipso („Apokalypse“). Nach seinem Weggang von Haustor trat Sacher mit den Bands Brojani, Ayllu, Naturalna Mistika, und Dee Dee Mellow auf, bevor er die erfolgreiche Band Vještice gründete.
Prica trat mit der Band Duboko Grlo auf, („Deep Throat“, benannt nach dem pornographischen Film selben Namens), welche vom Keyboarder Zoran Šilović geführt wurde. 1986 gründete Prica die Free-Jazz-Band Cul-de-Sac (französisch für „Sackgasse“) mit dem Gitarristen Dragan Pajić „Pajo“. Cul-de-Sac spielten informelle Konzerte auf der Straße oder in Unterführungen. Während der Anfängen der Band, traten verschiedene Musiker mit ihnen auf, so wie Rundek (an Gitarre und Bass), Pavlica, der Hornist Neven Jurić, die Drummer Predrag Dubravčić und Ivan Marušić „Klif“ und andere. Sie veröffentlichten zwei Alben: The End … Some More (Part Four) und The End of the World and the Other Songs Including Hit Single, beide im Jahr 1990. Die Band nahm auch Musik für animierte Kurzfilme und für die Theaterstücke Coccolemocco und Događanja („Ereignisse“) des Kugla glumište-Theaters auf. 1993 zogen Prica und Pajić nach Amsterdam, wo sie die Band neu gründeten. Zusätzlich zur Arbeit mit Cul-de-Sac trat Prica auch mit der Avantgarde-Bad Pink Noise Quartet auf und nahm mit ihnen das ebenso benannte Album von 1999 auf. Er komponierte außerdem Musik für die Performance Nexus der Künstlerin Nataša Lušetić. 2000 zog Pajić zurück nach Zagreb, wo er die Aktivitäten von Cul-de-Sac fortführte und fügte Orkestar za ubrzanu evoluciju („Orchester für eine beschleunigte Evolution“) zum Namen der Band. Rundek, Pavlica, Neven Jurić, Andreja Košavić (Gesang, Trompete), Miro Manojlović (Vibraphon) und andere Musiker traten mit der Band zu verschiedenen Gelegenheiten auf. Prica kehrte 2013 zurück nach Zagreb und trat der Band Franz Kafka Ensemble bei und nahm mit ihr das Album Circus Noir (2018) auf. Die Cul-de-Sac doppel vinyl Compilation L'Equipue Extraordinaire, die 2019 veröffentlicht wurde, enthält Studioaufnahmen sowie Aufnahmen der Konzerte und Proben zwischen 1986 und 2006.