mini|Slovenski narod, 1. Ausgabe vom 2. April 1868
Slovenski narod (slowenisch für Slowenisches Volk oder Slowenische Nation) war eine slowenische politische Tageszeitung, die von 1868 bis 1943 erschien. Sie gilt als die erste slowenische Tageszeitung überhaupt und war das führende liberale Presseorgan der Slowenen vor dem Ersten Weltkrieg. Die Zeitung erschien unter dem Motto „Vse za narod, svobodo in napredek“ (Alles für das Volk, die Freiheit und den Fortschritt).
Vorgeschichte und Gründung Nach dem Einstellen des von Urban Jarnik und Anton Martin Slomšek geprägten konservativ-klerikalen Slovenec fehlte dem slowenischen liberalen Bürgertum ein eigenes Presseorgan. Die von Janez Bleiweis herausgegebenen Kmetijske in rokodelske novice – kurz Novice (Landwirtschaftliche und Handwerkszeitung) mit ihrer konservativen Ausrichtung und ihrem volksnahen Profil entsprachen den Vorstellungen der liberal gesinnten Intelligenz nicht. Man wollte ein Blatt, das die Rechte der Slowenen als eigenständige Nation verteidigte.
Ende 1867 begannen Vertreter der steirischen Jungslowenen konkrete Pläne für ein neues Blatt zu schmieden. Als Chefredakteur wurde Anton Tomšič vorgesehen, der 1867 als Rechtsanwaltsgehilfe in einer Anwaltskanzlei in Marburg an der Drau (heute Maribor) tätig war und dort Kontakt zu national gesinnten slowenischen Politikern, darunter den Landtagsabgeordneten Janez Lipold und Josip Vošnjak, gefunden hatte, die die Zeitung mit ins Leben rufen sollten.
Gegen den Widerstand von Bleiweis, dem einflussreichsten Vertreter des konservativen Lagers der Altslowenen, gelang es am 2. April 1868 in Maribor die erste Nummer des Slovenski narod herauszugeben, der zunächst dreimal wöchentlich erschien.
Inhalt und politische Ausrichtung Trotz der politischen Spannungen jener Jahre war der Ton des Blattes maßvoll und sachlich; Polemiken mit den Novice wurden vermieden. Das Programm der ersten Nummer betonte den Wunsch nach einer föderalistischen Staatsordnung, in der alle Slowenen in einer gemeinsamen Verwaltungseinheit vereint sein sollten und die slowenische Sprache in Ämtern, Schulen und dem öffentlichen Leben gleichberechtigt sein müsste. Zum Programm gehörte auch der Gedanke der slowenischen Zusammengehörigkeit mit den übrigen Südslawen.
Chefredakteur Tomšič schrieb im Kommentar zur ersten Nummer, es reiche für die Nationalpolitik nicht aus, die eigene Sprache lediglich zu lieben – man müsse sich für sie auch opfern. Die Zeitung war von Anfang an gesamtslawisch und jugoslawisch ausgerichtet. Tomšič gab noch im selben Jahr seine juristische Laufbahn auf und wurde damit der erste slowenischsprachige hauptberufliche Journalist.
Als Mitarbeiter gewann Tomšič bedeutende Schriftsteller und Sprachwissenschaftler, darunter Fran Levstik, Fran Levec und Janko Pajk. Seine redaktionelle Radikalität brachte ihm mehrere Presseprozesse ein, vor denen er die Zeitung erfolgreich verteidigte.
Redakteure Unter Anton Tomšič als arbeitete wirkte ab Frühjahr 1868 der Schriftsteller Josip Jurčič als Hilfsschriftleiter. Nach dem Tod von Tomšič am 27. Mai 1871 übernahm zunächst Ivan Železnikar vorübergehend die Leitung der Redaktion; im Juli 1871 folgte Josip Jurčič, der das Blatt bis zu seinem Tod am 3. Mai 1881 redigierte. Von 1887 bis zu seinem Tod 1923 leitete Ivan Tavčar (Schriftsteller, Politiker und später Bürgermeister von Ljubljana) die Zeitung. Unter seiner Führung entwickelte sich das Blatt zum wichtigsten liberalen Sprachrohr der Krain.
Umzug nach Ljubljana und Aufstieg zur Tageszeitung In Maribor erschien die Zeitung bis 1872; mit dem Umzug nach Ljubljana stieg sie zum führenden Organ der neuen politischen Kraft auf, die sich wenige Jahrzehnte später als liberale Narodno napredna stranka (National-Fortschrittliche Partei) konstituieren sollte. Für den Umzug wurde die Aktiengesellschaft Narodna tiskarna (Nationaldruckerei) gegründet, die zugleich Miteignerin der Zeitung war.
Mit dem Umzug nach Ljubljana nahm auch die Zahl der behördlichen Beschlagnahmungen zu; wegen politisch unerwünschter Artikel verhängten die Behörden zeitweise Erscheinungsverbote. Dort, wo Artikel zensiert wurden, erschien das Blatt mit weißen Lücken – ein bewusstes Signal an die Leserschaft. Am 1. Januar 1873 erschien mit der Slovenski narod die erste slowenische Tageszeitung.
Organ der Narodno napredna stranka 1894 wurde Slovenski narod offizielles Organ der Narodno napredna stranka. Bis zum Ersten Weltkrieg war das Blatt das führende Sprachrohr der slowenischen Liberalen; mit wachsender Auflage und steigenden Abonnentenzahlen wuchs auch sein politischer Einfluss. Besonders Ivan Tavčar profilierte sich durch scharfe antiklerikale publizistische Beiträge im Parteiblatt und prägte damit für Jahrzehnte die politische Linie der Zeitung.
Niedergang und Einstellung Nach dem Tod Ivan Tavčars 1923 verkauften seine Erben die Druckereiaktien. Eine Gruppe von Jungslowenen um Gregor Žerjav und Albert Kramer übernahm das Blatt. Da diese politische Gruppe bereits das Tageblatt Jutro besaß, verlor Slovenski narod an Bedeutung und wurde zum weniger einflussreichen Nachmittagsblatt.
Während der italienischen Besatzungszeit druckte die Zeitung Berichte der Besatzungsbehörden, Warnungen vor bolschewistischem Terror und Anklagen gegen die Befreiungsfront (Osvobodilna fronta). Als 1943 die Deutschen die Kontrolle über das Laibach-Gebiet übernahmen, musste Slovenski narod wegen Papiermangels sein Erscheinen als Tageszeitung einstellen. Von Ende 1943 bis 1945 erschien er im Rahmen des Jutro jeden Montag als Beilage unter dem Untertitel „Montagsausgabe des ›Jutro‹“. Siehe auch Liste slowenischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften Literatur Smilja Amon: Obdobja razvoja slovenskega novinarstva. In: Poti slovenskega novinarstva – danes in jutri. Fakulteta za družbene vede, Ljubljana 2004, S. 53–68. Štefan Barbarič: Josip Jurčič. Partizanska knjiga, Ljubljana 1986. Monika Kalin Golob: H koreninam slovenskega poročevalskega stila. Jutro, Ljubljana 2003. Sonja Merljak Zdovc: Preteklost je prolog: Pregled zgodovine novinarstva na Slovenskem in po svetu. Fakulteta za družbene vede, Ljubljana 2007. Fran Vatovec, Bohumil Teplý: Ob stoletnici ustanovitve „Slovenskega Naroda“ 1868–1968. Društvo novinarjev Slovenije, Maribor 1968.
Weblinks
Slovenski narod in der Digitalen Bibliothek Sloweniens (dLib.si) Slovenski narod in der virtuellen Bibliothek Europeana (europeana.eu) Universitätsbibliothek Maribor: Übersicht über slowenische Zeitschriften Einzelnachweise
Kategorie:Zeitung (Slowenien) Kategorie:Slowenischsprachige Tageszeitung Kategorie:Zeitung (Österreich-Ungarn) Kategorie:Gegründet 1868 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1945 Kategorie:Slowenische Geschichte (19. Jahrhundert) Kategorie:Slowenische Geschichte (20. Jahrhundert)