Die Belagerung von Schweidnitz war eine militärische Konfrontation während des Vierten Koalitionskrieges. Sie dauerte vom 10. Januar bis zum 16. Februar 1807. Die von einer preußischen Garnison verteidigte Festung Schweidnitz (polnisch: Świdnica) in Schlesien wurde dabei von französisch-württembergischen Verbänden eingeschlossen und kapitulierte nach einem mehrtägigen Bombardement.
Vorgeschichte
Nach den Schlachten bei Jena und Auerstedt und der Einnahme verschiedener Festungen hatte sich der Schwerpunkt der Operationen rasch an die Weichsel verlegt. Die preußische Region Schlesien stellte daher nur einen Nebenkriegsschauplatz dar, der nur an Bedeutung gewinnen würde, wenn Österreich in den Krieg eingriff. Zur Sicherung dieser Flanke hatte Napoleon Bonaparte Truppen unter dem Kommando seines Bruders Jérôme Bonaparte dorthin abgezweigt (später als 9. Korps zusammengefasst), die zunächst Glogau und Breslau eingenommen hatten. Für die Wintermonate rechnete man zunächst nicht mit größeren Operationen, weshalb man die Zeit zur weiteren Verbesserung der Position in Schlesien zu nutzen gedachte. Jérôme erhielt deshalb von Napoleon den Befehl Brieg, Kosel und Schweidnitz einzunehmen.Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 4, Berlin 1896, S. 34 Entsprechend entsandte er die bayerische Division Deroy gegen Brieg und die Württemberger Division unter Generalleutnant Friedrich Ludwig Aberdar von Seckendorf und Géneral Dominique Joseph Vandamme gegen Schweidnitz. Er selbst blieb mit dem Rest des Korps bei Breslau und Strehlen.Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 4, Berlin 1896, S. 387
Schweidnitz war bereits im Siebenjährigen Krieg mehrfach umkämpft gewesen. Die Festung war deshalb in den Jahren danach soweit ausgebaut worden, dass sie im Jahr 1806 eine der stärksten in Preußen war.Julius Schmidt: Ein Urtheil des zur Untersuchung der Motive der im Jahre 1807 erfolgten Capitulation der Festung Schweidnitz eingesetzten Kriegsgerichts, in: Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, Breslau 1874, S. 5f Die Besatzung bestand aus 6.391 Mann, darunter viele Freiwillige; allerdings mangelte es an ausgebildeten Artilleristen. In den Magazinen lagen Vorräte für drei Monate sowie große Bestände an Pulver und Munition.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 328 Die formellen Kommandanten waren Oberstleutnant von Hacke und der Ingenieur-Major von Hombold. Daneben befand sich auch Generalmajor Heinrich von Kropff in der Festung, der aufgrund seines Dienstalters eine Rolle in der preußischen Führung spielte. Der Generalgouverneur von Schlesien Oberst Fürst Pleß befahl die Verteidigung der Festung bis zum letzten Mann und König Friedrich Wilhelm III. bestätigte dies.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 329
Belagerung
Am 10. Januar 1807 erschien Vandamme vor Schweidnitz und schloss die Festung ein. Zunächst blieb die Einschließung noch locker. Vandamme schob lediglich Tirailleure vor, die sich bis zum 30. Januar Scharmützel mit der Besatzung um den Besitz kleinerer Dörfer lieferten. Dabei gingen mehrere Dörfer in Flammen auf. Da die Franzosen/Württemberger keine Belagerungsartillerie zur Hand hatten, konnten sie zunächst nur Feldgeschütze gegen die Festung einsetzen, was ziemlich wirkungslos blieb.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 330f
Die Franzosen führen weder Erdarbeiten durch, noch legten sie Minen an. Sie warfen zunächst lediglich Stellungen für drei Batterien auf. Das »Gartenfort«, »Jauernicker Fort« und »Galgenfort« erwiderten das Feuer lebhaft, wenn auch ineffizient. Unter dem General der Artillerie des 9. Korps, General Joseph Marie de Pernety führten die Franzosen schließlich einen Belagerungspark aus Breslau heran, den sie in den drei Batterien in Stellung gehen ließen. Schließlich eröffneten sie am 3. Februar 1807 das Bombardement. Die belagerten Preußen feuerten in den nächsten Tagen insgesamt 9.136 Schüsse zurück, die aber ineffizient blieben. Nachdem die Besatzung eine erneute Aufforderung zur Übergabe abgelehnt hatte, feuerten die Franzosen 816 Kugeln und 400 Granaten in die Stadt, welche Brände auslösten. Die Besatzung erhöhte ihr Gegenfeuer auf mehr als 16.000 Schuss, konnte aber nur zwei feindliche Soldaten töten und drei verwunden. Die gegenseitige Beschießung, die einigen Schaden in der Stadt verursachte, hielt bis zum 6. Februar an, als der Adjutant des Prinzen Jérôme – Friedrich von Hohenzollern-Hechingen – zu neuerlichen Verhandlungen nach Schweidnitz entsandt wurde.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 331f
Nach einiger Zeit einigte er sich mit Generalmajor Kropff am 8. Februar darauf, auf einen Waffenstillstand bis zum 16. Februar. Sollte bis zu diesem Tag kein Entsatz eingetroffen sein, würde die Besatzung kapitulieren und die gleichen Bedingungen erhalten wie zuvor die Breslauer Garnison.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 333–336 Am Nachmittag des 15. Februar rückten württembergische Jäger ein und besetzten einige Tore. Am folgenden Morgen wurden die Vorräte übergeben, die Besatzung rückte aus und streckte das Gewehr. 92 Offiziere und 4.001 Mann gingen in Gefangenschaft. Bereits zuvor waren 41 Unteroffiziere und 1.425 Mann desertiert. Nach am selben Tag kamen auch Jerome und Vandamme in die Stadt.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 337
Entsatzversuche mini|Plan der Belagerung und Beschießung der Festung Schweidnitz (1807)
Bis Ende Januar hatte Oberst Fürst Pleß die wenigen Feldtruppen (5 Kompanien und 15 Eskadronen, 1000 Remonten) bei Glatz. Vandamme wusste davon und hatte zunächst gezögert, Schweidnitz ernsthaft anzugreifen. Erst als er sich vergewissert hatte, dass diese preußischen Kräfte keine ernsthafte Gefahr darstellten, ließ er am 3. Februar die Bombardierung von Schweidnitz beginnen.Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 4, Berlin 1896, S. 388 Pleß plante am 10. Februar einen Entsatzversuch als die Meldung von der Kapitulation einging. Er versuchte diese zunächst abzuwenden, indem er versuchte einen Offizier in die Festung zu schicken, der die Kommandanten ablösen und die Kapitulation rückgängig machen sollte. Doch dieser Versuch schlug fehl.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 336f
Außerdem entschloss er sich dazu einen Versuch zu wagen vor dem 16. Februar einen Entsatz zu bewerkstelligen. Seine Truppen sollten durch das Gebirge entlang der böhmischen Grenze vorgehen und so überraschend vor Schweidnitz auftauchen. Die Umstände waren jedoch denkbar schlecht: Fürst Pleß setzte sich nach Böhmen ab und sein Stellvertreter Major Friedrich Wilhelm von Götzen war mit einer diplomatischen Mission nach Wien beauftragt worden. Außerdem hatte Vandamme zur Verhinderung jeden Entsatzes insgesamt zwei Regimenter Infanterie, zwei Regimenter Kavallerie, zwei leichte Bataillone und eine Batterie gegen Glatz vorgeschoben. Der aussichtslose Vorstoß unter Major Otto von Stössel scheiterte entsprechend im Gefecht bei Markgrund am 15. Februar. Seine Truppen wurden teilweise zersprengt und teilweise gefangen genommen. Nur vier Eskadronen entkamen nach Neisse.Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 4, Berlin 1896, S. 389
Folgen
Andere schlesische Festungen wie Kosel, Glatz und Silberberg hielten sich bis zum Waffenstillstand im Sommer 1807. Dagegen musste der Fall der Hauptfestung Schweidnitz nach nur drei Tagen einer Beschießung im engeren Sinne negativ auffallen. Die Kommandanten von Schweidnitz von Hacke und von Homboldt wurden wegen ihres Versagens im Jahr 1809 vor ein Militärgericht gestellt und am 10. Oktober 1810 zum Tod durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde jedoch später in Kassation und lebenslange Festungshaft in Neisse umgewandelt.Julius Schmidt: Ein Urtheil des zur Untersuchung der Motive der im Jahre 1807 erfolgten Capitulation der Festung Schweidnitz eingesetzten Kriegsgerichts, in: Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, Breslau 1874, S. 7 Auch Generalmajor von Kropff wurde im Dezember 1810 zu Festungshaft verurteilt.
Die kurze Beschießung hatte jedoch einige Schäden in der Stadt verursacht. 200 Häuser waren beschädigt worden, davon waren aber nur acht völlig zerstört.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 340 Die Nachricht vom Fall Schweidnitz' traf am 23. Februar im kaiserlichen Hauptquartier ein, wo Napoleon befahl, die Festungswerke ebenso wie diejenigen von Breslau und Brieg abzureißen.Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 4, Berlin 1896, S. 178 Da die Werke auch nach den Napoleonischen Kriegen nicht wieder aufgebaut wurden, endete damit die Geschichte von Schweidnitz als Festungsstadt.
Literatur
Étienne Gabriel de Blois de la Calende: Bombardement de Schweidnitz par les Français en 1807, Paris 1849. (Online-Version) Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 4, Berlin 1896. (Online-Version) Claude Marion: Journal des Opérations de L’Artillerie au Siege de Schweidnitz en 1807, Paris 1842. (Online-Version) Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz. Band 2, Schweidnitz 1848. (Online-Version) Julius Schmidt: Ein Urtheil des zur Untersuchung der Motive der im Jahre 1807 erfolgten Capitulation der Festung Schweidnitz eingesetzten Kriegsgerichts, in: Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, Breslau 1874 (Online-Version)
Einzelnachweise
Schweidnitz Schweidnitz Schweidnitz Schweidnitz Kategorie:Konflikt 1807 Kategorie:Geschichte (Świdnica)