Das D.P. Assembly Center Kaunitz bzw. DPAC Kaunitz oder auch D.P. Camp Kaunitz/DP Camp Kaunitz war ein „Displaced Persons Camp“, welches am 1. April 1945 in Kaunitz (Amt Verl, heute Stadt Verl) eingerichtet wurde und bis zur Jahreswende 1949/1950 bestand. Es war in Westdeutschland das einzige DP-Camp, welches in einem Dorf eingerichtet wurde. mini|Die 1995 enthüllte Gedenktafel, 2026 Am 30. März 1945 mussten 800–900 jüdische Zwangsarbeiterinnen (Polinnen, Tschechoslowakinnen und Ungarinnen) das KZ-Buchenwald-Außenlager der Lippstädter Eisen- und Metallwerke in Lippstadt verlassen. Durch einen Todesmarsch in das Konzentrationslager Bergen-Belsen wollte die SS die Befreiung der Frauen durch die herannahenden amerikanischen Truppen verhindern. Doch am 1. April erreichte die 30. Infanteriedivision der Ninth United States Army die Gruppe kurz vor dem Dorf Kaunitz (heute Stadt Verl) und befreiten sie.

Die amerikanischen Einheiten beschlagnahmten Wohnungen und Häuser im Ort, um die Frauen unterzubringen. Dieses Vorgehen entsprach nicht der üblichen Richtlinie, die vorsah, Kriegsgefangene in nahegelegene Sammelunterkünfte unterzubringen. Über die Hälfte der Häuser des Ortes wurde für Einquartierungen genutzt, was im Folgenden zu lokalen Spannungen führte. Es waren 72 Häuser mit 107 deutschen Familien von der Beschlagnahme betroffen. Zudem die Dorfschule, die Spar- und Darlehnskasse sowie das Pfarr- und das Küsterhaus. Die Jewish Relief Unit und das Lagerkomitee organisierten vor Ort für die Bewohner des Lagers Angebote zur Aus- und Weiterbildung sowie Kultur- und Sportveranstaltungen.Joachim Görres: Warnung vor Fallingbostel. Ausstellung über jüdische Presse. taz, 21. November 2012. Durch World ORT wurden bspw. Schneiderei-Kurse angeboten, die von 27 Schülerinnen besucht wurden.

Das Displaced Persons Assembly Center Kaunitz wurde anfangs auch für befreite Gefangene und Zwangsarbeiter aus dem nahegelegenen Stammlager VI K (326) genutzt. Bis zu 1200 Menschen fanden so zeitweise Zuflucht im DP-Lager. Die britische Militärregierung übernahm im Sommer 1945 die Verwaltung, da Kaunitz in der britischen Besatzungszone lag. Nachdem gegen Ende des Jahres 1949 die letzten früheren Zwangsarbeiterinnen Kaunitz in Richtung Australien, Israel, Kanada und die USA verlassen hatten, wurde das DP-Lager aufgelöst.Displaced Persons Assembly Center Kaunitz 1945–1949. Jüdische DP-Lager und Gemeinden in Westdeutschland. Internetlexikon.Annette Huss: „Camp Kaunitz“. Das Lager für Displaced Persons in Kaunitz 1945–1949. In: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2017. S. 38–42.Gisbert Strotdrees: „Wir dachten, die einzigen Überlebenden zu sein“. Kriegsende 1945 in Kaunitz: Ein Bauerndorf wird „D. P. Assembly Center“ für hunderte befreiter Jüdinnen. In: ders.: Jüdisches Landleben. Vergessene Welten in Westfalen. Das Landjudentum von seiner Entstehung seit dem Mittelalter bis zur völligen Zerstörung während des Nationalsozialismus. Landwirtschaftsverlag, Münster 2024, ISBN 978-3-7843-5781-2, S. 144–151.

50 Jahre nach der Befreiung wurde an der Stelle (), auf Anregung einer Projektgruppe der Anne-Frank-Gesamtschule Gütersloh, eine Gedenktafel enthüllt.

Literatur

Weblinks

Die Befreiung und Kategorisierung jüdischer Frauen in Kaunitz (Westfalen) ab 1945 in de.hypotheses

Displaced Persons Assembly Center Kaunitz 1945–1949 Fotos des Jewish Committee for Relief vom DPAC Kaunitz in der Wiener Holocaust Library

Einzelnachweise

Kategorie:Verl Kategorie:KZ Buchenwald Kategorie:Alliierte Besetzung Deutschlands Kategorie:DP-Lager