Morgan & Morgan ist eine US-amerikanische Anwaltskanzlei mit Sitz in Orlando (Florida). Sie wurde 1988 von John Morgan gegründet. Die Kanzlei ist insbesondere auf Personenschadensrecht, Arzthaftung und Sammelklagen spezialisiert und bietet darüber hinaus weitere Rechtsdienstleistungen an. Nach eigenen Angaben ist sie in allen 50 US-Bundesstaaten sowie in Washington, D.C. vertreten und beschäftigt über 1.000 zugelassene Anwälte.

Geschichte Die Kanzlei wurde 1988 in Orlando (Florida) von John Morgan gemeinsam mit Stewart Colling und Ron Gilbert gegründet.

Bereits 1989 begann die Kanzlei mit Werbung im Fernsehen und Radio.

Im Jahr 2005 übernahm Morgan die Anteile seiner Mitgründer und benannte die Kanzlei in „Morgan & Morgan“ um; seine Ehefrau Ultima Morgan wurde Partnerin. Der Orlando Sentinel führte unterschiedliche Auffassungen über Wachstum und Expansion als Hintergrund der Trennung an.

Zu Beginn der 2000er Jahre beschäftigte die Kanzlei rund 420 Mitarbeiter in Florida. 2013 arbeiteten laut Medienberichten 260 Anwälte unter insgesamt etwa 1.800 Beschäftigten in Florida, Georgia, Mississippi, Kentucky und Manhattan.

Im Januar 2011 trat der frühere Gouverneur von Florida, Charlie Crist, der Niederlassung in Tampa bei und war im Bereich komplexer Sammelklagen tätig. 2016 wurde Crist in den US-Kongress gewählt.

2018 berichteten Medien, dass die Kanzlei über zwei Millionen Anrufe pro Jahr erhielt und täglich rund 500 neue Mandate übernahm. Im selben Jahr wurden Vergleichszahlungen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar erzielt; die landesweiten Werbeausgaben lagen bei etwa 130 Millionen US-Dollar.

2021 reduzierte die Kanzlei ihre Marketingabteilung im Anschluss an eine umstrittene landesweite Werbekampagne mit dem Slogan „Size Matters“, die in Medienberichten wegen ihrer Anspielungen kritisiert wurde.

2024 wurde Morgan & Morgan in der Rangliste „Law360 400“ unter den 50 größten Kanzleien nach Mitarbeiterzahl geführt.

2025 beschäftigte die Kanzlei mehr als 6.000 Mitarbeiter, darunter über 1.000 Anwälte, und war in allen 50 US-Bundesstaaten sowie in Washington, D.C. vertreten.

Gerichtsverfahren

Morgan & Morgan erhob im Zusammenhang mit der Datenpanne von Equifax im Jahr 2017 eine Sammelklage.

2018 beteiligte sich die Kanzlei gemeinsam mit anderen Anwaltskanzleien an Klagen nach einer weiteren Datenpanne, von der Berichten zufolge rund 230 Millionen US-Bürger und 110 Millionen Unternehmen betroffen waren.

Ebenfalls 2018 erklärte sich das in Florida ansässige Unternehmen Healogics Inc. bereit, 22,5 Millionen US-Dollar zu zahlen, um Vorwürfe nach dem False Claims Act beizulegen, nachdem es in einem von Morgan & Morgan geführten Verfahren um angeblich unberechtigte Abrechnungen gegenüber Medicare gegangen war.

Im Juni 2018 vertrat die Kanzlei mehrere Geschädigte nach der Entgleisung der Achterbahn „Sand Blaster“ in Daytona Beach.

Zu den Mandaten gehörte außerdem die Vertretung von Klägern im Zusammenhang mit einem Methangas-Leck in Kalifornien im Jahr 2015.

Im Oktober 2022 reichte Bethenny Frankel Klage gegen TikTok ein. Morgan & Morgan vertrat sie in einem Verfahren wegen der angeblich unerlaubten Nutzung ihres Namens und ihrer Bildnisse in betrügerischen Werbeanzeigen.

Nach einem Amoklauf in einem Walmart-Supermarkt in Chesapeake (Virginia) im Jahr 2022 reichten Anwälte der Kanzlei im Namen von Mitarbeitern Klagen auf Schadensersatz in Höhe von jeweils 50 Millionen US-Dollar ein.

2023 vertrat die Kanzlei Mandanten im Zusammenhang mit der Zugentgleisung in East Palestine (Ohio).

Ebenfalls 2023 reichte die Kanzlei Klagen gegen die Pharmaunternehmen Novo Nordisk und Eli Lilly im Zusammenhang mit Nebenwirkungen von GLP-1-Medikamenten ein.

Seit 2023 vertritt die Kanzlei zudem Familien in Zivilklagen im Zusammenhang mit dem sogenannten „Harvard-Morgue-Fall“, bei dem gespendete Leichenteile aus dem anatomischen Programm der Harvard Medical School entwendet und weiterverkauft worden sein sollen. 2025 entschied der Massachusetts Supreme Judicial Court, dass zentrale Klagepunkte weiterverfolgt werden dürfen.

2024 reichte die Kanzlei unter anderem eine Klage wegen fahrlässiger Tötung gegen Boar’s Head im Zusammenhang mit einem tödlichen Listerien-Ausbruch ein. Zudem machte sie geltend, dass elf große Lebensmittelhersteller durch die Vermarktung von stark verarbeiteten Lebensmitteln zur Entwicklung von Typ-2-Diabetes und Fettleber bei einem 18-jährigen Mandanten beigetragen hätten. Darüber hinaus vertrat die Kanzlei Kläger in einem Verfahren wegen sexueller Übergriffe gegen prominente Personen aus dem Bereich hochpreisiger Immobiliengeschäfte.

2025 erhob die Kanzlei Klage im Zusammenhang mit dem Tod einer Frau, die Lachgas (Distickstoffmonoxid) aus einem frei verkäuflichen Produkt inhaliert hatte.

2025 erwirkte Morgan & Morgan unter anderem ein Urteil über 3 Millionen US-Dollar in einem Produkthaftungsfall im Zusammenhang mit einem fehlerhaften Airbag sowie ein Geschworenenurteil über 425,7 Millionen US-Dollar in einem Datenschutzverfahren gegen Google.

Im selben Jahr wurde in einem Verfahren wegen rechtswidriger Tötung im Zusammenhang mit der Erschießung des Sohnes der früheren Senatorin Daphne Campbell ein Geschworenenurteil über 100 Millionen US-Dollar zugesprochen.

Politische Aktivitäten

Morgan & Morgan unterstützte eine Initiative zur Änderung der Verfassung des Bundesstaates Florida, um die Nutzung von medizinischem Cannabis zu erlauben. Die Kampagne wurde 2013 gestartet; laut Medienberichten investierte die Kanzlei mehr als 15 Millionen US-Dollar in die Initiative „United for Care“.

Die entsprechende Verfassungsänderung („Amendment 2“) wurde 2016 im Rahmen einer Volksabstimmung angenommen.

John Morgan spendete im Präsidentschaftswahlkampf 2016 an Hillary Clinton. Im August 2020 unterstützte er den Biden Victory Fund mit einer Spende in Höhe von 355.000 US-Dollar. Medien berichteten zudem über persönliche Kontakte Morgans zu Frank Biden, dem Bruder des späteren US-Präsidenten Joe Biden.

2017 unterstützte Morgan & Morgan eine Initiative zur Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns in Florida auf 15 US-Dollar pro Stunde mit rund 1,5 Millionen US-Dollar. 2020 wurde eine entsprechende Verfassungsänderung per Volksabstimmung angenommen; die Kanzlei stellte hierfür weitere finanzielle Mittel bereit.

Vorfall in Wyoming im Zusammenhang mit KI-generierten Zitaten

Im Februar 2025 verhängte ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Wyoming Sanktionen gegen drei Anwälte der Kanzlei, nachdem in einem eingereichten Schriftsatz acht nicht existente Gerichtsentscheidungen zitiert worden waren, die mithilfe eines KI-Tools generiert worden waren.

Der federführende Anwalt Rudwin Ayala räumte ein, sich unzureichend auf ein KI-Tool verlassen zu haben, das fehlerhafte Quellenangaben erzeugt hatte. Ayala wurde zu einer Geldstrafe von 3.000 US-Dollar verurteilt; seine Zulassung für das konkrete Verfahren (pro hac vice) wurde widerrufen. Zwei weitere verantwortliche Anwälte erhielten Geldstrafen in Höhe von jeweils 1.000 US-Dollar, da sie die eingereichten Unterlagen nicht ausreichend überprüft hatten.

Nach der Entscheidung des Gerichts zog Morgan & Morgan den betreffenden Schriftsatz zurück, erstattete die entstandenen Anwaltskosten der Gegenseite und führte interne Maßnahmen ein, darunter zusätzliche Schulungen zum Einsatz von KI-Systemen sowie strengere Prüfverfahren für Quellenangaben. Das Gericht sah von Sanktionen gegen die Kanzlei als Organisation ab und verwies auf die umgehend ergriffenen Korrekturmaßnahmen.

Weitere Aktivitäten

Gemeinnütziges Engagement

2013 stellte Morgan & Morgan 2 Millionen US-Dollar für die Errichtung des „Morgan & Morgan Hunger Relief Center“ bereit, einer rund 9.300 Quadratmeter großen Einrichtung der Organisation Second Harvest Food Bank of Central Florida.

Die Kanzlei war nach Medienberichten an der Gründung von Boys Town Orlando beteiligt, einer Einrichtung zur Unterstützung gefährdeter Jugendlicher und engagierte sich bei Spendenkampagnen für die Annunciation Catholic Academy in Altamonte Springs.

Weitere philanthropische Aktivitäten umfassten Spenden an Programme zur Unterstützung obdachloser Menschen sowie Zuwendungen in Höhe von jeweils 1 Million US-Dollar an die juristische Fakultät der University of Florida und an das Community Resource Network of Central Florida.

Kooperationen und Partnerschaften

Nach einer Regeländerung der NCAA im Jahr 2021, die Vereinbarungen über Name, Bild und Persönlichkeitsrechte (NIL) von College-Sportlern erlaubte, schloss Morgan & Morgan Werbeverträge mit Hochschulathleten ab. Zu den ersten gehörten im Juli 2021 vier Footballspieler der University of Kentucky. Bis 2024 bestanden laut Medienberichten mehr als 50 entsprechende Vereinbarungen mit Athleten verschiedener Universitäten.

Im April 2022 wurde Morgan & Morgan Sponsor des Baseball-Teams Boston Red Sox. Zudem unterstützte die Kanzlei das „Donated Ticket Program“ der Red Sox Foundation.

2024 schloss das Unternehmen Sponsoring-Vereinbarungen mit der Ultimate Fighting Championship (UFC) sowie mit dem Eishockeyteam Pittsburgh Penguins ab.

Darüber hinaus unterstützte die Kanzlei karitative Kampagnen in Zusammenarbeit mit den Miami Heat und den Arizona Diamondbacks.

Im März 2025 trat Morgan & Morgan als Hauptsponsor des Schauspielers und Rennfahrers Frankie Muniz bei mehreren Rennen der NASCAR Craftsman Truck Series auf. Im April 2025 wurde die Kanzlei im Rahmen einer mehrjährigen Vereinbarung offizieller Rechtspartner der WWE.

Im Mai 2025 startete die Kanzlei eine Werbekampagne mit dem Titel „There’s a Reason“, an der unter anderem der NASCAR-Fahrer Kyle Busch beteiligt war.

Weblinks

Offizielle Website

Einzelnachweise

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