mini|Theodore Christian Schneirla Theodore Christian Schneirla (* 23. Juli 1902 in Bay City; † 20. August 1968 in New York City) war ein US-amerikanischer Tierpsychologe, Professor an der New York University und ordentlicher Kurator am American Museum of Natural History in New York City.Theodore Christian Schneirla. American animal psychologist auf Britannica.com, abgerufen am 18. Mai 2026.Schneirla, Theodore Christian auf encyclopedia.com, abgerufen am 18. MaI 2026.

Leben Er wuchs in einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde nahe der Saginaw Bay in Michigan auf. Dort besuchte er öffentliche Schulen und anschließend die University of Michigan in Ann Arbor. Hier erwarb er 1925 einen M.S. Er blieb als Doktorand an der University of Michigan und forschte unter der Anleitung von John F. Shepard zum Verhalten von Ameisen. 1928 promovierte er zu einem Doctor of Science (Sc.D.); der Titel seiner Dissertation lautete „Learning and Orientation in Ants“ (dt. Lernen und Orientierung bei Ameisen).

1928 wechselte er an die New York University (NYU), wo er in den darauffolgenden drei Jahren lehrte. 1930 bis 1931 erhielt er ein Stipendium des National Research CouncilSchneirla, Theodore Christian abgerufen am 16. Mai 2026., das es ihm ermöglichte, ein Jahr lang gemeinsam mit Karl Lashley an der University of Chicago zu arbeiten. Dort schloss er eine enge Freundschaft mit Norman Maier, die schließlich in der gemeinsamen Abfassung des Lehrbuches „Principles of Animal Psychology“ mündete. 1932 kehrte er an die NYU zurück, wo er bis an sein Lebensende als Mitglied des Lehrkörpers der Psychologie tätig blieb. 1932 unternahm er die erste von insgesamt acht Reisen Forschungsreise, um Ameisen in ihrem natürlichen Lebensraum auf der Insel Barro Colorado in Panama zu studieren.Science: Eciton Matriarchy auf Time, abgerufen am 16. Mai 2026. Weitere Reisen führten ihn nach Mexiko und in den Südwesten der Vereinigten Staaten. 1943 wurde er zum stellvertretenden Kurator der Abteilung für Tierverhalten am American Museum of Natural History in New York City ernannt. Nach seiner Rückkehr von einer Forschungsreise zu den Wanderameisen im südlichen Mexiko übernahm er 1947 die Position des ordentlichen Kurators des Museums. Eine seiner letzten Leistungen war die Konzeption und Gestaltung der „Behavioral Alcove“ (dt. Verhaltensecke) in der Abteilung für Wirbellose des Museums.

Werk Als Tierpsychologe konzentrierte sich seine Forschung auf Verhaltensmuster von Wanderameisen. Er war ein Kritiker sowohl der behavioristischen Lerntheorie als auch der ethologischen Instinkttheorie und plädierte für die Notwendigkeit einer epigenetischen Sichtweise der Verhaltensentwicklung, welche das Zusammenwirken genetischer und umweltbedingter Einflüsse betont sowie für die Berücksichtigung der unterschiedlichen Organisationsniveaus, die im Tierreich anzutreffen sind, plädiert.

Seine „Studies on Army Ants in Panama“, die er in Barro Colorado Island in der Panamakanalzone durchführte, lieferten neue Erkenntnisse über deren Verhaltensweisen. Er entdeckte, dass diese Ameisen einem 36-tägigen Zyklus folgen, der aus einer 16-tägigen nomadischen Phase und einer darauffolgenden 20-tägigen stationären Phase besteht. 1934 berichtete er, dass die Ameisen bei der Erschließung neuer Territorien ebenfalls einem bestimmten Muster folgen und dass die Raubzüge dieser Insekten zweimal täglich ihren Höhepunkt erreichen, einmal am Vormittag und erneut am Nachmittag. Zudem stellte sich heraus, dass plötzliche Wetterumschwünge zu abrupten Aktivitätsschüben führen können. Im Jahr 1944 wies er nach, dass die Raubzüge der Ameisen durch den Erregungszustand der Kolonie ausgelöst werden und nicht etwa durch einen Mangel an Beutetieren. Parallel zu dieser Beschäftigung mit der Zyklizität im Leben der Wanderameisen hatte er Interesse am Lernverhalten von Ameisen. So verglich er beispielsweise die Leistungen von Ameisen und Ratten, wenn diese mit Labyrinthen von vergleichbarem Schwierigkeitsgrad konfrontiert wurden. Er konnte aufzeigen, dass die beiden Arten die Aufgabe auf gänzlich unterschiedliche Weise bewältigen, ganz im Einklang mit den Unterschieden in der sensorischen und neuronalen Ausstattung, die sie dabei zum Einsatz bringen. Sein mit Norman Maier verfasstes Lehrbuch „Principles of Animal Psychology“ präsentierte eine für seine Zeit radikalen Sichtweise, indem es das gesamte Tierreich – von den Einzellern bis zum Menschen – zu seinem Forschungsgebiet erklärte und betonte, in welchem Verhältnis Verhaltenskompetenzen zum Körperbau (z. B. Symmetrie) sowie zur jeweiligen sensorischen, neuronalen und motorischen Ausstattung stehen. Es gilt bis heute als Klassiker der verhaltensbiologischen Fachliteratur.

Ehrungen/Positionen 1962: Mitglied der American Academy of Arts and SciencesTheodore Christian Schneirla (1902–1968) auf American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 16. Mai 2026.

Privates Er war musisch begabt, spielte Trompete in der Universitätskapelle und blieb zeitlebens aktiv mit der Musik verbunden. Zudem eignete er sich Fertigkeiten im Maschinenschreiben und in der Stenografie an; diese Fähigkeiten nutzte er später, um Feldnotizen zu Verhaltensbeobachtungen anzufertigen. 1926 heiratete er seine Kommilitonin Leone Warner, mit der er zwei Kinder bekam. Mehr als zwanzig Jahre lang litt Schneirla unter unaufhörlichem Ohrensausen (Tinnitus) und musste zudem mit weiteren, ihn einschränkenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen zurechtkommen. Er engagierte sich auch für gesellschaftlich relevante Themen. So setzte er sich beispielsweise für die Unterstützung der Regierungsseite während des Spanischen Bürgerkriegs ein und bemühte sich in den Jahren der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren darum, Hilfsmaßnahmen für arbeitslose Psychologen zu organisieren, dieses Engagement trug zur Gründung der „Society for the Psychological Study of Social Issues“ bei.

Publikationen (Auswahl) Monografien Selected writings of T. C. Schneirla. W.H. Freeman and Company, San Francisco, 1972, ISBN 978-0-7167-0930-5. Army Ants: A Study in Social Organization. W. H. Freeman, San Francisco 1971, ISBN 978-0-7167-0933-6. Mit L. W. Crafts: Recent Experiments in Psychology. McGraw Hill Book, New York 1938 (Nachdruck Nabu Press, Berlin 2011, ISBN 978-1-245-44698-3). Psychological Comparison of Insect and Mammal. Verlag von A. Hain, 1962. A Unique Case of Circular Milling in Ants, Considered in Relation to Trail Following and the General Problem of Orientation. American Museum of Natural History, New York City 1944. Mit N.R.F. Maier: Principles of Animal Psychology. McGraw Hill Book, New York 1935. Learning and orientation in ants. Johns Hopkins Press, Baltimore 1929.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Aspects of Stimulation and Organization in Approach/Withdrawal Processes Underlying Vertebrate Behavioral Development. In: Advances in the Study of Behavior, 1965, 1, S. 1–74. Critical Periods’ in the Development of Behavior. In: Science, 1963, S. 139, S. 1110–1115. Mit J. S. Rosenblatt: Behavioral Organization and Genesis of the Social Bond in Insects and Mammals. In: American Journal of Orthopsychiatry, 1961, 31, S. 223–253. L’Apprentissage et la Question du Conflit chez la Fourmi: Comparaison avec le Rat. In: Journal du Psychologie Normal et Pathologique, 1960, 57, 11–44. An Evolutionary and Developmental Theory of Biphasic Processes Underlying Approach and Withdrawal. In: M. R. Jones: Nebraska Symposium on Motivation 7. University of Nebraska Press, Lincoln 1959. Psychology, Comparative. In: Walter Yust: Encyclopaedia Britannica (vol. 18). William Benton, Chicago 1958. The Concept of Development in Comparative Psychology. In: by D. B. Harris (Hrsg.): The Concept of Development. University of Minnesota Press, Minneapolis 1957. Interrelationships of the ‘Innate’ and the ‘Acquired’ in Instinctive Behavior. In: P.-P. Grasse (Hrsg.): In L’instinct dans le comportement des animaux et de l’homme. Masson, Paris 1956. International Union for the Study of Social Insects. In: Journal of the New York Entomological Society, 1954, 62, S. 63–64. Levels in the Psychological Capacities of Animals. In: R. W. Sellars; V. J. McGill; and M. Farber (Hrsg.): Philosophy for the Future: The Quest for Modern Materialism. Macmillan, New York 1949. Mit With G. Piel: The Army Ant. In: Scientific American, 1948, 178, S. 16–23. Further Studies on the Army-Ant Behavior Pattern: Mass-Organization in the Swarm Raiders. In: Journal of Comparative Psychology, 1940, 29, S. 401–460. The Nature of Ant Learning, II: The Intermediate Stage of Segmental Maze Adjustment. In: Journal of Comparative Psychology, 1943, 35, S. 149–176. Studies on army ants in Panama. In: Journal of Comparative Psychology, 1933, 15 (2), S. 267–299.

Weblinks

Schneirla, Theodore C. auf Deutsche Bibliographie, abgerufen am 16. Mai 2026. Ethel Tobach: Theodore C. Schneirla: 1902–1968. In: The American Journal of Psychology, 1981, 94 (2), S. 355–357.

Literatur

Einzelnachweise

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