Der Vater der Kalebasse ist ein nubisches Weisheitsmärchen (AT 314: Grindkopfmärchen).Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 17–20, 284.
Handlung Der Aufseher der Wasserschöpfräder eines Königs hat einen Sohn, der auf den Namen Mohammed hört und der seinem Vater immer eine Kalebasse bringt, wenn dieser die Kühe melken will. Er trägt das Gefäß dabei immer umgekehrt auf seinem Kopf, sodass er der Vater der Kalebasse genannt wird. Ihm begegnet die Prinzessin, woraufhin sich die beiden verlieben und damit er später den Brautpreis für sie zahlen kann, bringt sie ihm jeden Tag ein Pfund Gold, das er in einem Krug versteckt.
Nach zwei Jahren finden sich dann viele Männer ein, um um die Hand der Prinzessin zu werben. Sie wählt Mohammed aus und lehnt alle anderen ab, woraufhin König und Königin wütend werden. Um den Vater der Kalebasse loszuwerden, tragen sie ihm auf, als Brautpreis das Gewicht der Prinzessin in Gold aufzuwiegen, was Mohammed erfüllen kann und so wird er mit der Prinzessin vermählt.
Später sieht Mohammed die Lailat el Qadr, woraufhin er seine Frau weckt, die aber nichts am Himmel sehen kann und sie meint, dass dadurch, dass er sie gesehen habe, er ein unbezwingbarer Ritter werden würde. Mohammed bittet Gott daraufhin darum, ihn zu einem Helden zu machen, und dieser erhört seinen Wunsch. Drei Tage später verlangt es dem benachbarten König nach Krieg und als die Schlacht zu toben beginnt, schwingt sich Mohammed auf ein Ross und stürzt sich in den Kampf. Mit jedem Streich seines Schwertes tötet er vierhundert Mann auf einmal, sodass der Feind schnell besiegt ist. Der König schneidet ihn daraufhin, noch auf dem Schlachtfeld, eine Marke in die Hand, sodass Mohammed später als der unbezwingbare Held erkannt wird. Er wird in der Folge zum Emir der Soldaten ernannt, bekommt die Hälfte des Reiches geschenkt und lebt von da an in einem Palast neben dem Palast des Königs.
Hintergrund Das Märchen wurde 1974 in Maragha bei Dongola von Sakīna Idrīs ‘Abd al-Wadūd erzählt und erhielt in Andreas und Waltraud Kronenbergs Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen (Düsseldorf / Köln 1978) den Titel Der Vater der Kalebasse. Die Lailat el Qadr ist nach den Kronenbergs etwas, was gute Menschen nach dem Volksglauben in der Nacht, in der nach Sure 97 der Koran herabgesandt wurde, am Himmel erblicken, wodurch Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Zu dem Primärtext merken sie an, dass der König die Tochter durch ein Gelöbnis bekam. Diese entrinne durch eine List „dem Zwang, einen Mann mit einem vergleichbaren sozialen Status zu heiraten“, da sie wisse, „dass ihr Auserwählter diesen Status durch die Gnade Gottes erreichen wird“.
Literatur Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 17–20, 284.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen