mini|hochkant=0.4|Wappen d. märkisch-magdeburg. Geschlechts von Werder. 1939. Hans Christoph Albrecht Alexander von Werder (* 19. Dezember 1898 Berlin; † vermisst seit 27. Juni 1944 bei Witebsk,Matthias Graf von Schmettow: Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1967, S. 369. für tot erklärt 1952) war ein deutscher Landrat, Offizier und Funktionär.

Leben Hans Christoph entstammte dem brandenburgischen Adelsgeschlecht von Werder. Er gehörte zur Familienlinie II, welche faktisch ohne nennenswerten Großgrundbesitz blieb, aber mehrere hohe Offiziere hervorbrachte. Hans Christoph von Werder war ein Sohn des preußischen Oberst und Träger des Pour le Mérite Hans von Werder (1867–1923) und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene von Goertzke-Großbeuthen (1872–1915), Tochter der Luise von Ribbeck und des Albrecht von Goertzke auf Gut Großbeuthen bei Trebbin. Der Domherr und langjährige Kurator der Brandenburger Ritterakademie Wilhelm von Goertzke war sein Onkel mütterlicherseits. Seine Tante Elisabeth von Werder (1866–1950) wiederum war mit dem einstigen Staatsminister Wilhelm von Waldow verheiratet.

Im Ersten Weltkrieg war er königlich preußischer Leutnant. Anfang der 1920er Jahre lebte H. C. von Werder in Potsdam, begann ein Jurastudium.Siehe Literatur: GGT. Dt. Uradel. 1922. Jg. 23, Justus Perthes, Gotha 1921. Danach ließ er sich zum staatlich geprüften Landwirt ausbilden, 1927 wohnhaft in Caputh,Militär-Wochenblatt. 1927. Jahrgang 112, Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1927, S. 221. war ab Dezember 1931 mit seinem Vetter Freiherr von Sobeck-Werder an einer staatlichen Siedlungsstelle angestellt.Wolfgang von Werder: Geschichte des märkisch-magdeburgischen Geschlechts von Werder. Band 3, C. A. Starke, Görlitz 1939, S. 352.

Zum 1. Mai 1930 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 242.962).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/48021238 Von etwa Mitte 1933 bis Sommer 1934 war von Werder Landrat des Landkreises Zauch-Belzig mit Sitz in Belzig,Deutschlandberichte der SPD. 1935. Jahrgang-1935, S. 77.; Vgl. Brigitte Berlekamp, Werner Röhr (Hrsg.): Terror, Herrschaft und Alltag im Nationalsozialismus. Probleme einer Sozialgeschichte des deutschen Faschismus. 1. Auflage, In: Teil der Anne-Frank-Shoah-Bibliothek, Westfälisches Dampfboot, Münster 1995, ISBN 3-929586-44-4, S. 199. Ebenso: Roland Thimme: Rote Fahnen über Potsdam. 1933–1989. Lebenswege und Tagebücher. Hentrich & Hentrich, Berlin 2007, ISBN 3-938485-40-X, S. 54. zunächst lange kommissarisch. H. C. von Werder war nach dem NS-Propagandisten Rühle neben Udo von Alvensleben-Arensdorf, Rudolf von Erffa, Wilhelm von Goßler, Adolf von Nassau, Günther von Rheinbaben-LK Osthavelland, Albrecht Ernst von Thaer, Friedrich von Uslar-Gleichen, Graf Wilhelm von Wedel sowie Jochen-Hilmar von Wuthenau einer von zehn adeligen NS-LandrätenDerselbe: Gerd (Gerhard) Rühle: Kurmark. Geschichte eines Gaues. Verlag Alfred Lindemann, Berlin 17./18. Juni 1934, S. 128. in der Provinz Brandenburg in der Frühzeit 1933/1934.

Von Werder war in Zauch-Belzig Nachfolger von Edmund Bohne, der Mitte Mai 1933 in den Ruhestand versetzt wurde. Seine eigentliche Bestallung zum Landrat durch Hermann Göring in dessen Funktion als preußischer Ministerpräsident erfolgte erst im April 1934. Dass eine Protektion durch den damaligen SA-Brigadeführer Prinz August Wilhelm von Preußen mit einem Empfehlungsschreiben vorausging gilt als überliefert. August Wilhelm von PreußenVgl. auch Elke Fröhlich: Joseph Goebbels. Die Tagebücher. Sämtliche Fragmente. Teil 1: Aufzeichnungen 1924-1941. Band 2. 1. 1.: 1931-31.12.1936. Institut für Zeitgeschichte (IfZ) | Bundesarchiv (BArch); K. G. Saur, München 1987, S. 180. verlor aber ab Januar 1934 selbst bald an politischen Einfluss und war ab Sommer 1934 ohne jahrelangen Zugang zur Führungsspitze nur noch als Propagandist für das NS-Regime tätig.Lothar Machtan: Der Kaisersohn bei Hitler. 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg 2006, ISBN 978-3-455-09484-8, S. 320 ff.

Nach jüngerer Quellenlage soll Hans Christoph von Werder nach Juli 1934 noch stellvertretend gewirkt haben. In der medialen Öffentlichkeit trat er 1933 mehrfach sehr aktiv in Erscheinung;Mehrfach, In: Alexander Mallwitz: Zauch-Belziger Kreisblatt. Amtliches Organ der Kreisverwaltung. (Veröffentlicht alle Bekanntmachungen des Landratsamtes und des Kreisauschusses). 81. Jahrgang, Selbstverlag, Belzig 1934. wurde er ab Mitte 1934 nicht mehr benannt, auch nicht im regional publizierten Heimatkalender des Landkreises Zauch-Belzig, dessen Redaktion vor dem 30. Juni 1934 lag.SLB | BrandenburgDOK: Original Herbert S. Loesdau (Hrsg.): PDF Kreiskalender für den Kreis Zauch-Belzig 1934. Verlag Julius Schneider, Beelitz 1934.

Die Nachfolge in der Amtsfunktion des Landrates des Kreises Zauch-Belzig übernahm 1935 Waldemar Vöge.

Bis Ende der 1930er Jahre lebte Familie von Werder in Potsdam,Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft. 1938. Landesabteilung Brandenburg, Schlieffen-Verlag, Berlin 1938, S. 122. dann Anfang der 1940er Jahre wieder auf Gut Caputh bei Potsdam, bei der Familie von Willich.Vgl. Walther Hubatsch: Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945. Hrsg. Herder-Institut, Marburg (Lahn) 1975, S. 124.Adreßbuch Potsdam 1934. A. W. Hayn’s Erben, Potsdam 1934, S. 47. Reprint (Online-Ressource): Klaus D. Becker, Potsdam 2017/2021. ISBN 978-3-88372-282-5. In mehreren älteren Quellen wird er dennoch als Landrat geführt, resp. als Landrat im einstweiligen Ruhestand bezeichnet. Werder war als Landrat a. D. in regionalen Funktionen tätig,Adreßbuch der Direktoren und Aufsichtsräte 1937. Finanz-Verlag, Berlin 1937, S. 1690. so u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisbank Zauch-Belzig.Adreßbuch der Direktoren und Aufsichtsräte. 1938. Berlin 1938, S. 1866. Hans Christoph von Werder war Mitglied der Landesabteilung Brandenburg der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Leutnant aktiviert und war um 1940 Führer einer Berichtstaffel, im Zivilberuf Referent im Werbeamt der Deutschen Wirtschaft. Zeitweiliger Wohnsitz war dann das Gut in Selbelang, im Besitz entfernter Verwandter, nordwestlich von Berlin, anschließend wieder Potsdam. Seine letzte 1941 aufgeführte Berufsbezeichnung blieb Landwirt,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der DAG. Teil B (Briefadel). 1942. Jahrgang 34, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 573. sein letzter militärischer Dienstgrad war Hauptmann. Seine Spuren verloren sich an der Ostfront Ende Juni 1944.Matthias Graf von Schmettow: Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1967, S. 369.

Familie Hans Christoph von Werder war mehrfach verheiratet. Zuerst heiratete 1923 auf Schloss Caputh die Tochter des dortigen Gutsbesitzers Alfred von Willich (1862–1941) und der Hertha von Selchow (1874–1947), Frau Sophie Charlotte von Willich (1897–1945). Diese Ehe wurde Anfang Juli 1941 geschieden.Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel) 1985. Band XIV, Band 66 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1985, S. 492–493. Das Paar hatte zwei Kinder: Hertha Elisabeth (1924–1975), ⚭ Ferdinand Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten-a. d. Haus Schloss Waldburg-Capustigall, Kaufmann, Oberleutnant a. D. Hans Wilhelm Moritz Albert (1927–nach 1977), unvermählt

Die zweite Ehe schloss Hans Christoph von Werder in Berlin 1942 mit Brigitte Freiin von Sobeck-Werder (1919–1975), Tochter der Marianne Mayer und des Majors Hans Günther von Werder, genannt Freiherr von Sobeck-Werder. Dieser Ehe entsprang: Adelheid Dietline Brigitte (Gitta) (1944–nach 1977) ⚭ Georg von Chmara, Studiendirektor

Seine zweite Ehefrau verband sich in zweiter Ehe mit Freiherr Joachim von Eckardstein-Reichwalde. Sie nahm nach der Scheidung wieder den Namen von Werder an. Später heiratete sie Ernst Hanfstaengl, Scheidung 1960.

Zu den älteren Vorfahren des Hans Christoph von Werder, in direkter Linie, gehörte u. a. preußische General der Infanterie August von Werder (1808–1887), der Generalleutnant Hans von Werder (1771–1837) und nicht zuletzt der Minister Dietrich von Werder (1740–1800). Über seine erste Ehefrau war H. C. von Werder mit dem bayerischen SS-Führer Freiherr Johann-Erasmus von Malsen-Ponickau (1895–1956) und dessen Bruder Wolfgang von Malsen-Ponickau (1897–1935) verschwägert.Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel) 1985. Band XIV, Band 66 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1985, S. 492–493. Der 1858 zu Schloss Babelsberg nobilitierte Landrat für den Landkreis Teltow, Leopold von Albrecht zu Schloss Güterfelde, war sein Großvater mütterlicherseits.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1917. Elfter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1916, S. 8.

Genealogie und Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel 1922. 23. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 925–926. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil A (Uradel). 1941. 40. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 595–596. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel) 1957. Band III, Band 15 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1957, S. 515–517. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel) 1977. Band XIV, Band 66 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1977, S. 506–507.

Archivquellen BArch R 26-I/8 (Hrsg.) / Archivportal-D: Bewerbung des Landwirts Hans Christoph von Werder bei Staatssekretär Körner Deutsche Digitale Bibliothek: Ident. Text

Weblinks John Shreve: Hans-Christoph von Werder: Der braune Landrat, In: Geschichte des Flämings im 20. Jh./Biographien aus dem Fläming, Pkt. 6. (fehlerhaft) Landkreis Potsdam-Mittelmark / Cityguide AG (Hrsg.): Historischer Rückblick auf 20 Jahre Landkreis Potsdam-Mittelmark. Stationen der Verwaltungsgeschichte/Landräte seit 1797 mit Sitz in der heutigen Kreisstadt Bad Belzig. Bad Belzig / Pfäffikon (CS) 2013, S. 10. PDF

Einzelnachweise

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