mini|hochkant|Blühende Patujú-Pflanze in Puerto Esperanza Puerto Esperanza ist die Hauptstadt des Departamento Iguazú in der Provinz Misiones in Argentinien. Sie wurde von Schweizer Einwanderern gegründet. Die Stadt erstreckt sich vom Río Paraná bis zur Nationalstraße 12, durch die sie mit den Iguazú-Wasserfällen (60 km) und der Provinzhauptstadt Posadas (254 km) verbunden ist. Bis zur südlichsten Stadt Argentiniens, Ushuaia, sind es hingegen 4300 km.Ruta desde Puerto Iguazú a Ushuaia ruta0.com, abgerufen am 30. Mai 2026
Geschichte Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die für den Anbau von Getreide geeigneten landwirtschaftlichen Flächen in den südlicheren Teilen Argentiniens bereits vergeben waren, bot die Provinz Misiones Neuankömmlingen aus Europa, die den Folgen des Ersten Weltkriegs entfliehen wollten, noch gute Perspektiven für den Landerwerb. Obwohl die Schweiz nicht an dem Kriegsgeschehen beteiligt war, verschlechterte sich auch dort die wirtschaftliche Lage, sodass Ende 1918 die Anzahl der Schweizer Auswanderer stark anstieg.
Nach der Wirtschaftskrise von 1929 bis 1938 siedelten sich 70 % der Schweizer Einwanderer, die nach Argentinien kamen, in der Provinz Misiones an. Das Klima war hier besonders gut für den Anbau von Mate geeignet, der einen hohen wirtschaftlichen Wert hatte und daher als „grünes Gold“ bezeichnet wurde. Ein Dekret von 1926 verpflichtete die Bauern, auf einem bestimmten Anteil ihres Landes Mate anzubauen. Da diese Pflanze bis zur Ernte vier Jahre benötigt, wurde bei der Auswahl der Einwanderer darauf geachtet, dass sie genug Kapital (20.000–25.000 Schweizer Franken) mitbrachten.
Anfang 1926 gründete der Schweizer Gustav Keller in Zürich die Yerba Mate Aktiengesellschaft und sammelte von 30 Aktionären 500.000 Franken für die Mate-Produktion ein. Anschließend machte er sich von Posadas per Boot auf den Weg nach Puerto Esperanza, begleitet von paraguayischen Landarbeitern, die damit beauftragt waren, vor Ort einen Pfad durch den Urwald zu schlagen. Dort angekommen erwarb Keller 1054 ha Land. Einige Monate darauf folgten ihm die Schweizer Agronomen Alfons Scherer, Gustav Ernst sowie Heinrich Bucher. Sie kauften weitere 200 ha Wald und gründeten mit Keller am 25. September 1926, dem Gedenktag von Niklaus von Flüe, Schutzpatron der Schweiz, den Ort Puerto Esperanza, in Anlehnung an die 1856 gegründete erste geplante landwirtschaftliche Siedlerkolonie Argentiniens, Esperanza (Santa Fe).
Nach einem Einwanderungsabkommen zwischen der Schweiz und Argentinien vom Juli 1936, das die Kapitalerfordernisse für Schweizer Einwanderer abschaffte, gelangten nun auch viele Familien nach Misiones, welche die Schweiz aus rein wirtschaftlichen Gründen verlassen wollten und deren Auswanderung vom Staat subventioniert wurde. Für sie wurde in Misiones die Comisión de la Ayuda Social (COMSO), eine soziale Hilfsorganisation, gegründet. Kurz darauf eröffneten im Ort fünf Gemischtwarenläden. Zwischen 1935 und 1945 erhöhte sich die Fläche des an die neuen Siedler verkauften Landes von 4200 ha auf 20.000 ha und die Einwohnerzahl stieg von 1000 auf 3200 an. Später kamen noch andere Einwanderergruppen aus Deutschland, Österreich und Brasilien dazu. In den 1960er Jahren entstanden eine Klinik, eine Polizeistation, eine Bank, ein Kino, ein Hotel und zwei Kirchen. 1975 rückte der Ort per Gesetz in die zweite Kategorie der Städte auf.María Cecilia Gallero, Laura Mabel Zang: La inmigración suiza y el surgimiento de una red vinculada a la yerba mate en Misiones, Argentina: un abordaje a partir de la microhistoria (1919-1929) Migraciones internacionales, 29. Juli 2024, abgerufen am 17. Mai 2026 (spanisch)Homenajearon a los pioneros de Puerto Esperanza misionesonline.net, 15. September 2009, abgerufen am 18. Mai 2026 (spanisch) Bis 2022 erhöhte sich die Einwohnerzahl auf rund 20.000.Censo Nacional de Población, Hogares y Viviendas 2022 ipec.misiones.gov.ar, September 2024, abgerufen am 11. Juni 2026 (spanisch)
Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr mini|190px|Busbahnhof (2025) Haupterwerbszweig ist die Land- und Forstwirtschaft. Einer der größten Arbeitgeber ist die Zellulosefabrik, die über 2300 Personen beschäftigt.Misiones | Parada técnica anual en planta de celulosa de Arauco movilizará a más de 2.300 personas, entre expertos, trabajadores y contratistas argentinaforestal.com, 5. März 2026, abgerufen am 17. Mai 2026 (spanisch) Die Stadt verfügt über ein modernes Krankenhaus,El hospital de Puerto Esperanza será incluido en el Registro Integrado de Salud elterritorio.com.ar, 3. März 2026, abgerufen am 18. Mai 2026 (spanisch) Zweigstellen der Universidad Nacional de Misiones und der Universidad Gastón Dachary,La UGD anuncia la apertura de la Subsede Paraná Norte en Puerto Esperanza ugd.edu.ar, 30. August 2024, abgerufen am 18. Mai 2026 (spanisch) eine Fachschule für technische Berufe,its.edu.ar, abgerufen am 18. Mai 2026 (spanisch) ein Kulturzentrum, ein historisches MuseumPuerto Esperanza, a un paso de su centenario primeraedicion.com,ar, 25. September 2025, abgerufen am 18. Mai 2026 (spanisch) und ein „Sambódromo“, in dem jährlich der Carnaval Esperanceño veranstaltet wird.Puerto Esperanza: el Carnaval brilló en el sambódromo de la avenida 9 de Julio elterritorio.com.ar, 17. Februar 2020, abgerufen am 10. Juni 2026 (spanisch) Sie betreibt zudem ein öffentliches Transportsystem mit einer Flotte von sechs Bussen.El servicio urbano en Puerto Esperanza continua funcionado con fondos propios elterritorio.com.ar, 15. April 2026, abgerufen am 18. Mai 2026 (spanisch) Vom modernisierten Terminal de Ómnibus fahren Busse nach Puerto Iguazú, Posadas und Buenos Aires.Terminal de Puerto Esperanza ventanita.com.ar, abgerufen am 6. Juni 2026 (spanisch)
Tourismus Die Stadt setzt zunehmend auf den Tourismus als weitere Einnahmequelle. Sie bietet Besuchern der Iguazú-Wasserfälle eine ruhigere Alternative zum Übernachten als in Puerto Iguazú in mehreren kleinen Ferienanlagen mit Pools, Sportanlagen und Campingplätzen für Wohnwagen und Wohnmobile.Puerto Esperanza una alternativa rumbo a Cataratas elterritorio.com.ar, 23. Januar 2025, abgerufen am 27. Mai 2026 (spanisch) Ein besonderer Anziehungspunkt ist der Parque provincial Esperanza vor den Toren der Stadt. Er umfasst 686 ha und schützt die letzten Reste des ursprünglichen Waldes der Region. Er wird von zwei kleinen Flüssen durchzogen und beherbergt neben Spießhirschen auch Halsbandpekari und Jaguare sowie nur in Misiones und den Nachbarstaaten vorkommende Vogelarten wie den knurrenden Schwarzmasken-Ameisenwürger und den zusätzlich zischenden Langschwanz-Ameisenwürger.Zona Norte: Parque provincial Esperanza misionesonline.net, 31. Oktober 2005, abgerufen am 27. Mai 2026 (spanisch)Puerto Esperanza, naturaleza e historia para dejarse llevar primeraedicion.com.ar, 28. April 2019, abgerufen am 27. Mai 2026 (spanisch)
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Einzelnachweise
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