mini|Louise de Rothschild Louise de Rothschild (geborene Louise Montefiore am 28. Mai 1821 in London; gestorben am 22. September 1910 in Aston Clinton House, Aston Clinton, Aylesbury Vale, Buckinghamshire) war eine britische Philanthropin und Mitglied der Familie Rothschild.

Leben Louise Montefiore wurde am 28. Mai 1821 in London geboren. Ihre Mutter war Henriette Rothschild, die jüngste Tochter von Mayer Amschel Rothschild, dem Gründer des Bankhauses M. A. Rothschild & Söhne, und seiner Frau Gutle, geb. Schnapper. Ihr Vater war der Börsenmakler Abraham Joseph Elias Montefiore (1788–1824). Sein Bruder war Moses Montefiore, Unternehmer und sephardisch-jüdischer Philanthrop, der als ein Vordenker des Zionismus galt. Sie hatte zwei Brüder eine Schwester und eine Halbschwester aus der ersten Ehe ihres Vaters.

Sie heiratete 1840 ihren Cousin Anthony Nathan de Rothschild, 1st Baronet, den Sohn von Nathan Mayer Rothschild und Hannah Barent Cohen, in London. Mit ihrem Mann lebte sie im Haus 107 Piccadilly und im Landsitz Aston Clinton und bekam zwei Töchter, Constance und Annie.

Philanthropisches Wirken mini|Louise de Rothschild Begünstigt durch ihre gehobene Stellung als Ehefrau von Baron Anthony de Rothschild und Mitglied der bedeutenden Bankiersfamilie Rothschild nutzte sie ihren gesellschaftlichen Status, um anglo-jüdische Frauen in die organisierte Philanthropie einzuführen, als sie im viktorianischen England die erste ernstzunehmende ehrenamtliche wohltätige Organisation jüdischer Frauen gründete. Durch ihr Vorbild engagierten sich auch andere anglo-jüdische Frauen der Ober- und Mittelschicht im öffentlichen Leben und verließen so erstmals den häuslichen Bereich, auf den sie aufgrund der geltenden Konventionen als jüdische Frauen bislang beschränkt waren.

Jüdische Frauen, die sich öffentlich engagierten, liefen Gefahr, für dieses Engagement von Juden und auch von Nichtjuden kritisiert zu werden. Zudem fiel der Beginn des Engagements von Louise de Rothschild und ihrer Cousinen im Bereich der öffentlichen Wohltätigkeit in eine Zeit, als britische Juden um politische Emanzipation kämpften. Dieser Kampf wurde maßgeblich von den männlichen Mitgliedern der Familie Rothschild und ihren Cousins der Oberschicht geführt. Durch ihre Herkunft, ihre Bildung und Kultiviertheit, wie auch durch ihre tiefe religiöse Haltung und ihr Pflichtbewusstsein geprägt, gründete sie eine Vielzahl wohltätiger Aktivitäten. Sie kümmerte sich um die Pflege kranker Dorfbewohner, gründete Dorfschulen und arbeitete in der Leitung der „Jews’ Free School“ für bedürftige Kinder.

Die ersten unabhängigen jüdischen Frauenvereine gründeten sich im Jahr 1840. Die Hilfsvereine „Jewish Ladies’ Benevolent Loan Society“ und die „Ladies’ Visiting Society“ sollten die jüdische Unterschicht unterstützen und deren gesellschaftliche Integration fördern. Doppelt benachteiligt in der Stellung als Jüdinnen und Frauen, achtete Louise de Rothschild, wie auch ihre Cousinen darauf, sich in wohltätigen Aktivitäten zu engagieren, die jenen ihrer christlichen Standesgenossinnen ähnelten. Nachdem christliche Frauen bereits philanthropische Organisationen gegründet hatten und so das philanthropische Wirken der Frau als eine öffentliche Erweiterung ihres moralischen Einflusses etabliert hatten, der den häuslichen Bereich verlassen hatte, wagte sich auch De Rothschild in diese Bereiche.

So entwickelten sich die Vereine, die Louise de Rothschild gründete zu einem Bindeglied zwischen der Oberschicht im Londoner West End und der Arbeiterklasse im East End. Die Vorstände der Vereine wurden durch weitere Frauen der Familie Rothschild geleitet. So entwickelte sich eine Struktur aus weiblichen Verwandten und Freundinnen. Ihre Art jedoch, wie die Vereine versuchten, die Wohnverhältnisse der hilfesuchenden Familien zu verbessern, stieß durch ihre herablassende Haltung bei jüdischen Frauen der Arbeiterklasse häufig auf Ablehnung. Oft wurden die jüdischen Armen nachdrücklich dazu angehalten, Sparsamkeit, Eigenständigkeit und eine Haltung des Respekts gegenüber den oberen Gesellschaftsschichten zu pflegen, um so als würdige englische Staatsbürger anerkannt zu werden.

Ihrem Vorbild folgend, übernahmen ihre Töchter Constance und Annie später selbst eine herausragende Rolle im jüdischen Sozialwesen und in der Philanthropie.

Louise de Rothschild starb am 22. September 1910 in ihrem Landhaus Aston Clinton.

Nachkommen Louise und Anthony de Rothschild hatten zwei Töchter: Constance de Rothschild (1843–1931), heiratete Cyril Flower, First Lord Battersea (1843–1907) Annie Henrietta de Rothschild (1844–1926), heiratete Eliot Yorke (1843–1878)

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