Der Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder (auch Ferrari 365 GT 2+2 NART Spider) ist ein offener zweisitziger Sportwagen, ein vom italienischen Automobilhersteller Ferrari mit persönlicher Zustimmung von Enzo Ferrari genehmigter Umbau auf Basis eines Ferrari 365 GT 2+2 des Baujahrs 1969, der durch ein vom Werk ausgestelltes und von dem Ingenieur Federico Trombi unterzeichnetes Homologationszertifikat „Modifica aperta NART 1988–89“ bestätigt wurde.
Entworfen wurde der Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder von Luigi Chinetti junior, Sohn von Luigi Chinetti, dem Gründer des North American Racing Team (NART), und bei dem italienischen Karosseriebauer „Carrozzeria Autosport“ von Franco Bacchelli und Roberto Villa in Bastiglia gebaut. Es entstanden nur zwei Exemplare, ein rotes (Fahrgestellnummer 12611) und ein schwarzes (Fahrgestellnummer 12605).
mini|Die beiden Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder (12605 und 12611) in der Autogalerie Sinzig
Geschichte
Die Initiative zum Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder ging auf Luigi Chinetti junior zurück, den Sohn des Rennfahrers, Ferrari-Importeurs und Gründers des North American Racing Team (NART), Luigi Chinetti. Nach Berichten zeitgenössischer Quellen verfolgte er das Ziel, einen offenen Gran Turismo zu entwickeln, der die Fahrleistungen und Langstreckeneigenschaften des Ferrari 365 GT 2+2 mit einer eigenständigen Karosserie verband.Roberto Piatti: La Ferrari del figlio d'arte. In: Car Design, Nr. 36, 1988, S. 65–70.Phil Llewellin: Coco's Convertible. In: Automobile Magazine, April 1989, S. 58–63. Während der Entwicklungsphase verwendete er für das Projekt den Arbeitstitel NART 365 Grintosa. In der zeitgenössischen Reportage Coco's Convertible wird diese Bezeichnung als „working title“ genannt. Der Name sollte an die NART-365-Spyder der späten 1960er Jahre erinnern; grintosa übersetzt er sinngemäß mit „sportlich-aggressiv“.
Die ersten Entwurfsskizzen entstanden Ende 1986. Im weiteren Entwicklungsprozess wurde ein Modell im Maßstab 1:5 angefertigt sowie der Ausarbeitung vollständiger Konstruktionszeichnungen. Für die praktische Umsetzung entschied sich Chinetti junior für Modena, wo zahlreiche auf Ferrari spezialisierte Karosserie- und Fahrzeugbaubetriebe ansässig waren.
Mit der Ausführung wurden Carrozzeria AutoSport in Bastiglia bei Modena sowie die Karosseriebauer Franco Bacchelli und Roberto Villa beauftragt. Die Arbeiten an den ersten Karosseriestrukturen begannen Ende 1987. Als Basis für das Projekt dienten zwei Ferrari 365 GT 2+2 mit den Fahrgestellnummern 12605 und 12611.Günter Braun, Michel Fischer, Paul Steinert, Matthias Storz: Ferrari – Straßen- und Rennsportwagen seit 1946. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, S. 150–151.Marcel Massini: Beitrag in der Rubrik „Lettere“. In: Cavallino, Nr. 66, Dezember 1991/Januar 1992, Cavallino, Inc.,
Im Verlauf der Entwicklung entstand eine vollständig neue Aluminiumkarosserie. Nach den zeitgenössischen Berichten wurde die Fahrzeugstruktur gegenüber dem Serienfahrzeug an die Anforderungen eines offenen Fahrzeugs angepasst, während der Zwölfzylindermotor und wesentliche Komponenten des Antriebsstrangs des Ferrari 365 GT 2+2 übernommen wurden.
Die beiden Fahrzeuge wurden in Handarbeit in Modena aufgebaut. Nach Fertigung der Alukarosserie erfolgte die Montage der mechanischen Komponenten und des Innenraums. Zum Zeitpunkt der Reportage des Automobile Magazine war eines der Fahrzeuge bereits fahrbereit, während sich das zweite noch in der Endphase der Fertigstellung befand.
Design
Der Entwurf des Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder stammt von Luigi Chinetti junior. Ziel war die Entwicklung eines eigenständigen offenen Gran Turismo auf der technischen Basis des Ferrari 365 GT 2+2. Die Gestaltung sollte nicht von modischen Stilmerkmalen, sondern von den technischen Gegebenheiten des Fahrzeugs ausgehen. Er entschied sich für das klassische Konzept eines Frontmotor-Sportwagens und entwickelte daraus eine eigenständige Karosserieform.
Chinetti junior beschrieb seine Gestaltungsphilosophie als Verbindung einer fließenden Linienführung mit dem „Respekt vor Motor und Mechanik“. Die Karosserieform sollte sich aus den konstruktiven Gegebenheiten entwickeln und nicht unabhängig von ihnen entstehen. Entsprechend wurden Motorhaube, Frontpartie und Kotflügel als gestalterische Einheit ausgeführt.
mini|Ferrari 512 BB Le Mans (1979) Der britische Automobiljournalist Alastair Clements sah insbesondere die abgesenkte Frontpartie des Fahrzeugs vom Ferrari 512 BB Le Mans des North American Racing Team inspiriert.Alastair Clements: Grand Design. In: Classic & Sports Car, März 2014, S. 126–131.
Nach Chinetti junior fiel die Materialwahl zugunsten Aluminiums als Werkstoffs sowohl als konstruktive als auch als gestalterische Entscheidung. Auf Kunststoff- und Verbundwerkstoffe wurde verzichtet.
Auch der Innenraum wurde gegenüber dem Ferrari 365 GT 2+2 neu gestaltet. Die Instrumentierung konzentriert sich auf die fahrrelevanten Anzeigen und folgt einer klassischen sportlichen Anordnung. Das vollständig mit Leder ausgeschlagene Interieur wurde in Handarbeit gefertigt.Rolf Häring: Ferrari total vernarrt. In: Top Driver, Heft 11, 1988, S. 41–45.
Technik
Technische Grundlage des Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder war der Ferrari 365 GT 2+2. Der vorn eingebaute Zwölfzylinder-V-Motor und wesentliche Komponenten des Antriebsstrangs wurden vom Serienfahrzeug übernommen, während Fahrwerk und Fahrzeugstruktur für die offene Ausführung angepasst wurden.
Der Motor besitzt einen Hubraum von 4390 cm³. Die Gemischaufbereitung erfolgt über sechs Weber-Doppelvergaser. Die veröffentlichten Quellen geben eine Leistung von rund 320 PS an. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Fünfgang-Schaltgetriebe auf die Hinterräder.
Zeitgenössische Berichte beschreiben eine gegenüber dem Serienfahrzeug veränderte Tragstruktur. Der neu aufgebaute Rohrrahmen hat ein Eigengewicht von etwa 110 Kilogramm sowie einen Aluminiumboden.
Der Kraftstofftank fasst 98 Liter und wurde hinter den Sitzen beziehungsweise vor der Hinterachse angeordnet.
Darüber hinaus erwähnen die veröffentlichten Quellen Änderungen am Fahrwerk und an der Bremsanlage gegenüber dem Serienfahrzeug. Einzelheiten der konstruktiven Ausführung werden jedoch nicht näher beschrieben.
Geplante Vermarktung und Preisvorstellungen
Während der Entwicklungsphase war vorgesehen, den Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder im Rahmen einer Kleinserie von etwa zehn bis zwölf Fahrzeugen anzubieten.
Zeitgenössische Berichte nannten für die geplante Vermarktung Preisvorstellungen von rund 450.000 DM beziehungsweise 300.000 US-Dollar.
Weblinks Filmbericht von Classic & Sports Car über den Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder auf YouTube Filmbericht von Deutsche Welle über den Ferrari 365 GT 2+2 NART Spyder auf YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Pkw-Modell Kategorie:Sportwagen Kategorie:Cabriolet