Vigne (Dialekt: Viñe) ist eine Fraktion der italienischen Gemeinde Arco in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol.

Geographie Der Ortsteil liegt etwa 2 km nordwestlich des Stadtzentrums von Arco am Rande der zwischen Arco und dem Gardasee gelegenen Schwemmebene der Sarca auf einer Höhe von Er wird im Norden eingegrenzt von den Ausläufern des Monte Baone (). Auf Letzteren befinden sich ausgedehnte Olivenhaine, die Teil der mehrere Jahrhunderte alten und auf Terrassen angelegten Kulturlandschaft der „Olivaia“ von Arco sind.

Auf den Ausläufern des Monte Baone entspringen die zwei Quellbäche, die den Rio Bordellino di Vigne bilden. Letzterer entwässert zusammen mit dem Rio Bordellino Varignano die nordwestliche Schwemmebene und mündet nach Aufnahme weiterer Nebenläufe als Rio Galanzana östlich der Varone-Mündung in den Gardasee.Lia Cunial: Dal Lidar al catasto asburgico: la ricerca dei paesaggi in età contemporanea. In: Gian Pietro Brogiolo (Hrsg.): APSAT 3. Paesaggi storici del Sommolago. Società Archeologica, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-78-9, S. 80.

Vigne grenzt im Osten an die Fraktion Chiarano und im Süden an die Fraktion Varignano, die alle zur Gemeinde Arco gehören. Nördlich etwa 250 Höhenmeter oberhalb von Vigne liegt die Siedlung Padaro.

Etymologie Der Ortsname ist der Plural des italienischen Substantivs vigna (=Weinberg).Ernesto Lorenzi: Dizionario Toponomastico Tridentino. S. 1081. Er ist erstmals 1282 in der Variante Vignis dokumentiert.Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 129 1405 taucht das Toponym als Vigna und 1481 schließlich in der Form Vigne auf.

Archäologischer Fundplatz Eine Reihe von archäologischen Funden, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts rund um Vigne gemacht wurden, belegen in mehreren Phasen die Besiedlung des Ortes seit der Steinzeit.Elisabetta Mottes: Il neolitico dell’Alto Garda: aspetti culturali e dinamiche insediative nel quadro della preistoria del territorio sudalpino centro-orientale. In: Gian Pietro Brogiolo (Hrsg.): APSAT 3. Paesaggi storici del Sommolago. Società Archeologica, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-78-9, S. 109.

Die gefundenen Steinwerkzeuge lassen den Schluss zu, dass die Gegend bereits nach dem Kältemaximum der Weichsel-/Würm-Kaltzeit in der Jüngeren Altsteinzeit des Epigravettien besiedelt war.Elisabetta Mottes, Michele Bassetti, Jari Gavioli: Sito all’aperto dell’epigravettiano recente e del mesolitico antico ad Arco Via Serafini. In: Franco Nicolis (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2014. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2014, S. 203. Zu diesem Zeitpunkt war die Schwemmebene zwischen Arco und Riva noch zum Großteil vom Gardasee bedeckt. Der Siedlungsplatz in Vigne lag auf dem Schwemmkegel des Rio Bordellino am Rand des Waldes und war nur wenige hundert Meter vom Seeufer entfernt. Nach mehreren Ausgrabungskampagnen in den 2010er Jahren kamen die Archäologen zu dem Schluss, dass der Fundplatz während der Jüngeren Dryaszeit zwei Siedlungsphasen durchmachte. Die Bewohner hatten sich bestens an die Lebensbedingungen angepasst und durch Brandrodung Platz für eine kleine Siedlung geschaffen, die aus über einem Dutzend Hütten mit einer entsprechenden Anzahl von Feuerstellen bestand.Elisabetta Mottes, Michele Bassetti: Nuove indagini nel deposito pluristratificato dell’epigravettiano recente e del primo mesolitico di Arco via Serafini (Trento). In: Franco Nicolis (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2016. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2017, S. 141–142.

Eine weitere Siedlungsphase lässt sich für das Sauveterian der Frühen Mittelsteinzeit nachweisen. Die Funde dokumentieren, wie die Jäger- und Sammlergruppen das Waldökosystem durch den Einsatz von Feuer bereits seit dem Jungpaläolithikum bewirtschaften.Elisabetta Mottes, Michele Bassetti, Jari Gavioli: Sito all’aperto dell’epigravettiano recente e del mesolitico antico ad Arco Via Serafini. In: Franco Nicolis (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2014. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2014, S. 203–204.

Der Vasi-a-bocca-quadrata-Kultur des Neolithikums kann ein 1874 gefundener Schuhleistenkeil zugeordnet werden, der beim Bau des neuen Gemeindefriedhofs von Romarzollo entdeckt wurde. Es handelt sich dabei um eine Grabbeigabe. Der Fund weiterer Gräber in der Umgebung in den 1950er Jahren unterstreicht die Existenz einer Nekropole der Vasi-a-bocca-quadrata-Kultur. 2011 konnte bei einer neuen Grabungskampagne neben der Nekropole auch die Reste einer Siedlung ausgemacht werden. Bei Bauarbeiten in einem angrenzenden Areal in den 2020er Jahren wurden weitere 14 Gräber aus der Frühsteinzeit entdeckt, die einen sehr guten Erhaltungszustand und reichhaltige Grabbeigaben aufwiesen.Elisabetta Mottes, Nicola Degasperi, Alessandro Bezzi: Arco Via Degasperi, pp.edd. 608/1, 608/2 c.c. Romarzollo. Area funeraria neolitica della cultura dei vasi a bocca quadrata e necropoli di età romana. Franco Nicolis, Roberta Oberosler (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2021–22. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2022, ISBN 978-88-7702-523-4, S. 184–185.

Zugleich konnten auf dem gleichen Baustellenareal 38 Gräber aus der Römerzeit ausgemacht werden. Anhand der Grabbeigaben war es möglich, die Erd- und teilweise Feuerbestattungen in das 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. zu datieren. Unweit dieses Gräberfeldes, das vermutlich parallel zu einer Römerstraße lag, befanden sich in der angrenzenden Fraktion Chiarano zwei weitere Nekropolen, die ebenfalls zwischen der römischen Kaiserzeit und der Spätantike genutzt wurden.Elisabetta Mottes, Nicola Degasperi, Alessandro Bezzi: Arco Via Degasperi, pp.edd. 608/1, 608/2 c.c. Romarzollo. Area funeraria neolitica della cultura dei vasi a bocca quadrata e necropoli di età romana. Franco Nicolis, Roberta Oberosler (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2021–22. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2022, ISBN 978-88-7702-523-4, S. 185–186.

Geschichte mini|Capitello della Regola Als Teil der Grafschaft Arco, teilte Vigne die wechselvolle Geschichte des Herrschaftsgebietes der Grafen von Arco. Der Ort war Teil der Gemeinschaft und späteren Gemeinde Romarzollo. Letztere wurde erstmals im 13. Jahrhundert in einer Urkunde über die Aufteilung des Vermögens derer von Arco erwähnt.Cooperativa ARCoo (Hrsg.): Comune di Romarzolo. Inventario dell’archivio storico (1403–1929) e degli archivi aggregati (1894–1920). S. 10.

Wie die Nachbarorte Chiarano, Padaro und Varignano verfügte Vigne über eine Vicinia. Die in der Vicinia von Vigne vertretenen Familienoberhäupter nahmen an der Regola von Romarzollo teil. Letztere ist seit 1391 dokumentiert und hatte die grundlegende Aufgabe, über alle Angelegenheiten zu beraten, die die Interessen der Gemeinschaft betrafen, und die Amtsträger der Gemeinschaft im Rotationsverfahren zu ernennen. Vigne wurde seit alters her als Zentrum der Gemeinde Romarzollo angesehen. Daran erinnert der in den Olivenhainen zwischen Vigne und Chiarano errichtete Schrein der Regola.Romano Turrini: San Giacomo maggiore a Vigne. In: Roberto Codroico et al.: Ecclesiae: Le chiese nel Sommolago. Il Sommolago, Arco 2000, S. 271.

1537 ist erstmals ein Gotteshaus in Vigne dokumentiert. Die unter dem Patrozinium des heiligen Augustinus stehende Kapelle lag etwas außerhalb des Ortskerns in Richtung Varignano und wurde in der napoleonischen Epoche entweiht und schließlich abgerissen.Romano Turrini: Sant‘Agostino a Vigne. In: Roberto Codroico et al.: Ecclesiae: Le chiese nel Sommolago. Il Sommolago, Arco 2000, S. 292. Die spätere Pfarrkirche San Giacomo Maggiore ist erstmals 1579 erwähnt. Sie war ursprünglich ebenfalls eine Kapelle und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Pfarrkirche vergrößert.

Ab 1613 wurden die seit Alters her bekannten Steinbrüche am Monte Baone für den Bau der Pfarrkirche von Arco – der Collegiata – sowie später für den der Inviolata-Kirche in Riva genutzt. Der Steinbruch an den sogenannten Placche di Baone lieferte verschiedene Varianten des Rosso Ammonitico und unterlag dem Gemeinschaftsbesitz. Für die Einwohner von Vigne und dem Nachbarort Chiarano waren die Steinbrüche am Baone für lange Zeit eine wichtige Einkommensquelle.Marco Avanzini, Isabella Salvador: Uomo e pietra nel Sommolago: Storia dello sfruttamento dei materiali lapidei nel territorio di Arco tra XVI e XX secolo. In: Alexandra Chavarrìa Arnau, Marie-Ange Causarano: La memoria culturale dell’Oltresarca Trentino: Paesaggi, persone e storie di pietre. SAP Società Archeologica srl., Mantua 2018, ISBN 978-88-99547-26-4, S. 108–109.

Neben den Steinbrüchen spielte der Olivenanbau eine wichtige Rolle. Aus dem in der Mitte des 19. Jahrhunderts unter den Habsburgern erstellten Kataster geht hervor, dass sich entlang des Rio Bordellino eine ganze Reihe von Ölmühlen befanden. Auf einer Länge von 200 m lagen in Vigne allein sechs solcher Mühlen.Lia Cunial: Dal Lidar al catasto asburgico: la ricerca dei paesaggi in età contemporanea. In: Gian Pietro Brogiolo (Hrsg.): APSAT 3. Paesaggi storici del Sommolago. Società Archeologica, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-78-9, S. 72, 81. Unter diesen Ölmühlen befand sich auch jene der Grafen von Arco.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. Comune di Arco – Associazione Riccardo Pinter, Arco 2014, ISBN 978-88-89521-33-5, S. 134. Letztere war 1598 von der Gemeinschaft von Romarzollo errichtet und anschließend den Grafen von Arco als Geschenk übergeben worden.Cooperativa ARCoo (Hrsg.): Comune di Romarzolo. Inventario dell’archivio storico (1403–1929) e degli archivi aggregati (1894–1920). S. 22.

1873 entstand im Zuge der städtebaulichen Entwicklung des Kurortes Arco zwischen Vigne und Chiarano die Villa Angerer mit ihrer Parkanlage.Michela Vinaccia: Primi passi verso la tutela dei beni culturali ”verdi“. S. 38. Bauherr war der in Pill geborene Unternehmer Johann Angerer. Umgeben ist die im eklektizistischen Stil errichtete Familienvilla von einer etwa 30.000 m² großen Parkanlage mit teilweise exotischen Pflanzen. In den 1930er Jahren verkauften die Erben das Grundstück an eine kirchliche Einrichtung, die in der Folge den Bau zu einem Sanatorium für lungenkranke Priester wesentlich erweiterte. Im September 1936 wurde die hundert Betten umfassende Einrichtung eröffnet, die 1939 den Namen Sanaclero annahm und bis 1970 in Betrieb war. Seitdem steht der in den Landsbesitz übergegangene Bau leer.Selenio Ioppi: Di villa in villa: lo sviluppo urbano ad Arco fra la fine del 1800 e la prima metà del 1900. Il Sommolago, Arco 2004, S. 67–71.

Sehenswürdigkeiten San Giacomo Maggiore, Pfarrkirche von Vigne, deren Ursprung in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Olivaia, von Olivenhainen geprägte Kulturlandschaft an den Hängen des Monte Baone. Parkanlage Villa Angerer, der Park zeichnet sich durch das Vorkommen von wertvollen und jahrhundertealten Bäumen aus, die für das mediterrane und subtropische Klima typisch sind. Er ist neben dem Arboretum des Erzherzogs Albrecht von Österreich-Teschen der bedeutendste Park in Arco. Placche di Baone, charakteristische Felswand nordöstlich des Ortskerns gelegen, ehemals Steinbruch und mittlerweile eine der zahlreichen Kletterwände in Arco und Umgebung.

Literatur Agostino Perini: Statistica del Trentino. Band 2, Tipografia Fratelli Perini, Trient 1852, S. 656 (Digitalisat). Ottone Brentari: Guida del Trentino. Trentino Occidentale parte prima: Valli del Sarca e del Chiese. Sante Pozzato, Bassano del Grappa 1892, S. 84–85. Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. Manfrini, Calliano 1975, S. 266–267. Ernesto Lorenzi: Dizionario Toponomastico Tridentino. Archivio per l‘Alto Adige, Gleno 1932 (Nachdruck Arnaldo Forni Editore, Sala Bolognese 1981), S. 1081.