Der Montaña de Tindaya (auch Montaña Sagrada de Tindaya) ist ein Berg auf der Kanareninsel Fuerteventura. Er liegt im Nordwesten der Insel nahe dem gleichnamigen Dorf bei La Oliva, rund sechs Kilometer vom Atlantik entfernt. Seine Höhe beträgt . Die Majoreros, Ureinwohner der Insel, betrachteten den Tindaya als heiligen Ort für Rituale. 1987 wurde der Berg zum Naturschutzgebiet erklärt und 1990 erhielt er die Auszeichnung eines ökologisch sensiblen Gebietes.

Kulturelles Erbe 1977 markierte den Beginn der Erforschung der Felskunst auf Fuerteventura mit der Entdeckung der bedeutendsten Felskunststätte der Insel, dem Berg Tindaya. Seine anschließende Untersuchung durch Mauro Hernández Pérez und Dimas Martín Socas 1980 beeinflusste die späteren Entdeckungen auf der Insel, da Felskunst auf Fuerteventura bis dahin unbekannt war. Aufgrund seiner Felsgravuren ist der Berg von historischem und archäologischem Wert. Für die Majoreros, die die Insel vor der Eroberung durch die Kastilier bewohnten, war der Tindaya eine heilige Stätte, an der sie über 300 fußförmige Gravuren, Podomorfos, hinterließen. Die meisten dieser Zeichnungen sind nach Teneriffa und Gran Canaria gerichtet. Auch auf Lanzarote hat man fußförmige Gravuren gefunden, die auf den Berg Tindaya gerichtet sind.

Eine Studie des Instituts für Astrophysik der Kanarischen Inseln zeigte, dass 80 % der Podomorfos in denselben Winkeln, genau zwischen dem Pico de las Nieves auf Gran Canaria und dem Teide auf Teneriffa, ausgerichtet sind. Alle Gravuren sind auf Trachyt angebracht, mit Ausnahme derer in Basaltgebieten.

Der archäologische Wert des Tindaya liegt in seiner Sammlung podomorfer Felsgravuren sowie in vielen anderen geometrischen Figuren, die auf den ersten Blick wie rechteckige Motive wirken, aber ebenfalls podomorfe Darstellungen sind. Der Tindaya ist die größte Fundstätte podomorfer Felskunst auf den Kanarischen Inseln mit über 300 dokumentierten Fußsilhouetten. Diese Gravuren weisen Parallelen in Nordafrika auf (Westsahara, marokkanisches Atlasgebirge und Tassili n'Ajjer in Algerien). Sie wurden teilweise mit der Picktechnik, teilweise mit der Ritztechnik ausgeführt und befinden sich in den oberen und mittleren Lagen des Berges. Die sakrale Bedeutung des Berges lässt sich auch durch den Vergleich mit ähnlichen Stätten in Nordafrika, beispielsweise im Atlasgebirge, belegen. In der nordafrikanischen Amazigh-Gemeinschaft besitzen podomorfe Gravuren und ihre Fundorte eine magische Bedeutung. Die Fußgravuren dienen der Sakralisierung der Orte, sodass nicht die Gravuren selbst, sondern der Ort an sich heilig ist.

Astronomische Studien haben die Ausrichtung der Tindaya-Gravuren auf bestimmte orografische Landmarken (den Teide oder die Insel Gran Canaria) sowie auf bedeutende astronomische Ereignisse (Sonnenwenden, Mondphasen, Positionen bestimmter Sterne und Sternbilder) festgestellt, woraus mögliche Verbindungen zu astralen Kulten abgeleitet wurden.

Zahlreiche Artefakte der Guanchen wurden auf dem Berg gefunden. Im Archäologischen Museum in Puerto del Rosario sind einige dieser Artefakte, wie zum Beispiel Tonfiguren, ausgestellt.

Es befinden sich zudem mehrere noch nicht ausgegrabene Grabhügel sowie archäologische Funde im oberen und mittleren Bereich des Berges. Auch an verschiedenen Fundstätten am Fuße des Berges wurden Keramikfragmente, Bruchstücke von Keramikidolen, Steinartefakte, Molluskologie-Materialien usw. dokumentiert. Unter den archäologischen Stätten am Fuße des Berges zeichnet sich die Majada de los Negrines an der Nordseite durch den Erhalt mehrerer Trockenmauerbauten aus, darunter zwei von beträchtlicher Größe mit ovalem Grundriss, die aus aufrecht stehenden Steinen errichtet wurden.

Die podomorfologischen Gravuren sind ausdrücklich geschützt und wurden gemäß Artikel 40.2 des LPHE (Gesetz über das historische Erbe) als Kulturgut anerkannt.

Mehrere heute stillgelegte Steinbrüche befanden sich am Berg und gewannen Trachyt hauptsächlich zur Verzierung von Gebäudefassaden. Die Fassade des Gebäudes der Hauptverwaltung der Caja Canarias in Santa Cruz de Tenerife ist mit Natursteinplatten bedeckt, die aus dem Gebiet des Montaña de Tindaya auf Fuerteventura stammen.

Naturdenkmal Das Gebiet des Montaña de Tindaya beherbergt einige seltene endemische Arten, wie beispielsweise Caralluma burchardii, die unter regionalem Schutz steht.

Das Gebiet wurde durch das Gesetz 12/1987 vom 19. Juni über die Erklärung der Naturräume der Kanarischen Inseln als Naturgebiet von nationalem Interesse Montaña Tindaya erklärt und durch das Gesetz 12/1994 vom 19. Dezember über die Naturräume der Kanarischen Inseln als Naturdenkmal neu klassifiziert.

Zugang Der Zugang zum Gipfel ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Auskünfte über eine eventuelle Sondergenehmigung erteilt das Umweltamt der Insel in Puerto del Rosario.

Bildergalerie

Literatur María Antonia Perera Betancort: Tindaya: reflexiones sobre una montaña agredida. In: Cuadernos del Guincho. Nr. 1, 1997, S. 48–57.

Siehe auch Poblado de La Atalayita La Pared de Jandía

Weblinks

Awake 04 – TINDAYA (spanisch) Youtube-Video: Fuerteventura - Der heilige Berg Tindaya

Einzelnachweise

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