Joana Adesuwa Reiterer (geboren 1981 in Benin City, Nigeria) ist eine nigerianisch-österreichische Filmemacherin, Autorin und Frauenrechtsaktivistin. Sie wurde als erste Person mit dem Menschenrechtspreis der Österreichischen Liga für Menschenrechte ausgezeichnet.
Leben und Wirken Joana Adesuwa Reiterer wuchs in Nigeria auf. Sie studierte Kunststofftechnik, führte ein Modeunternehmen und arbeitete in der nigerianischen Filmindustrie Nollywood als Schauspielerin, Ausstatterin und Eventmanagerin.
2003 heiratete sie einen in Österreich lebenden Nigerianer, zog zu ihm nach Wien und merkte nach kurzer Zeit, dass er mit nigerianischen Frauen handelte. Diese schwierige Zeit beschreibt sie in ihrer Autobiografie Die Wassergöttin (2008). Auch unterstützte sie die Politologinnen und Journalistinnen Mary Kreutzer und Corinna Milborn bei der Recherche für ihr Sachbuch Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa (2008), das Sudabeh Mortezais Spielfilm Joy (2018) inspirierte.
2006 gründete Reiterer den Verein EXIT für Aufklärungsarbeit zum Frauenhandel aus Nigeria sowie für die Betreuung und Beratung betroffener Frauen in Österreich. Bei einer UN-Konferenz 2008 trat sie gemeinsam mit der Schauspielerin Emma Thompson in einem Rollenspiel auf, um gegen Frauenhandel zu protestieren. Aus ihrem Frauenrechtsaktivismus heraus entstand 2010 der Kurzspielfilm A Place of Peace, den sie gemeinsam mit Michael Sokolar realisierte. Der Film, der von einer jungen Frau handelt, die nach Europa verschleppt wird, hat dazu beigetragen, in Österreich einen Präzedenzfall zu schaffen: Ein Opfer von Menschenhandel aus Nigeria wurde zum ersten Mal offiziell als schutzberechtigt anerkannt.
2011 erschien Reiterers teilweise autobiografischer dokumentarischer Roman Hexenkind, der sich mit dem Problem des Hexenwahns in Afrika beschäftigt. Über dieses Thema realisierte Andrea Morgenthaler im Auftrag des Bayerischen Rundfunks den Dokumentarfilm Joana und die Mächte der Finsternis (2011).
2012 gründete Reiterer die nigerianische Filmproduktionsfirma Rodo Studios, aus der u. a. der Dokumentarfilm Voices Uprising über die Massenproteste gegen Polizeigewalt im Jahr 2020 in Nigeria hervorging. Reiterer schrieb das Drehbuch und führte Regie.
2015 gründete sie das Netzwerk und Modelabel Joadre, in dessen Rahmen Kleinproduzentinnen in Nigeria unternehmerisch geschult werden und Taschen sowie Kleidung herstellen. Ziel ist es, finanzielle und soziale Not zu bekämpfen und so Menschenhandel vorzubeugen.
Ein weiteres Projekt Reiterers ist die 2024 von ihr gegründete Medien- und Bildungsplattform Bold With Jo, deren Ziel es ist, aufstrebende afrikanische Filmschaffende dabei zu unterstützen, ihre Ideen in produktionsreife Filme umzusetzen. Das Projekt macht afrikanische Perspektiven sichtbar und dient als „Gegenentwurf zu kolonialen Erzählungen und als Archiv für die Zukunft“. Reiterer wirkte außerdem an Drehkonzept und Regie des Dokumentarfilms Stoff – ein Spitzengeschäft (2026) über die jahrhundertealte, kolonial geprägte Textilgeschichte zwischen Nigeria und Österreich mit.
Sie erhielt für ihr Engagement für Frauenrechte zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem wurde sie 2009 als erste Person mit dem Menschenrechtspreis der Österreichischen Liga für Menschenrechte ausgezeichnet. 2010 bekam sie den MiA-Award verliehen, eine Auszeichnung für besondere Leistungen von Frauen mit internationalem Hintergrund in und für Österreich.
Auszeichnungen und Ehrungen
„Ambassador of Peace“ der Womens Federation for World Peace Nominierung für das „America Council of Young Political Leaders“ des US Department of States 2009, Menschenrechtspreis der Österreichischen Liga für Menschenrechte 2010, MiA-Award für Frauen mit internationalem Hintergrund 2012, Merit Award der internationalen Frauenorganisation Zonta (Zonta Vienna City Club)
Veröffentlichungen
Bücher
Die Wassergöttin: Wie ich den Bann des Voodoo brach. Weltbild, Augsburg 2008, ISBN 978-3-89897-961-0. Hexenkind: Die Geschichte einer Frau, die verfolgt wurde. edition a, Wien 2012, ISBN 978-3-99001-034-1.
Filme
A Place of Peace, Kurzfilm, 2010 (Drehbuch) Voices Uprising, Dokumentarfilm, 2024 (Drehbuch, Regie) Stoff – ein Spitzengeschäft, Dokumentarfilm, 2026 (Drehkonzept, Regie)
Weblinks
Literatur von Joana Adesuwa Reiterer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Website Verein EXIT
Website Joadre Website Bold With Jo
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Menschenrechtsaktivist (Österreich) Kategorie:Menschenrechtsaktivist (Nigeria) Kategorie:Unternehmer (21. Jahrhundert) Kategorie:Nigerianer Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1981 Kategorie:Frau