Paul Nagel (* 24. Juli 1831 in Engishofen, Gemeinde Erlen, Kanton Thurgau; † 10. September 1880 in Bischofszell, Kanton Thurgau; heimatberechtigt in Engishofen) war ein Schweizer liberaler Politiker, der unter anderem von 1876 bis 1877 Präsident des Ständerats war.
Leben Paul Nagel, Sohn des Johann Konrad Nagel und der Anna Katharina Haffter, absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich sowie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und nahm nach dem Erwerb des Anwaltspatents im Kanton Thurgau 1854 eine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Weinfelden auf. 1858 trat er gemeinsam mit Philipp Gottlieb Labhardt und Fridolin Anderwert dem Liberalen Verein als Mitglied bei. 1858 wurde er erstmals Mitglied des Grossen Rates des Kantons Thurgau, dem er bis 1880 angehörte. Er war zwischen 1861 und 1866 als Vertreter von Eduard Häberlin Vizestaatsanwalt und engagierte sich von 1861 bis 1867 als Mitglied der Evangelischen Synode. Bei den Nationalratswahlen am 25. Oktober 1863 kandidierte er für die Demokratische Linke im Nationalratswahlkreis Thurgau für ein Mandat, verpasste aber mit 4856 Stimmen den Einzug in den Nationalrat. Er war zwischen 1863 und 1880 Präsident des Bezirksgerichts von Bischofszell sowie zugleich von 1869 bis 1880 Ersatzrichter am Obergericht des Kantons Thurgau.
Nagel, der auch Oberstleutnant der Infanterie war, gehörte zwischen 1868 und 1869 dem Verfassungsrat des Kantons Thurgau als Mitglied an und bekleidete von 1869 bis 1870 das Amt des Präsidenten des Grossen Rates des Kantons Thurgau. Am 5. Juli 1869 wurde er für die Demokratische Linke erstmals Mitglied des Ständerates und vertrat in diesem nach seinen Wiederwahlen in den Parlamentswahlen 1869, 1872, 1875 sowie 1878 bis zu seinem Tod am 10. September 1880 den Kanton Thurgau. Er fungierte zudem von 1869 bis 1880 als Präsident des paritätischen Administrativrats und galt als Befürworter der beiden Totalrevisionen der Bundesverfassung 1872 sowie 1874. Im Ständerat gehörte er zu den Gegnern der Gotthardbahn und war andererseits Hauptinitiator der Bischofszellerbahn zwischen dem Bahnhof Sulgen und dem Bahnhof Gossau SG, die am 5. Juli 1876 eröffnet wurde. Am 5. Juni 1876 übernahm er von Johann Jakob Sulzer den Posten des Präsidenten des Ständerats und behielt dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Karl J. Hoffmann am 5. März 1877. Er war seit 1867 mit Marie Barbara Pol verheiratet, Tochter des Landwirts Lorenz Pol, wodurch er ein Schwager des langjährigen National- und Ständerates Jakob Albert Scherb wurde.
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