Bei der Sukhothai-Schrift, auch Proto-Thai-Schrift oder Ramkhamhaeng-Schrift, handelt es sich um eine Vorgängerschrift der heutigen thailändischen Schrift. Sie ist eine Abugida und steht damit zwischen Alphabet und Silbenschrift. Sie wurde erstmal 1292 in Sukhothai verwendet. Die Schrift geht auf südindische Abkömmlinge der Brahmi-Schrift zurück,John F. Hartmann: The Spread of South Indic Scripts in Southeast Asia. In: Crossroads. An Interdisciplinary Journal of Southeast Asian Studies, Bd. 3, Nr. 1 (1986): Seven Hundred Years of Thai Writing, S. 6–20; hier S. 7. insbesondere die Pallava-Schrift. Viele Wissenschaftler nehmen an das sie auf der Khmer-Schrift aufbaute. Es handelt sich um die erste Schtift mit der die thailändische Sprache geschrieben wurde.
Schrift mini|Nahansicht der Ramkhamhaeng Stele mini|Die Ramkhamhaeng Stele mini|Weiteres Detail der Ramkhamhaeng Stele mini|Wat Ku Kut Inschrift aus dem Jahr 1150 in Lamphun. Mon war eine verbreitete Schrift im nördlichen Thailand. mini|Nördliches Thai geschrieben mit der auf Mon basierten Lanna Schrift in Chiang Mai mini|Lolei. Während der Herrschaft von Yasovarman I. (Regierungszeit 889–910) entstanden die ersten Inschriften in der Khmer-Schrift. Klar ist zu erkennen, dass es sich nicht um die Angkor Schrift handelt, sondern um eine Zwischenstufe. Auffallend: Die Nutzung des thailändischen Konsonatenbuchstabens: , der nach allgemeiner Auffassung erst 1283 entstanden ist. Es gibt verschiedene Ansätze die Sukhothaischrift zu definieren. Die meisten Sprachwissenschaftler definierten die Schrift mit genau einer Quelle, der Ramkhamhaeng Stele, und ignorierten Hunderte von anderen Quellen, welche ebenfalls in der Sukhothai-Zeit entstanden waren. Diese Vorgehensweise kan in keinster Weise als wissenschaftlich gelten kritisierten Michael Vickery und James Chamberlain.Michael Vickery The Ramkhamhaeng Inscription: A Piltdown Skull of Southeast Asian History? Seite 11 Sie plädieren dafür, alle Quellen aus der Sukhothaizeit als Sukhothaischrift zu definieren – trotz ihrer Widersprüche.
In folgender Tabelle wird der Unterschied zwischen der heutigen Thaisschrift und der Schrift der Sukhothai Periode (12. Jahrhundert, Entstehung der thailändischen Schrift dargestellt, kurz Sukhothaischrift). Aus der Tabelle geht klar hervor, dass in der Sukhothaischrift 5 neue Konsonanten eingeführt wurden, für welche es keine Entsprechungen in den altindischen Schriften gab. Thai ist in keiner Weise mit altindischen Sprachen verwandt, sondern eine Sprache aus dem chinesischen Sprachgebiet. Nach gängiger Meinung wurde die Khmer-Schrift (eine altindische Schrift) von den „Eingewanderten“ gewählt, weil sie im heutigen Gebiet von Thailand vorherrschend und besonders im religiösen Bereich weit verbreitet war. Vor der Einwanderung / Vertreibung der Thai aus dem heutigen China in das heutige Thailand, besaß die thailändische Sprache kein eigenes Schriftsystem. In der Tabelle werden nur die Konsonanten dargestellt. Die Vokale der Sukhothaischrift wurden nach gängiger Lehrmeinung nicht von der Khmer Schrift übernommen. Die Sukhothaischrift besaß nach dieser Meinung eigene Vokale, die grundsätzlich vor oder hinter dem Konsonanten geschrieben wurden und keinerlei Ähnlichkeit mit der Khmer-Schrift hatten.omniglot: Sukhothai, abgerufen am: 6. April 2026 Dies stellt nach der gängigen Theorie den größten Unterschied zwischen der modernen thailändische Schrift und Sukhothaischrift dar. Die heutige thailändische Schrift verwendet die Vokale aus der Khmerschrift. Die innovative Lösung, alle Vokale vor bzw. hinter dem Konsonanten zu schreiben, hätte sich nicht durchgesetzt. Im 14. Jahrhundert wurden wieder Khmer Vokale eingesetzt, da die gebildete Elite primär Khmer als Schrift verwendete und die Innovation nicht mittrug. Auch wurden 5 weitere Konsonantenbuchstaben in der Li Thai Zeit hinzugefügt. Die heutige thailändische Schrift hat also seine Basis in der Li Thai Schrift.
Kritiker an der gängigen Meinung führen an, dass es nur genau zwei Belege gibt, welche die obengenannten Aussagen bestätigen. Beide Inschriften wurden von König Mongkut 1833 in Sukhothai gefunden. Es gibt Hunderte von Inschriften aus der Sukhothaizeit, welche eine eigenen thailändische Schrift belegen. Außer den zwei von König Mongkut gefundenen Inschriften wurden aber bei allen anderen Inschriften der Vokal i über dem Konsonantenzeichen geschrieben und der Vokal u unter dem Konsonanten. Diese Schreibweise hat Tradition: Bereits in Brahmi, Pallava, Mon und Khmer wurden die Vokale i und u so geschrieben.The Stele of Ram Khamhaeng Oldest writing in Thai or historical fake?Barend Jan Terwiel The Ram Khamhaeng Inscription The fake that did not come true Ostasien Verlag ISBN 978-3-940527-39-4Michael Vickery The Ramkhamhaeng Inscription: A Piltdown Skull of Southeast Asian History?
Die Einteilung der Konsonantenzeichen in Mittel, Hoch und Tief fehlten bei der Sukhothaischrift. Die Klasse in der Tabelle wurde nur angegeben, um Zusammenhänge darzustellen. Die Einteilung in Klassen erfolgte erst viel später, um Lernenden eine Hilfe zu bieten – also Silben ohne Tonzeichen richtig zu sprechen. Eine Einteilung in stimmlos und stimmhaft findet im heutigen Thai keine Anwendung mehr.
Die Sukhothaischrift kannte zwei Tonzeichen, welche aber keine Entsprechung im heutigen Thai besitzen. Die Zeichen sind auch außerhalb der von König Monkut gefundenen Inschriften belegt. Sie fanden aber nicht einheitlich Anwendung. Nur in der Ramkamhaeng Stele dienen sie konsequent zur Markierung von Tönen.Michael Vickery Piltdown 3--Further discussion of the Ram Khamhaeng Inscription, Journal of the Siam Society, Band 83, 1995 Seite 119 Marvin Brown stellte fest, dass in der Ramkhamhaeng Inschrift immer derselbe Ton mit demselben Zeichen markiert worden ist. In der heutigen thailändischen Schrift gibt es aber keine 1 zu 1 Zuordnung zwischen Zeichen und Ton.Marvin Brown, Historical Explanations for the Peculiarities of the Thai Writing System", From Ancient Thai to Modern Dialects, White Lotus Company, 1985 Seiten 5–16, ISBN 978-9748495071 Es stellt sich also die Frage warum dieses einheitliche System nicht übernommen worden ist.
Mann kann davon ausgehen, dass die Sukhothaischrift von Khmer, Mon, Brahmi, Pallava „Sprachexperten“ speziell für die Bedürfnisse der thailändischen Sprache aus der Khmer Schrift bzw. Monschrift erschaffen wurde und es keine „wilde Entwicklung“ gab.
Die erheblichen Unterschiede zwischen der Sukhothaischrift und der heutigen thailändischen Schrift lässt sich wie folgt erklären: Sukhothaischrift wurde primär in Stein geritzt. Eckige Buchstaben waren von Vorteil, aber unpraktisch für das Schreiben auf Palmblätter. Die Entwicklung der thailändischen Schrift ging zu runden Buchstaben, welche mit einem einzigen Zug geschrieben werden konnten. Fast alle Konsonantenbuchstaben der heutigen Thaischrift (Ausnahme und ) verfügen über einen Kreis, da dieser schnell geschrieben werden konnte. Die größten Änderungen fanden während der Ayutthaya-Periode statt.
Die gängige Sprachwissenschaft besagt folgendes: Die Sukhothai-Schrift verfügte über 39 Konsonantenbuchstaben.Ian James: King Ramkhamhaeng’s script for Thai, Skyknowledge, abgerufen am: 6. April 2026 Die ursprünglich Pallavaschrift dagegen nur über 33 Konsontenbuchstaben. Die Khmer-Schrift über 35 Konsonantenbuchstaben. Die Khmer-Schrift übernahm alle Pallava Konsonantenbuchstaben, erklärte aber einen unabhängigen Pallava-Vokal zu einem Konsonantenbuchstaben () und fügte einen eigenen hinzu (). Die Sukhothaischrift übernahm 34 der 35 Khmer Konsonantenbuchstaben. Sie übernahm nicht () und fügte 5 eigene hinzu. Eine Mehrheit von Wissenschaftler übernimmt diese Darstellung. Bewiesen ist sie aber nicht. Im Gegenteil: Nachfolgende Tabelle besagt, dass es keinerlei archeologischen Beweis für die entsprechenden Buchstaben der thailändischen Schrift () Khmer: () im Khmer Reich gibt. Bis heute konnte keine Quelle über ihre Existenz gefunden werden. Man weiß also nicht wie sie aussahen.
Es gibt also drei Möglichkeiten dieses Problem der Konsonantenzeichen (Thai: Khmer: ) zu erklären:
Die Sukhothaischrift ist eine Fälschung und hat es nie gegeben. Die Fälscher kannten Sanskrit, Pali und Khmer, wussten aber nicht dass es die Buchstaben () in der Blütezeit von Angkor Wat gar nicht gegeben hat. Das es eine thailändische Schrift während der Sukhothaizeit gegeben hat, bezweifeln diese Kritiker aber nicht. Es handelte sich dabei halt um eine Vorgängerschrift der Li Thai Schrift. Umstritten sind nur die beiden Inschriften welche König Mongkut gefunden hat. Es handelt sich bei der Sukhothaischrift um eine eigenständige Thai Entwicklung (welche vielleicht von der Khmerschrift inspiriert wurde) aber Pallava und Brahmi als Grundlage hatte und nicht die Khmer Schrift. Die Khmerschrift übernahm diese Buchstaben aus der Thaischrift nach der Eroberung von Angkor Wat durch Siam. Das sämtliche Quellen für die Existenz von verloren gegangen sind und die Sukhothaischrift auf der Khmerschrift aufbaut.
Es gibt auch die Theorie, dass die Sukhothai Schrift auf der Mon Schrift basiert.Hans Penth: Difficulties with Inscription No. 1, Chiang Mai University 1985 Die Mon Schrift war im heutigen nördlichen Thailand weit verbreitet. Die heutige Shan-Schrift ist eine Weiterentwicklung der Mon Schrift und auch die Lanna Schrift basiert auf der Mon Schrift. Auffallend ist aber: Die Mon Schrift kennt keine drei s. Sowohl Brahmi als auch Pallava kannten dagegen drei verschiedene s. Die Notwendigkeit der drei s des Pallava erklärt sich durch die Abbildung von Wörtern aus dem Sanskrit. Pali benötigt sie dagegen nicht. Angkor war hinduistisch geprägt - die Sprache der Religion war Sanskrit. Die Mon Kultur dagegen buddhistisch, die führende religiöse Sprache daher Pali.Mathias Jenny: Writing systems of MSEA The Languages and Linguistics of Mainland Southeast Asia: A comprehensive guide, De Gruyter Mouton, ISBN 978-3-11-055814-2 Vor der Eroberung durch die Khmer war Dvaravati (ein Bündnis von buddhistischen Mon Staaten) die führende Macht im nördlichen Thailand. Der Buddhismus daher seit dem 7. Jahrhundert die führende Religion im heutigen Thailand - nicht der Hinduismus. So handelt es sich bei der bedeutendsten im Khmer Stil errichteten Tempelanlage in Thailand Phimai um ein Kloster des Mahayana Buddhismus - und nicht um einen Hindutempel. Der Aufbau der Anlage ist dagegen klar Khmer geprägt. Es wird das Universum dargestellt mit dem heiligen Berg Meru als Zentrum.
Es klingt unlogisch, dass die Thai, welche sich gerade von der Khmer Herrschaft abgesetzt haben, die Khmer-Schrift als Grundlage für ihre Eigene verwendet haben. Aber auch die Theorie die thailändische Schrift stammt von der Mon Schrift ab leuchtet nicht ganz ein. Eher gilt, dass sich Gelehrte zusammengesetzt haben und aufgrund der Basen Brahmi, Pallava, Mon und Khmer etwas ganz Eigenständiges geschaffen haben. Man wollte sich mit der Sukhothai von allen anderen Schriften absetzen.
Konsonatenzeichen