Taube und Erdhörnchen ist ein Tiermärchen der Tupuri aus dem Tschad.Herrmann Jungraithmayr (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 178–180, 276.

Handlung Taube und Erdhörnchen beschließen Bohnen zu pflanzen, wobei die Taube in jedes Loch nur ein Saatkorn legt, das Erdhörnchen dagegen vier. Als die Bohnen reif sind, erntet die Taube dreißig Körbe Bohnen, das Erdhörnchen dagegen nur zwei. Also erzählt das Erdhörnchen der Taube, dass die Leute auf dem Markt von Dangdebale die Asche der Bohnen kaufen wollen und nicht diese selbst. Die Taube verbrennt daraufhin ihre Bohnen und fährt zum Markt, wo sie jedoch ausgelacht wird.

Für 30 Francs, die die Taube mitgenommen hatte, lässt sie sich neue Kleider anfertigen und fährt zurück nach Hause, wo das Erdhörnchen erstaunt über den vermeintlich gewonnenen Reichtum der Taube ist. Also verbrennt auch es seine Bohnen zu Asche und fährt zum Markt, auf dem es jedoch wegen seiner Dämlichkeit verprügelt wird. Auf dem Weg nach Hause trifft es einen Mann, der vergeblich versucht, auf einem trockenen und rissigen Boden ein Sorghumhirsefeld zu bestellen. Es erzählt diesem, dass es jemanden kenne, der die Risse zusammenkleben könne und nennt die Taube, woraufhin sie gemeinsam zur Taube gehen.

Bei der Taube angekommen, meint diese aber, dass man sowas nicht klebt, sondern näht und zwar mit der Haut eines Erdhörnchens, woraufhin der Mann das lügnerische Erdhörnchen tötet und ihm die Haut abzieht, womit die Taube dann die Risse seines Ackers zunäht.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Suzanne Ruellands und Jean-Pierre Capriles Contes et récits du Tschad. La femme dans la littérature orale tschadienne (Paris 1978) und erhielt in Herrmann Jungraithmayrs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad (Düsseldorf / Köln 1981) den Titel Taube und Erdhörnchen. Ruelland nahm es 1973, unter Mitarbeit von Tchaye Bayoungolna Menwa, nach Gnakrew Dakoya aus dem Dorf Mindaoré, Präf. Mayo Kebbi auf. Nach Jungraithmayr gilt das Erdhörnchen im Allgemeinen als schlau und gewinnt für gewöhnlich seine Auseinandersetzungen. In diesem Märchen glaubt es aber, dass es, wenn es vier Saatkörner in ein Loch lege, die vierfache Ernte erhielte. Die Körner ersticken dadurch jedoch.

Literatur Herrmann Jungraithmayr (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 178–180, 276.

Einzelnachweise

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