mini|Haus Max-Josef-Metzger-Straße 3, 2026 mini|Figur der Mutter Gottes Das Gebäude Max-Josef-Metzger-Straße 3 ist ein denkmalgeschütztes Wohnhaus in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage Das Haus befindet sich in der Magdeburger Altstadt auf der Südseite der Max-Josef-Metzger-Straße. Westlich grenzt das gleichfalls denkmalgeschützte Haus Max-Josef-Metzger-Straße 1, 2 an.
Die Straße nördlich des Grundstücks gehörte ursprünglich zur Prälatenstraße. Es bestand zunächst die Adressierung Prälatenstraße 37, nach einer Umnummerierung Prälatenstraße 35. Seit der Umbenennung der Straße in Max-Josef-Metzger-Straße im Jahr 1975 besteht die heutige Adressierung. Das Grundstück liegt in der Flur 145, Flurstück 4510/1.
Geschichte Vorgängerbebauung Bei dem Grundstück handelt es sich um eine alte Kurien- und Dekanatsstätte des Sebastianstifts. Im Jahr 1588 wohnte Dechant Dr. Hartwig Koldtmann im Haus. Kurz vor der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 wohnte Dechant Bünau in der Kurie. Außerdem lebte Ludolf von Alvensleben-Schermen samt Ehefrau hier.
Nach der Zerstörung lag das Grundstück bis 1670 wüst. In diesem Jahr wurde dem Dechanten Gebhard Julius von Mandelslohe vom Stiftskapitel ein Betrag in Höhe von 2200 Talern bewilligt, um das Haus wieder aufzubauen. Der Wiederaufbau erfolgte bis 1673. Im Jahr 1709 wurden wegen Baufälligkeit umfangreiche Reparaturen vorgenommen. Bis 1722 unterstand das Grundstück der Gerichtsbarkeit der Möllenvogtei, ab dann der des Sebastianstifts. Zumeist war das Gebäude vermietet, da die Stiftsdekane im benachbarten Sachsenhof (Nummer 34) lebten. Aus dem Jahr 1738 ist eine Beschwerde des Dechant von Boden überliefert, der sich darüber beklagte, dass die Mieter nichts am Haus hatten reparieren lassen. Es sei so verfallen, dass jeder Sturm das Dach herunter werfen könnte. Auch Scheune und Stall waren baufällig. Von Boden bot dem Stift an, das Anwesen einschließlich zweier Gärten für 1703 Taler abzukaufen und neu zu bauen. Er habe seit seinem Einzug im Jahr 1738 bereits für 300 Taler Bauarbeiten durchgeführt. Zu einem Kauf kam es jedoch scheinbar nicht. Nach dem Tod von Bodens wurde das Haus wieder vermietet. 1762 schloss das Kapitel einen Vertrag mit Dechant und Kammerdirektor Borghof, in dem festgelegt wurde, dass, falls zukünftig ein Dechant einzöge, er jährlich 60 Taler an das Stiftsregister zu zahlen habe.
Ab etwa 1765 wurde das Grundstück Domherrenkurie. Bis 1775 war der Domherr Etatsminister Lewin Friedrich von Bismarck Inhaber der Kurie, dann folgte Domherr Heinrich Friedrich von Platen. 1806 wurde sie als Knesebecksche Kurie bezeichnet. Inhaber war Karl Franz Freiherr von Mylendone-Knesebeck. Nach der Auflösung des Domkapitels Magdeburg übernahm die Regierung des Königreich Westphalen die Kurie.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 122 König Jérôme Bonaparte schenkte sie dann 1812 der Stadt Magdeburg zur Entschädigung für Kosten von Einquartierungen. Die Stadt zahlte dem bisherigen Besitzer der Kurie von Knesebeck die Kosten für erfolgte Hausreparaturen. Im Jahr 1815 erfolgte die Verpachtung der ehemaligen Kurie an den Konditor Thormann, 1818 dann der Kastellan der Ressourcengesellschaft Friedrich Arend für jährlich 520 Taler. Der Magistrat der Stadt veräußerte das Anwesen im Jahr 1820 für 5060 Taler an Frau Proviantmeister Dorothea Elisabeth Küsel, geborene Lohse. Später gelangte das Grundstück wieder in das Eigentum der Stadt, die es für schulische Zwecke nutzte. Dann wurde ein katholisches Lyzeum eingerichtet.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 123
Heutiges Gebäude Das heutige viergeschossige Wohnhaus entstand in den Jahren 1902/1903 für die Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe aus Paderborn.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 413 Errichtet wurde der repräsentative Bau durch Maurermeister Peter Geimer. Das Gebäude diente als Schulhaus für die katholische höhere Töchterschule.
Das Lyzeum wurde in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgelöst.Theodor Steinhoff, Daniel Lorek, Aus lebendigen Steinen, St. Benno Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-7462-1421-1, Seite 30 Das Haus wurde dann von den Ordensfrauen, den sogenannten Mallinckrodtschwestern, die auch das Lyzeum geleitet hatten, genutzt. Beim Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 erlitt das Gebäude einen schweren Schaden am Dach.Theodor Steinhoff, Daniel Lorek, Aus lebendigen Steinen, St. Benno Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-7462-1421-1, Seite 56 Das Haus wurde notdürftig repariert und 1947 als Haus Mallinckrodt von der Propstei angemietet. Ab 1967 wurde es angepachtet und diente bis 1984 als Katholisches Propstei-Pfarramt.Theodor Steinhoff, Daniel Lorek, Aus lebendigen Steinen, St. Benno Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-7462-1421-1, Seite 57
Architektur mini|Hängendes Maßwerk am Eingang, 2013 Das verputzte viergeschossige Haus ist im Stil der Neogotik gestaltet. Entsprechend der Nutzung als katholische Schule wurden in der Gestaltung Formen christlicher Architektur zitiert. Die repräsentative Fassade ist üppig mit Maßwerk verziert. So ist der Eingang mit einem Hängemaßwerk versehen. Auch das Oberlicht der Eingangstür ist mit Maßwerk gestaltet. Am ersten Obergeschoss befindet sich auf einem Sockel über dem Eingang die Figur einer gekrönten Mutter Gottes mit dem Christuskind. Sie steht auf einer Schlange und einer Weltkugel, was den Sieg über das Böse symbolisiert. Über der Figur ist ein kleiner Baldachin angebracht. Die westliche Gebäudehälfte wird von einem spitzen, dreiachsigen Dacherker bekrönt.
Im Gebäudeinneren waren im Erd- und im ersten Obergeschoss die Aula und die Schulzimmer untergebracht. Im zweiten und dritten Obergeschoss befanden sich die Wohnungen der Schwestern, eine Kapelle und die Sakristei. Neben einzelnen Zimmern waren dort aber auch der Schlafsaal, der Speisesaal und die Küche angeordnet.
Der Hinterhof des Anwesens wurde als Schulhof genutzt.
Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist das Wohnhaus unter der Erfassungsnummer 094 82788 als Baudenkmal verzeichnet.Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Mitglied des Landtages Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen) vom 24. Februar 2026 Drucksache 8/6626 (KA 8/3520) Entwicklung des Denkmalbestandes, Seite 228
Das Gebäude gilt als städtebaulich bedeutend und prägend für das Straßenbild.
Literatur Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 122 f. Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 413 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Wohngebäude in Magdeburg Kategorie:Kulturdenkmal in Magdeburg Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Magdeburg Kategorie:Erbaut 1902