mini|Der heute stillgelegte Bahnübergang in der Šancová-Straße. 1960er/1970er JahreDer Bahnhof Bratislava Filiálka ist ein Bahnhof im Stadtteil Nové Mesto in Bratislava. Er wird derzeit nicht mehr genutzt, es werden aber Überlegungen für neue Verkehrsprojekte angestellt.
Vorgeschichte Die heutige Stadt Bratislava lag bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im Königreich Ungarn. Alle hier genannten Orte trugen damals offiziell ungarische und halboffiziell deutsche Bezeichnungen. Slowakischsprachige Bezeichnungen wurden ab 1919 angewandt.
1891 eröffnete die Pozsony–Szombathelyi Helyiérdekű Vasút die Bahnstrecke von Bratislava nach Szombathely (Steinamanger). Der Pester Lloyd berichtete am 22. August 1895 von der Eröffnung der Bahnstrecke Pressburg–Duna Szerdahely – heute eine Teilstrecke der Bahnstrecke Bratislava–Komárno.
Die Bahnstrecke vom Bratislava in das ungarische Sopron wurde am 16. Dezember 1897 von der privaten Sopron–Pozsonyi Helyi Érdekű Vasút (Sopron Pozsonyer Localbahn-Aktien-Gesellschaft bzw. Oedenburg-Pressburger Lokaleisenbahn AktiengesellschaftDie Eisenbahngesellschaft wurde im Jahre 1897 unter dem Namen Sopron-Pozsonyi helyi érdekű vasút részvény társaság (deutsch: Ödenburg-Preßburger Lokalbahn AG) gegründet. Auf den im Mai 1897 ausgegebenen Stammaktien steht als deutsche Bezeichnung Sopron-Pozsonyer Localbahn-Actien-Gesellschaft, und die französische Angabe lautet Société anonyme du chemin de fer vicinal Oedenburg-Presbourg.) eröffnet. Die Strecke führte vom Bahnhof Filiálka in südwestlicher Richtung zur Altstadt und dort über die damals vorhandene Eisenbahnbrücke nach Engerau (Petržalka). Diese Brücke wurde im Jahr 1945 gesprengt. Seither ist der Bahnhof Filiálka nur mehr von Norden her an das Eisenbahnnetz angebunden.
Die Eisenbahnbrücke wurde nach dem Krieg nur mehr als Straßenbrücke wieder aufgebaut. Seit dem Neubau ab dem Jahr 2016 trägt sie meterspurige Straßenbahngleise und ist für normalspurige Stadtbahnen vorbereitet.
Der Bahnhof mini|Fahrplanbild 294 Bratislava Nové Mesto–Vajnory im tschechoslowakischen Kursbuch von 1929 Der Bahnhof Filiálka selbst diente nahezu die gesamte Zeit seiner Existenz überwiegend dem Güterverkehr. Das Gleisfeld verläuft durchgehend parallel zur Račianska-Straße, jedoch nicht direkt an ihr entlang. Dadurch entstand zwischen der Straße und den Gleisen ein Freiraum, in dem sich zahlreiche Fabriken und Betriebe ansiedelten. Zu den bekanntesten zählten Figaro, Palma, Danubius Elektrik und BEZ, aber auch Mlyn a pekáreň Jedľa sowie Istrochem. Die meisten dieser Betriebe sind bis heute nicht erhalten. Jene, die noch existieren, haben die Produktion stark eingeschränkt oder nutzen die Eisenbahn nicht mehr für den Gütertransport.
Am Bahnhof Filiálka hielt aber auch eine begrenzte Anzahl von Personenzügen. Ab 1973 endeten hier beispielsweise Personenzüge aus Trnava. Es handelte sich um „Arbeiterzüge“, die Werktätige in die hiesigen Fabriken und Betriebe beförderten. Ab 1977 verkehrten an Werktagen zwei Zugpaare – morgens nach Filiálka, nachmittags zurück; ein weiteres Paar fuhr sonntags abends.
Über die Gleisanlagen der Filiálka wurde auch eine bekannte Fußgängerbrücke errichtet, während der Übergang für Kraftfahrzeuge durch mehrere schienengleiche Bahnübergänge geregelt wurde. Ein Großteil dieser Übergänge ist erhalten geblieben und erfüllt noch heute seinen Zweck. Die größten Übergänge befinden sich am Trnavské Mýto und an der Kreuzung der Pionierska- und Račianska-Straße. Zudem ist erkennbar, dass von der Račianska-Straße eine Einfahrt auf das Gleisfeld parallel zur Kutuzovova-Straße möglich ist – ein Überrest eines früheren Bahnübergangs an dieser Stelle.
Im Jahr 1985 wurde die Elektrifizierung der Strecke Trnava – Bratislava Predmestie abgeschlossen, jedoch nicht bis zum Bahnhof Bratislava Filiálka. Der Personenverkehr zum Bahnhof Filiálka wurde am 1. Juni 1985 eingestellt.
Schrittweiser Verfall mini|Bahnhof Bratislava Filiálka mini|Ladebereich neben den Gleisen, der zum Be- und Entladen von Güterwaggons genutzt wurde. 1970er Jahre
Der Bahnhof liegt in einem bebauten Wohngebiet und ist auf seiner Nord- und Südseite durch einen Betonzaun abgegrenzt. Um den Bahnhof nicht umgehen zu müssen, wurde eine Fußgängerbrücke über das Gleisfeld errichtet. Nachdem der Bahnhof jedoch keinen Personenverkehr mehr aufnahm, nahm die Zugfrequenz kontinuierlich ab. Mit der späteren Schließung der umliegenden Betriebe und Fabriken ging auch das Güteraufkommen stark zurück. Die Gleise verödeten, und die Randgleise wurden als Abstellfläche für ausrangierte Waggons genutzt. Die Gebäude der umliegenden Fabriken und das Bahnhofsgebäude selbst begannen zu verfallen und wurden von Obdachlosen und sozial Randständigen besetzt.
Das Bahnhofsgebäude war dennoch noch eine Zeit lang in Betrieb: Ein Bahnhofsbuffet war geöffnet, und eine der Dienstwohnungen war noch bis 2010 bewohnt. Die Fußgängerbrücke über das Gleisfeld wurde vom Stadtbezirk am 22. April 2005 gesperrt und 2006 abgetragen.Lávku nad stanicou Filiálka už neobnovia Die Fabrikgebäude verfielen zunehmend, bis sie in den Jahren 2007–2008 von neuen Investoren abgerissen wurden. Die Flächen, auf denen die Gebäude gestanden hatten, verwandelten sich in begraste Gruben, bevor ab 2015 mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen wurde. Die Denkmäler der Industriegeschichte Bratislavas wurden durch Glas-Beton-Wohnbauten ersetzt. Der Bahnhof verfiel weiter: Schließlich wurde die Beleuchtung abgeschaltet, und Züge verkehren seitdem nicht mehr dorthin. Die Bahnübergänge mit ihrer Lichtsignalanlage und den mechanischen Schranken sind jedoch bis heute funktionstüchtig.
Aktueller Zustand Der Bahnhof verfällt weiter und war lange Zeit in nahezu allen Gebäuden von „illegalen Bewohnern“ besetzt. Mittlerweile sind alle Fenster des Bahnhofsgebäudes mit Holzbrettern vernagelt und alle Türen mit Metallgittern gesichert. Im Verwaltungsgebäude brach ein Feuer aus, ebenso in einem Teil des ehemaligen Altpapier-Ankaufsgebäudes, das inzwischen nicht mehr existiert. Die umliegenden Fabriken wurden bereits vor mehreren Jahren abgerissen; an ihrer Stelle stehen nun neue Wohngebäude. Auf dem Bahnhofsgelände sind nur noch wenige Gebäude erhalten: das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1914, einige Garagen entlang der Kukučínova-Straße sowie zwei kleinere Gebäude – eines neben dem Bahnhofsgebäude, das als Elektroverteilung dient, und eines am Ende des Ladebahnsteigs, das der Bedienung der danebenstehenden Anlage diente. Die Eisenbahn mäht regelmäßig das Gras, das auf den Gleisen wächst; auch ein Weg durch das Gleisfeld wurde vor einigen Jahren angelegt.
Im Juni 2019 veröffentlichten die Eisenbahnen der Slowakischen Republik eine Machbarkeitsstudie zur künftigen Nutzung des Bahnhofs mit vier Varianten. Die Železnice Slovenskej republiky planen eine Reaktivierung des Bahnhofs für Zugverbindungen aus Galanta und Trnava. Derzeit steht der Bahnhof jedoch weiterhin leer. Ein Baubeginn ist noch nicht festgesetzt.
2026 wurden Optionen für die neuerliche Nutzung des Bahnhofes veröffentlicht. Einige der fünf Varianten sehen die Wiederherstellung der historischen Verbindung nach Petržalka bzw. zum dortigen Bahnhof Bratislava-Petržalka vor. Bei diesen Varianten wäre eine neue Strecke durch die Stadt zu bauen und die Donau zu queren. Die fünf Optionen lauten im Wesentlichen:
eine Basisvariante, die aus der Machbarkeitsstudie von 2019 stammt, eine Variante mit unterirdische Führung bis Mlynské nivy mit möglicher Weiterführung nach Petržalka, eine gemischt oberirdische und oberflurige Variante bis Mlynské nivy mit möglicher Weiterführung nach Petržalka, die Variante mit Endpunkt vorerst am Bahnhof Filiálka, mit Option einer Weiterführung in Richtung Mlynské nivy – Petržalka im Rahmen eines anderen eigenständigen Projekts, Umsteigevariante, mit Endstation der ŽSR-Strecke in Trnavské mýto und Anbindung des Abschnitts Bahnhof Filiálka – Mlynské nivy durch eine separate Stadtbahn.
Galerie
Literatur Franz Haas, Ernst Smetana: Die Geschichte der Lokalbahn Ödenburg–Pressburg. RMG-Verlag. Wien 2021, ISBN 978-3-902894-86-1. Anmerkung
Einzelnachweise
Weblinks
Horváth Csaba Sándor: Sopron–Pozsonyi HÉV Építéstörténete Bahnhof Bratislava Filiálka auf Rail.sk Fotogalerie auf vlaky.net
Kategorie:Bahnhof in der Slowakei Kategorie:Verkehrsbauwerk in Bratislava Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren Kategorie:Bahnhof in Europa Kategorie:Wikipedia:Artikel mit Video