Heinz Kerz (auch Heinrich Kerz; * 15. April 1920 in Nieder-Olm; † 6. November 1980 in Mainz) war ein Deutscher, der vom NS-Regime wegen seiner Hautfarbe verfolgt wurde. Kerz war Sohn eines schwarzafrikanischen Besatzungssoldaten der französischen Streitkräfte nach dem Ersten Weltkrieg und einer Nieder-Olmerin. Kerz lebte in der Stadt Nieder-Olm, die zum Gedenken eine Sporthalle nach ihm benannt hat.

Leben Zu der Zeit der Geburt von Heinz Kerz war die Gemeinde Nieder-Olm, wie auch das übrige Rheinland, von Frankreich besetzt. Soldaten aus den französischen Kolonien in West- und Nordafrika gehörten zu den Besatzungstruppen, wie der Vater von Heinz Kerz, der aus dem Senegal oder aus Marokko kam und namentlich nicht bekannt ist. Seine Mutter ist Maria Kerz. Sie heiratete später und bekam noch drei weitere Kinder. Heinz Kerz wuchs zusammen mit seinen Halbgeschwistern auf. Er war in seiner Jugend Fußballer, spielte erfolgreich im Verein und wurde anerkennend „der schwarze Bomber“ genannt.Neues Deutschland: Das Leben von Heinz Kerz: „Man nannte ihn den schwarzen Bomber“ vom 27. Januar 2024 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er auf Grund seiner Hautfarbe („Rheinlandbastard“) aus dem Verein ausgeschlossen und durfte auch nicht mehr an Schwimmwettbewerben teilnehmen. Der 18-Jährige wurde 1938 zusammen mit einem weiteren dunkelhäutigen Besatzungskind aus Nieder-Olm als vorgeblich Angehöriger „einer minderwertigen Rasse“ nach Darmstadt in ein Krankenhaus gebracht und zwangssterilisiert. Im Mai 1943 wurde er ohne Anlass verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er in einem Außenlager unter menschenunwürdigen Bedingungen Flugzeugteile montieren musste. Er nahm als „Verfolgungsleiden“ Rückenprobleme, eine andauernde Herzerkrankung, Folgen von Nervenentzündungen mit.

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau im April 1945 durch die 7. US-Armee kehrte Heinz Kerz in seine Heimatstadt Nieder-Olm zurück und heiratete dort Dina Maier, mit der er die Grundschule besucht hatte und mit der er, nach Aussagen von Zeitzeugen, eine „glückliche Ehe“ führte. Kerz, der zur NS-Zeit keine Berufsausbildung absolvieren durfte, arbeitete zunächst als Kraftfahrer. Er nahm nach Kriegsende sein Fußballtraining wieder auf und trainierte die Jugendmannschaften des FSV Nieder-Olm. Er wurde Schwimmlehrer und Bademeister in Nieder-Olm, für die SPD zog er in den Gemeinderat ein und war bekennender Fastnachter. „Heinz Kerz ist vielen in Nieder-Olm als freundlicher, netter, sympathischer Mann in Erinnerung geblieben. Er war beliebt bei den Kindern, denen er das Schwimmen beibrachte, er engagierte sich in der Gemeinde und war überall hochgeschätzt.“Stadt Nieder-Olm: Heinz Kerz – Leben und Schicksal eines NS-Verfolgten aus Nieder-Olm, abgerufen am 15. Mai 2026.

In den 1950er Jahren reichte er wegen der Zwangssterilisation und der gesundheitlichen Folgen der Deportation ins Konzentrationslager mit jahrelanger Zwangsarbeit Klagen ein und bekam eine Geschädigtenrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zugesprochen. Im Mai 1980 – Heinz Kerz arbeitete inzwischen als leitender Bademeister im Nieder-Olmer Schwimmbad – musste er aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Nur ein halbes Jahr später starb er im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt.

Im Jahr 2005 baute die Stadt eine neue Sporthalle und entschloss sich, die Halle Heinz Kerz zu widmen und sie nach ihm zu benennen.

Weblinks Stadt Nieder-Olm: Heinz Kerz – Leben und Schicksal eines NS-Verfolgten aus Nieder-Olm, abgerufen am 15. Mai 2026. Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte: Heinz Kerz – Ein Schwarzer Fußballer im Nationalsozialismus (Zeittafel), vom 6. Oktober 2022. Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte: Heinz Kerz – Ein Schwarzer Fußballer im Nationalsozialismus (Podcast, 39 Minuten) vom 6. Oktober 2022. Deutschlandfunk: Holocaust-Gedenktag: Heinz Kerz – Erinnerungen an einen Schwarzen Fußballer, vom 27. Januar 2024.

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