mini|Illustration des Erregers Das Andes-Virus (in Kurzform auch als ANDV bezeichnet; fachsprachlich auch als Orthohantavirus andesense betitelt) ist ein Krankheitserreger in Form eines behüllten, einzelsträngigen RNA-Virus mit negativer Polarität aus der Familie der Hantaviren und verursacht unter anderem das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS). Die Übertragung kann sowohl von Mensch zu Mensch als auch durch Wirtstiere wie z. B. die Zwergreisratte erfolgen. Die Sterblichkeitsrate beträgt beim Menschen etwa 40 %.
Im Jahr 2026 war das Andes-Virus für einen Ausbruch an Bord der Hondius verantwortlich, während das Schiff auf einer Route im Atlantik unterwegs war.
Krankheitsverlauf Die ersten Symptome treten meist ein bis acht Wochen nach der Exposition gegenüber dem Virus auf und durchlaufen drei Phasen: Prodromalphase, kardiopulmonale Phase und Erholungsphase. Die Prodromalphase (Frühsymptome) dauert in der Regel einige Tage und umfasst häufig Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost und Schwindel. Die kardiopulmonale Phase dauert zumeist mehrere Tage und kann unter anderem durch Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut, erhöhte oder unregelmäßige Herzfrequenz, niedrigen Blutdruck, kardiogenen Schock und Atemversagen gekennzeichnet sein. Die Letalität bei ANDV-Infektionen beträgt etwa 40 %.
Geschichte Das Andes-Virus wurde 1995 erstmals in Argentinien entdeckt und nach der Anden-Gebirgskette benannt. Im selben Jahr wurden auch erste Fälle in Chile gemeldet. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde erstmals bei einem Ausbruch 1996 in El Bolsón, Argentinien, beschrieben. Seitdem kam es zu einigen Ausbrüchen mit berichteter Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Das Andes-Virus wurde 1999 als Art vom International Committee on Taxonomy of Viruses anerkannt und hat seitdem mehrere Änderungen seines Artnamens durchlaufen: zuerst zu Andes hantavirus, dann zu Andes orthohantavirus und zuletzt zum aktuellen Orthohantavirus andesense.
Meldepflicht Nach dem Recht Deutschlands müssen spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem Gesundheitsamt gemäß Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe g IfSG der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber und gemäß Abs. 1 Nr. 19 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Hantaviren, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet werden.Hantavirus-Erkrankung. RKI-Ratgeber, Stand 13. November 2020. Eine unverzügliche Isolierung bzw. Quarantäne ist, im Gegensatz zu fast allen anderen Infektionen, bei von Mensch zu Mensch übertragbaren hämorrhagischen Fiebern für Erkrankte bzw. der Erkrankung Verdächtige zwingend vorgeschrieben ( Abs. 1 Satz 1 IfSG [Absonderung]).
Hanta-Virus-Infektionen sind nach dem Recht Österreichs gemäß Abs. 1 Nr. 2 Epidemiegesetz 1950 bei Erkrankung und Tod anzeigepflichtig. Zudem wurde dies ab dem 9. Mai 2026 bis zum 31. Dezember 2026 auf Verdachtsfälle der von Mensch zu Mensch übertragbaren Hanta-Virus-Infektionen erweitert ( Verordnung des Bundesministers für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz betreffend anzeigepflichtige übertragbare Krankheiten 2020 i. V. m. § 1 Abs. 2 Epidemiegesetz 1950). Zur Anzeige verpflichtet sind unter anderen Ärzte und Labore ( Epidemiegesetz 1950).
Nach dem Recht der Schweiz ist der positive laboranalytische Befund zu einem Hanta-Virus meldepflichtig und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Nr. 17 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen. Meldepflichtig ist das untersuchende Labor. Zudem ist der positive laboranalytischer Befund der Erkrankung Hanta-Fieber meldepflichtig nach den genannten Normen und Nr. 17 der genannten Verordnung des EDI. Meldepflichtig sind Ärzte, Spitäler usw.
Weblinks
Centers for Disease Control and Prevention: About Andes Virus (englisch). WHO: Hantavirus (englisch). Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten: Hantavirus-Ausbruch in den Anden: ECDC arbeitet weiter an vorderster Front zur Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten (deutsch, englisch). Hantavirus-Infektionen. Mit Abschnitt Ausbruch durch Hanta-Andesviren auf Kreuzfahrtschiff. Robert-Koch-Institut (Deutschland). Hantavirus. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Österreich) Hantavirus-Infektionen. Bundesamt für Gesundheit BAG (Schweiz)
Einzelnachweise
Kategorie:Meldepflichtiger Erreger Kategorie:Virale Infektionskrankheit