Joseph Li Tao-nan OFM (auch Joseph Li Dao-nan; , * 17. Juli 1902 in Anqiu, Kaiserreich China; † 1973) war ein chinesischer römisch-katholischer Bischof der Diözese Puqi. Er gilt als eine bedeutende, zugleich kontrovers eingeordnete Figur im Kontext der Entwicklung der römisch-katholischen Kirche in der Volksrepublik China und der staatlich kontrollierten Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung.

Leben Joseph Li wurde 1902 in der Provinz Shandong geboren. Er verlor seinen Vater früh und wurde von seinem älteren Bruder, einem Tuchhändler, aufgezogen. Später besuchte er ein Knabenseminar und trat 1917 ins Priesterseminar ein, wo er auch dem Franziskanerorden beitrat.

1927 studierte er chinesische Literatur an der Fu-Jen-Universität in Peking und schloss sein Studium vier Jahre später mit einem Bachelor of Arts ab. Nach seiner Rückkehr nach Hankou wirkte er als Kaplan an der St.-Josephs-Kathedrale. Im Mai 1933 unternahm er eine Pilgerreise nach Rom. Später war er Schulleiter der Hankou-Jia-Na-Mittelschule und wurde 1940 als Schulleiter an die Hankou-Shangzhi-Mittelschule (heute Wuhan-Mittelschule Nr. 6) versetzt.

Er wurde am 15. August 1936 zum Priester geweiht und wirkte anschließend im chinesischen römisch-katholischen Klerus in einer Zeit politischer Umbrüche und zunehmender staatlicher Kontrolle über religiöse Institutionen.

Im Frühjahr 1944 besetzte die japanische Armee gewaltsam die Schulgebäude und zwang die Schule zur Verlegung. Li Tao-nan verlor dadurch nicht nur seine Stelle, sondern geriet auch in Lebensgefahr. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Li Tao-nan wieder als Schulleiter eingesetzt. Die nationalistische Regierung forderte, dass die Gebäude der Shangzhi-Mittelschule als japanisches Militäreigentum beschlagnahmt würden. Li Tao-nan verhandelte mit der Regierung und erreichte, dass die Schule an ihren ursprünglichen Standort zurückkehren und den Unterricht wieder aufnehmen konnte. 1947, nach dem Massaker vom 1. Juni in Wuhan, wies Li persönlich alle Lehrer und Schüler der Schule an, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.

Am 23. Februar 1949 ernannte Papst Pius XII. ihn zum Apostolischen Präfekten von Puqi. Am 17. Mai 1951 wurde er zum Bischof derselben Diözese ernannt und am 24. Juni 1951 in Hankou von Giuseppe Ferruccio Maurizio Rosà OFM, Erzbischof von Hankou, zum Bischof geweiht.

Als Bischof von Puqi (Puchow) war Li Tao-nan in eine Phase tiefgreifender Umstrukturierungen der römisch-katholischen Kirche in China eingebunden. Nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 kam es zu einer stärkeren staatlichen Kontrolle kirchlicher Strukturen.

Er wurde Teil der frühen Generation chinesischer Bischöfe, die später im Zusammenhang mit der Entwicklung der Chinesischen Katholisch-PatriotischenVereinigung eine Rolle spielten. In diesem Kontext wird er als einer der ersten chinesischen Bischöfe genannt, die nach 1949 Bischofsweihen im neuen kirchenpolitischen System vollzogen.

Bischof Li Daonan arbeitete mit der Kommunistischen Partei Chinas zusammen, indem er der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung beitrat, einer von der chinesischen Regierung kontrollierten Organisation, und am Ersten Nationalen Kongress der Katholischen Kirche in China teilnahm, der von Juni bis Juli 1957 stattfand.

Bedeutung für die Patriotische Kirche Joseph Li Tao-nan wird in der kirchenhistorischen Forschung häufig im Zusammenhang mit der Entstehung der staatlich anerkannten katholischen Struktur in China erwähnt. Diese Entwicklung führte 1957 zur Gründung der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung.

Am 13. April 1958 weihte Li Tao-nan die ersten unabhängigen Bischöfe, Bernardine Tong Kuang-ch'ing OFM, patriotischer Bischof von Hankou, und Marc Yüan Wen-hua OFM, patriotischer Bischof von Wuchang, in der Kathedrale von Hankou. Li Tao-nan pflegte stets die besten Beziehungen zur Regierung innerhalb der chinesischen Bischöfe.

Zwischen dem 20. April und dem 20. Juli 1958 wurden in sieben verschiedenen Zeremonien 13 weitere chinesische Priester. Hiervon weihte Li Tao-nan Anthony Tu Shi-hua OFM, patriotischer Bischof von Hanyang und später von Puqi, und Paul Francis Zhang Ming-quian OFM, patriotischer Bischof von Yichang. Papst Franziskus erkannte die Ernennung von Tu Shi-hua nach dessen Tod am 22. September 2018 an und er gilt somit als Bischof der römisch-katholischen Kirche.

1963 wurde Bischof Li Daonan, der mit der Regierung kooperierte, als Rechtsradikaler gebrandmarkt und in das Arbeitslager Puqi deportiert. Während der Kulturrevolution wurde er bis zu seinem Tod im Alter von 71 Jahren verfolgt und angeprangert.

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (20. Jahrhundert) Kategorie:Franziskaner Kategorie:Person (Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung) Kategorie:Chinese Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Mann