Franz Joseph Adolf Freiherr von Ow-Wachendorf (* 18. Juni 1818 in Reutlingen; † 17. Juni 1873 in München) war ein deutscher Diplomat. Ow-Wachendorf war königlich württembergischer Außerordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter Minister im Kaisertum Österreich, im Königreich Italien und in der Schweiz.
Leben Familie Franz Joseph Adolf Freiherr von Ow-Wachendorf entstammte dem Adelsgeschlecht von Ow. Die Familie, die zum schwäbischen Uradel gehört, erhielt 1682 von Kaiser Leopold I. den Reichsfreiherrenstand. Mitte des 18. Jahrhunderts teilte sich das Geschlecht in die beiden Linien zu Felldorf und zu Wachendorf.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1877. 27. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1877, Seite 601–608.
Maximilian von Ow (* 5. April 1784; † 16. Juli 1845), aus der zweiten Linie zu Wachendorf, wurde württembergischer Regierungsrat und Mitglied der Zweiten Kammer der Württembergischen Landstände. Er heiratete am 4. August 1812 Maria Clara Josefa Wilhelmine (* 7. November 1786; † 3. November 1855), eine geborene Gräfin Leutrum von Ertingen. Sie waren die Eltern von Adolf. Er hatte noch zwei Brüder und drei Schwestern.Hans Carl und Hans Otto Freiherren von Ow-Wachendorf: Stammbaum der Freiherren von Ow. Hagensche Hof- und Buchdruckerei, Baden-Baden 1888, Seite 10.
Abweichend vom Geburtsort Reutlingen, der im Indexeintrag der Deutschen Biographie sowie im Landeskundliches Online-Informationssystem für Baden-Württemberg / LEO-BWEintrag über Ow, Franz Joseph Adolf in LEO-BW erscheint, nennt Eduard Maria Oettinger in seinem Moniteur des Dates, contenant un million de renseignements biographiques, généalogiques et historiques (1867) StuttgartEduard Maria Oettinger: Moniteur des Dates, contenant un million de renseignements biographiques, généalogiques et historiques. Supplement-Band, Bernhard Herman, Leipzig 1880, Seite 92. und Hugo Schramm in seinem Jahrbuch Die Urne (1873) MünchenHugo Schramm: Die Urne. Jahrbuch für allgemeine Nekrologie. 1. Jahrgang 1873, E.H. Theile, Leipzig 1876, Seite 15. als Geburtsstadt.
Beruflicher Werdegang Ow-Wachendorf studierte Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und an der Universität Heidelberg. In Tübingen war er ab 1837 Mitglied der Studentenverbindung Corps Suevia Tübingen, in Heidelberg gehörte er dem Corps Guestphalia Heidelberg an.Otto Gerlach (Bearb.): Kösener Corpslisten 1960. Selbstverlag Verband Alter Corpsstudenten, o. O., o. J., Seite 1525, 129, Nr. 38. 1847 wurde er Attaché an der württembergischen Gesandtschaft in München im Königreich Bayern, wo er 1850 zum Legationssekretär befördert wurde.Eintrag über Adolf Freiherr von Ow-Wachendorf in Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis von 1917 bis 1929
Ab 1854 war Ow-Wachendorf Geschäftsträger an der württembergischen Vertretung in Sankt Petersburg im Russischen Kaiserreich. Bereits ein Jahr später wurde er als Geheimer Legationsrat zum Außerordentlichen Gesandten und Bevollmächtigten Minister in Wien im Kaisertum Österreich ernannt, wo er bis 1866 tätig war.Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963. Auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer. Sauer, München 2001, ISBN 978-3-598-11431-1, 422–423 + 427. Als solcher nahm Ow-Wachendorf, der selbst Katholik war, im Frühjahr 1856 führend an den Beratungen zum Konkordat zwischen dem Königreich Württemberg mit dem Heiligen Stuhl teil. Zusammen mit Anton von Dannecker als sein theologischer Berater, verhandelte er mit dem päpstlichen Vertreter und Kurienkardinal Karl August von Reisach die Inhalte des Vertrages.Georg May: Mit Katholiken zu besetzende Professuren an der Universität Tübingen von 1817 bis 1945. B.R. Grüner, Amsterdam 1875, ISBN 978-90-6032-053-2, Seite 336ff. Als württembergischer Vertreter war er am 8. April 1857 in Rom Mitunterzeichner des Konkordats.Vereinbarung zwischen Seiner Heiligkeit Pabst Pius IX. und Seiner Königlichen Majestät Wilhelm I. König von Württemberg (Konkordat) in www.verfassungen.de Von 1866 bis 1873 war Ow-Wachendorf württembergischer Gesandter und Bevollmächtigter Minister in Florenz im Königreich Italien und gleichzeitig in Bern in der Schweizer Eidgenossenschaft akkreditiert.
Adolf von Ow-Wachendorf starb am 17. Juni 1873 morgens, einen Tag vor seinem 55. Geburtstag, nach längerer Krankheit in München.Todesnachricht. In: Schwäbischer Merkur. Nr. 144, Ausgabe: Stuttgart / Donnerstag 19. Juni 1873, Seite 2. Er war württembergischer Kammerherr und Staatsrat mit dem Titel Exzellenz sowie Grundherr zu Hohenberg.
Ehe und Nachkommen Adolf Freiherr von Ow-Wachendorf heiratete am 25. Januar 1870 die Gräfin Therese von Preysing-Lichtenegg-Moos (* 25. Juli 1845; † 10. Oktober 1871), eine Tochter von Maximilian von Preysing, Mitglied der bayerischen Ständeversammlung.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser 1872. 45. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1872, Seite 630. Da seine Frau bereits knapp zwei Jahre nach der Hochzeit mit 26 Jahren verstarb, ging aus der Ehe nur der Sohn Maximilian (* 8. November 1870; † 23. Juni 1904) hervor.Rudolf Seigel Archive der Freiherren von Ow. Teil: Akten, Amtsbücher, Handschriften. (1356−) 1444−1994. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-17-018101-4, Seite 64.
Literatur Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1877. 27. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1877, Seite 601–608. (Digitalisat.) Edmund von der Becke-Klüchtzner: Der Adel des Königreichs Württemberg. Neu bearbeitetes Wappenbuch mit genealogischen und historischen Notizen. W. Kohlhammer, Stuttgart 1879, Seite 153–154. (Digitalisat) Hans Carl und Hans Otto Freiherren von Ow-Wachendorf: Stammbaum der Freiherren von Ow. Hagensche Hof- und Buchdruckerei, Baden-Baden 1888, Seite 10, (Digitalisat.) Wilhelm Kosch: Das katholische Deutschland. Biographisch-bibliographisches Lexikon. 2. Band: John−Rehbach. Literarisches Institut von Haas und Grabherr, Augsburg 1938, Spalte 3397ff.
Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963. Auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer. Sauer, München 2001, ISBN 978-3-598-11431-1, Seite 422–423 + 427.
Weblinks
Eintrag über Adolf Freiherr von Ow-Wachendorf in Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis von 1917 bis 1929 Eintrag über Ow, Franz Joseph Adolf in LEO-BW Eintrag über Adolf von Ow-Wachendorf in Archivportal-D Eintrag über Ow-Wachendorf, Adolf von in CERL Thesaurus
Einzelnachweise
Kategorie:Absolvent der Eberhard Karls Universität Tübingen Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Württembergischer Diplomat Kategorie:Botschafter in Österreich Kategorie:Deutscher Botschafter in der Schweiz Adolf Kategorie:Freiherr Kategorie:Kammerherr (Württemberg) Kategorie:Exzellenz (Württemberg) Kategorie:Württemberger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1818 Kategorie:Gestorben 1873 Kategorie:Mann