mini|Ansicht des Areals im Plan des Jacopo de’ Barbari um 1500 (Detail). Erkennbar ist der Palazzo Molin mit seinen beiden prägnanten Türmen. Er wurde später in den Frauenkonvent integriert. mini|Aniello Porzio und Alessandro Dalla Via: Veduta di Venezia, Radierung, 1686 mini|Cesare Fustinelli: Rilievo del complesso del Santo Sepolcro, um 1810, Museo Correr (Detail) Santo Sepolcro war ein im 15. Jahrhundert errichtetes Nonnenkloster nebst Kirche im Süden des venezianischen Sestiere Castello an der Riva degli Schiavoni. 1832 wurde die 1484 errichtete Kirche abgerissen, ein Teil des Komplexes in eine Kaserne umgewandelt.

Geschichte Die Ursprünge des Klosters reichen bis in das frühe 15. Jahrhundert zurück, als Elena Celsi, Witwe eines Patriziers namens Marco Vioni, in ihrem Testament vom 2. Januar 1409 verfügte, dass eines ihrer Häuser für Pilgerinnen, die sich auf dem Weg ins Heilige Land befanden oder von dort zurückkehrten, als Unterkunft dienen sollte. So entstand in der Gemeinde San Giovanni in Bragora ein erstes Haus dieser Art, in das Elena Celsi bereits zu Lebzeiten arme und fromme Frauen in der einen Hälfte, in der anderen Haushälfte Pilgerinnen aufnahm, die auf dem Weg nach „Palestiina“ waren.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 116. In der Nähe entstand eine Kapelle „Maria Vergine presentata al Tempio“, die nach der Vergrößerung „Santo Sepolcro“ hieß.

Von der bis dahin venezianischen Insel Negroponte flohen ab 1471 vor den Osmanen Frauen, die in das Kloster del Sepolcro, nach dem heiligen Grab in Jerusalem benannt, gingen. Unter ihnen waren Beatrice Venier (die, wie später berichtet wurde, durch eine Marienerscheinung nach Venedig gelangte) und Polissena Premarin, die sich zusammen mit vier anderen Frauen der franziskanischen Regel anschlossen und eine Zeit lang in der für Arme vorgesehenen Unterkunft wohnten, bis sie ein Kloster gründeten. Als erste hatten sich die Patrizierin Orsola Usnago, dann Maria da Canale angeschlossen.

Die Kirche entstand 1484, sie wurde (erneut) am 15. November 1582 geweiht, und zwar von Ambrogio Capizzi, den Erzbischof von Antivari und Primas der serbischen Kirche. 1493 wurde sie auf Dauer den Ordensfrauen überlassen, ab 1500 mussten sie keine Pilgerinnen mehr aufnehmen. Papst Alexander VI. erkannte am 7. September 1499 das Kloster an und gab die dauerhafte Klausur unter Leitung der Frati Minori dell’ Osservanza vor. Ab 1546 unterstanden sie dem Apostolischen Legaten, ab 1594 dem Patriarchen von Venedig. In den Jahren 1604 und 1793 zählte man 90 Nonnen.

Das gotische Häuschen links von der Klosterfassade, das von 1362 bis 1365 von der Republik an Francesco Petrarca vergeben worden war und später um zwei Stockwerke aufgestockt wurde, wurde von den Nonnen als Wohnsitz für ihre Beichtväter bestimmt. mini|Der zur Kaserne umgebaute Konvent Im Jahr 1806 wurde das Kloster unter Napoleon aufgelöst. Die 35 verbliebenen Nonnen mussten in das Kloster Santa Maria dei Miracoli umziehen. Ein Inventar der Güter des Klosterkomplexes führte 230 Gemälde, 41 gerahmte Drucke und 18 Skulpturen auf.Alvise Zorzi: Venezia scomparsa, 2. Aufl., Electa, Mailand 1984, S. 258 f.

1832 wurde die Kirche zerstört und das Kloster, das in die Kaserne Aristide Cornoldi umgewandelt worden war, ging ohne Funktionsänderung an die Österreicher, dann 1866 an das Königreich Italien.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 161, S. 101.

Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Bauwerk als Gästehaus der Armee und Offiziersclub genutzt, bis am 30. Dezember 2021 seine Schließung erfolgte.

Literatur Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 161, S. 100 f. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 116–125. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 64–66 (n. 14, n. 13 fehlt) (Digitalisat)

Weblinks

Anmerkungen

Santo Sepolcro Sepolcro Kategorie:Heilig-Grab-Kirche