Königsspringer Frankfurt war ein deutscher Schachverein aus Frankfurt am Main. Er wurde 1978 deutscher Mannschaftsmeister.

Geschichte Der Verein meldete sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den späten 1940er-Jahren beim Hessischen Schachverband an.Hans Dieter Post: Happy Birthday, Frankfurter Schachverband! auf de.chessbase.com. 28. Oktober 2024, abgerufen am 12. Mai 2026 (englisch). Zunächst war der Königsspringer FFM-Heddernheim genannte Verein im Stadtteil Heddernheim ansässig und galt als „relativ unbedeutender Vorstadtverein“. Dies änderte sich ab 1957, als der Unternehmer Kurt Hechinger dem Verein beitrat und 1958 dessen Erster Vorsitzender wurde.

Hechinger betrieb im Frankfurter Bahnhofsviertel ein Unternehmen für Druckerzeugnisse, zudem handelte er mit Porzellan. Er hatte sein Geschäft nahe des Schachcafés in der Moselstraße. Dort kam er mit Spielern von Königsspringer FFM-Heddernheim in Kontakt und trat daraufhin dem Verein bei. Hechinger selbst war kein herausragender Spieler, wurde aber als Mäzen treibende Kraft des Vereins. Unter seiner Führung wurde der Verein in Königsspringer Frankfurt umbenannt, da Hechinger mehr als einen lokalen Klub führen wollte. Hechinger investierte über viele Jahre erhebliche private Mittel in Königsspringer Frankfurt und verpflichtete zunehmend spielstarke Akteure. Da er beruflich mit Druckerzeugnissen handelte, nutzte er diese Möglichkeiten auch für die Vereinsorganisation; Mannschaftseinladungen und Mitteilungen wurden unter anderem per Postkarten verschickt, was in einer Zeit, in der nicht alle Spieler telefonisch erreichbar waren, ein praktischer Vorteil war. 1958 begann Hechinger außerdem mit der Herausgabe der Frankfurter Schachblätter, die jedoch nur kurze Zeit erschienen.

Bereits Anfang der 1960er-Jahre verdrängte Königsspringer Frankfurt die bis dahin dominierenden Frankfurter Vereine Schachfreunde und Grünweiß aus ihrer Spitzenstellung. Der Klub wurde innerhalb weniger Jahre zur führenden Kraft im Frankfurter und hessischen Schach. Dieser Aufstieg wurde zwiespältig gesehen. Hechinger wurde 1964 vom Hessischen Schachverband mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet, aber auch von anderen Vereinen angefeindet. Spieler wurden gezielt von Lokalkonkurrenten abgeworben und für Einsätze bezahlt, was in der damaligen Schachszene noch nicht selbstverständlich war. Bei der damals in einer Endrunde ausgetragenen Deutschen Mannschaftsmeisterschaft erreichte der Verein 1966 erstmals die Endrunde und belegte dort den dritten Platz. 1969 wurde die Mannschaft Vierter. Innerhalb Hessens war Königsspringer zu dieser Zeit bereits nur noch schwer zu schlagen und wurde sechsfacher hessischer Meister.

Die äußeren Bedingungen des Vereins blieben trotz des sportlichen Aufstiegs zunächst eher bescheiden. Das Vereinslokal befand sich im Umfeld des Frankfurter Bahnhofsviertel beziehungsweise des Rotlichtviertels, was insbesondere die Jugendarbeit erschwerte. Der Vereinserfolg entwickelte sich daher weniger über eine gewachsene Vereinsstruktur als über die gezielte Verpflichtung starker Spieler. Dennoch war Königsspringer im Jahr 1973 mit 131 Mitgliedern der mit Abstand größte Schachverein Hessens.

In den 1970er-Jahren etablierte sich Königsspringer Frankfurt dauerhaft in der deutschen Spitze und wurde 1971, 1973 und 1974 deutscher Vizemeister. In der ab 1974 bestehenden Schachbundesliga war die Solinger SG 1868, mit Egon Evertz ebenfalls von einem finanzstarken Mäzen gefördert, in der West-Gruppe der Hauptkonkurrent der Frankfurter, weshalb man die Qualifikation für die Endrunde 1975 und 1976 verpasste, da sich nur der Gruppensieger qualifizierte. In der Saison 1976/77 galt Königsspringer nach einer souverän gewonnenen West-Gruppe mit sieben Siegen aus sieben Wettkämpfen als Favorit auf den Titel, verlor jedoch in der Endrunde entscheidend gegen den Titelverteidiger SC 1868 Bamberg.

In der Saison 1977/78 lag Königsspringer in der West-Gruppe punkt- und brettpunktgleich gleichauf mit der Düsseldorfer SG Rochade. Ein Stichkampf zwischen den beiden Teams endete mit einem Unentschieden, allerdings qualifizierte sich Frankfurt wegen der besseren Berliner Wertung für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft in Bad Kissingen. Bei der Endrunde war der Hauptkonkurrent erneut Bamberg – im Gegensatz zu Königsspringer Frankfurt eine reine Amateurmannschaft. Beide Mannschaften gewannen ihre ersten beiden Spiele, wobei Bamberg aufgrund der mehr erzielten Brettpunkte im entscheidenden dritten Spiel ein 4:4-Unentschieden für die Meisterschaft gereicht hätte. Königsspringer gewann das Duell allerdings mit 4,5:3,5 und wurde damit deutscher Meister. Die Meistermannschaft bestand aus Bela Soos, Dieter Mohrlok, Peter Staller, Wolfram Bialas, Gerhard Fahnenschmidt, Jürgen Haakert, Hans-Joachim Clara und Eugen Kurz.

Im folgenden Jahr konnte Frankfurt den Titel nicht verteidigen und wurde durch eine Niederlage gegen die SG Porz in der Endrunde 1979 ein weiteres Mal Vizemeister, bei der Endrunde 1980 wurde Königsspringer Dritter. Mit der Einführung der eingleisigen Schachbundesliga zur Saison 1980/81 gehörte der Verein weiterhin zur deutschen Spitze und wurde 1981/82 ein weiteres Mal deutscher Vizemeister, zudem war in der 2. Schachbundesliga 1983/84 auch die zweite Mannschaft von Königsspringer vertreten.

Allerdings begann kurz darauf der schnelle Niedergang des Vereins. Mäzen Hechinger gab im Februar 1983 seinen Vereinsvorsitz wegen einer Prostatakrebserkrankung und eines Nierenleidens ab. Zwar unterstützte er den Verein als Ehrenvorsitzender weiter, allerdings stellte sich Ende des Jahres 1983 heraus, dass Hechinger zahlungsunfähig war. Daraufhin zog sich der Verein während der Saison 1983/84 vom Spielbetrieb zurück. Daraufhin zerfiel der Verein und trat auch in der folgenden Saison nicht mehr an. Königsspringer Frankfurt löste sich wenig später „stillschweigend“ auf. In der Jahresversammlung des Unterverbandes Frankfurt vom Januar 1986 wurde zu Protokoll gegeben, dass der Verein „nicht erreichbar“ sei, und daher als „ausgetreten behandelt“ werde.

Weblinks

Einzelnachweise

Frankfurt, Königsspringer Kategorie:Sportverein (Frankfurt am Main) Kategorie:Gegründet in den 1940er Jahren Kategorie:Aufgelöst in den 1980er Jahren