Auf der Eisenbahnbrücke (englischer Originaltitel After the First Death) ist ein Jugendroman des US-amerikanischen Schriftstellers Robert Cormier, der im Jahr 1979 beim Verlag Pantheon Books veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in der Übersetzung von Rudolf Herfurtner erschien 1981 beim Verlag Sauerländer.

Inhalt Ein harter, doppelbödig angelegter Thriller, der den Leser abwechselnd in die unerklärliche Qual des jungen Ben Marchand und seines Vaters eintauchen lässt, die in einem Internatszimmer aufeinander warten, und in die angespannte Lage eines entführten Schulbusses, der mit 15 als Geiseln genommenen Vorschulkindern von vier Terroristen auf eine stillgelegte Eisenbahnbrücke umgeleitet wurde. Die Kidnapper fordern die Freilassung politischer Gefangener, mehrere Millionen Dollar Lösegeld sowie die Auflösung einer geheimen Antiterror-Einheit namens Inner Delta. Sie kämpfen für die Befreiung ihres Heimatlandes, dessen konkrete Nennung in dem Buch allerdings unterbleibt.

Die Busfahrerin ist ein 17-jähriges Mädchen namens Kate, das gar nicht vor Ort sein sollte, sondern lediglich für ihren erkrankten Onkel eingesprungen ist. Mittels eines Zweitschlüssels gelingt ihr beinahe die Rettung der Kinder, doch in letzter Sekunde stirbt der Motor des bereits anfahrenden Busses ab. Ihr Bewacher ist der jugendliche Terrorist Miro, der nach mehreren bereits zuvor verübten Anschlägen endlich seine Mannwerdung erleben möchte: Durch das Begehen seines ersten Mordes. Zu den weiteren Entführern gehören Miros Mentor Artkin, der für den Jungen eine Art Vaterersatz bedeutet, der bullige Antibbe und der wortkarge Fahrer Stroll.

Schon früh stirbt eines der von den Kidnappern unter Drogen gesetzten Kinder an einer Überdosis bzw. an einem zu schwachen Herzen, und nach diesem ersten Todesfall folgen viele weitere: Drei der vier Terroristen werden erschossen; das vorsichtigste und vielversprechendste der Kinder, der kleine Raymond, der die mit Beruhigungsmitteln versetzten Süßigkeiten nicht isst, weil ihm seine Eltern Schokolade verboten haben, wird als Vergeltung für den von einem Scharfschützen voreilig erschossenen Antibbe getötet; ein Soldat kommt während der Erstürmung des Busses ums Leben; und dann, als Miro mit Kate im Chaos der Befreiungsaktion durch die Armee flüchtet, als es fast vorbei ist, versucht das Mädchen in ihrer Verzweiflung, Miros Gefühle anzusprechen, und wird daraufhin von ihm eiskalt erschossen. Wenig später bereitet sich Miro außerdem noch darauf vor, erneut zu töten, um ein Fluchtauto zu erbeuten.

Bens Tod kommt schließlich irgendwann später, durch Suizid, nachdem die Leser erfahren haben, dass er als Bote zu den Terroristen geschickt und von seinem Vater, einem für die Verhandlungen zuständigen General, dazu benutzt wurde, sein Land mit falschen Informationen zu ‚verraten‘. Einige Indizien lassen vermuten, dass der Vater auf Grund der Ereignisse letztlich als Patient in einer Nervenheilanstalt gelandet ist.

Rezeption Nicholas Tucker schreibt in seiner Buchrezension: „Cormier ist ein unerschrockener Schriftsteller mit einer Vorliebe für verstörende, schwierige Themen […] Dieser Roman, der viele Jahre vor dem 11. September 2001 entstand, bietet bedeutungsvolle Einblicke in die Gedanken und Gefühle von Terroristen.“ Die Frankfurter Rundschau schreibt: „Cormier ist ein Meister der Dramaturgie und des subtilen Seelenbilds. Er versteht es, Figuren zu skizzieren, die man nicht alleine lassen will, und einen Sog aufzubauen, dem man sich schwerlich entziehen kann.“

Referenzen Auf der Eisenbahnbrücke ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.

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