mini|hochkant|Hélène Solomon-Langevin (1945) Hélène Solomon-Langevin (* 25. Mai 1909 in Fontenay-aux-Roses, Département Seine; † 16. Januar 1995 in Sens, Département Yonne) war eine französische Widerstandskämpferin der Résistance und Politikerin der frühen Nachkriegszeit. Sie wurde 1943 von den Besatzern verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Es gelang ihr, mehrere Konzentrationslager und einen Todesmarsch zu überleben. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich wurde sie am 21. Oktober 1945 für Paris als Abgeordnete der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) in die erste Verfassungsgebende Versammlung (Ire Assemblée nationale constituante) gewählt sowie im Juni 1946 in die IIe Assemblée nationale constituante. Sie gehört zu den ersten 33 Frauen, die in Frankreich in die Nationalversammlung gewählt wurden.

Biographie

Frühe Jahre Hélène Langevin wurde am 25. Mai 1909 in Fontenay-aux-Roses geboren. Ihre Eltern waren der Physiker Paul Langevin und dessen Ehefrau Jeanne Desfosses. Diese hatten noch drei ältere Kinder, Jean Théodore, André Jacques und Madeleine Marie. Langevin verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Paris. Sie besuchte erst die Gemeindeschule in der Rue Monge und wechselte später auf das Lycée Fénelon, wo sie ihre Schulausbildung mit dem Diplôme de fin d’études secondaires beendete (ein der deutschen Hochschulreife vergleichbarer Abschluss).

An der Universität bereitete sie sich auf das Certificat d’études physiques, chimiques et naturelles (PCN) vor, das zum Medizinstudium berechtigte. Noch während ihrer Studienzeit heiratete sie am 24. Juli 1929 den Medizinstudenten Jacques Iser Solomon. Sie brach ihre Ausbildung ab und bereiste stattdessen während mehrerer Jahre fremde Länder. Schließlich erwarb sie die Berechtigung, als Kindergärtnerin zu arbeiten (Diplôme de responsable de Jardinière d’enfants).

Vorkriegszeit 1935 trat sie, ein Jahr nach ihrem Ehemann, in die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF) ein, in der sie sehr aktiv war. Von 1937 bis 1939 war Solomon-Langevin Sekretärin (Anmerkung: Sekretärin im Sinne einer leitenden Position wie in „Staatssekretärin“ und nicht im Sinne einer Schreibkraft im Büro) des französischen Zweigs des „Weltfrauenkomitees gegen Krieg und Faschismus“, das damals von Gabrielle Duchêne geführt wurde. Auch für die Herausgabe der Zeitschrift des Komitees, Femmes, übernahm sie eine bedeutende Rolle. Solomon-Langevin gründete die Vereinigung „Volontaires de santé et d’assistance“ (VSA), deren Ziel es war, Frauen fundierte Kenntnisse in allgemeiner Hygiene und Krankenpflege zu vermitteln. Die dafür nötigen Kurse wurden von Ärzten ehrenamtlich gehalten. Die VSA wurden Ende 1939 von der Regierung Daladier aufgelöst.

Résistance Im Herbst 1940 begannen Hélène Solomon-Langevin und ihr Ehemann, an Aktionen des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung teilzunehmen. Sie sorgte als Verbindungsfrau für den logistischen Ablauf eines universitären Netzwerks, wirkte aktiv an der Verbreitung von Untergrundzeitschriften mit und sorgte so für den Zusammenhalt der studentischen Widerstandsbewegung. Solomon-Langevin beteiligte sich von Beginn an aktiv an der Redaktion und Verbreitung der Untergrundzeitschrift L’Université libre, die von der PCF gegründet wurde und sich speziell an Akademiker und Lehrkräfte richtete. Die erste Nummer der Zeitschrift erschien im November 1940. Sie war auch seit der Gründung des „Front national de lutte pour la libération et l’indépendance de la France“ (Nationale Front des Kampfes für die Befreiung und Unabhängigkeit Frankreichs) am 15. Mai 1941 Mitglied dieser Vereinigung.

Verhaftung und Deportation Jacques Solomon, ihr Ehemann, wurde am 1. März 1942 im Zuge der Verhaftung von Georges Politzer festgenommen, ebenso wie weitere Mitglieder des Widerstandsnetzwerks. Hélène Solomon-Langevin selbst wurde tags darauf am Bahnhof Paris-Saint-Lazare verhaftet, wo sie einen Koffer abholte, den sie dort für den Fall einer schnellen Flucht deponiert hatte. Die Zeit vom 23. März bis zum 24. August 1942 verbrachte sie in Isolationshaft im Gefängnis La Santé. Hier konnte sie sich noch von Jacques Solomon verabschieden, der am 23. Mai 1942 hingerichtet wurde. Am 24. August wurde sie in das KZ Fort de Romainville verlegt, das in der Gemeinde Les Lilas lag. Am 22. Januar 1943 erfolgte ihr Weitertransport in das KZ Royallieu bei Compiègne, von wo aus sie zusammen mit 230 Frauen und 1450 Männern am 24. Januar 1943 mit dem Transport der sogenannten „31.000er“ in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, das sie am Abend des 26. Januars erreichten. In diesem Transport wurden weitere politische Gefangene deportiert, unter anderem Marie-Claude Vaillant-Couturier, Charlotte Delbo, Danielle Casanova und Maï Politzer. In Auschwitz angekommen bekam Solomon-Langevin am 27. Januar die Häftlingsnummer 31 684 in den linken Unterarm tätowiert.

Zwangsarbeit Anfang Februar 1943 wurde während des morgendlichen Appells gefragt, ob sich unter den „31.000er“ Biologen oder Chemiker befänden. Solomon-Langevin meldete sich, ebenso wie vier weitere Personen. Sie sollte daraufhin in das Außenlager Raisko verlegt und dem im Aufbau befindlichen Kommando „Pflanzenselektion“ zugeteilt werden. Raisko war ein Frauenlager, in dem Chemikerinnen, Botanikerinnen und Biologinnen u. a. aus Russischem Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz) Latex gewannen (siehe auch Pflanzenversuchsstation im KZ Auschwitz). Da die ihr zugewiesenen Laborgebäude im Lagers Raisko erst im Juli 1943 fertiggestellt waren, wurde sie mit drei weiteren Deportierten ihres Transports am 21. März 1943 von Auschwitz-Birkenau vorübergehend in einem Stabsgebäude bei dem Stammlager Auschwitz I untergebracht. In diesem Gebäude waren die Lebensbedingungen der Häftlinge nicht ganz so schwer. So gab es beispielsweise Waschgelegenheiten und die Appelle dauerten nur wenige Minuten. Auch im Außenlager Raisko waren ihre Arbeits- und Lebensbedingungen erträglicher. Es gab Einzelbetten und die Luft war besser, da die Krematorien der Vernichtungslager weiter entfernt lagen. Die Zwangsarbeiterinnen konnten auch Pakete empfangen und Briefe schreiben. Hélène Solomon-Langevin blieb bis zum 14. August 1944 in Raisko und wurde dann zusammen mit den anderen Deportierten der „31.000er“ in das Frauenlager KZ Ravensbrück gebracht, wo sie am 16. August ankam. Von dort aus wurde sie im Oktober 1944 nach Berlin verlegt, wo sie bis zum 18. April 1945 als Krankenschwester in den Werken der Firma Bosch arbeitete. Um den fortlaufenden Bombenangriffen auf Berlin zu entgehen, wurden die Häftlinge in das KZ Sachsenhausen verlegt, das schon wenige Tage später evakuiert wurde. Für die Häftlinge begann der Todesmarsch nach Norden durch einen sich immer weiter verengenden Korridor zwischen der russischen Front im Osten und der alliierten Front im Westen. Die Gefangenen legten täglich etwa zehn Kilometer zurück, wobei die Toten in den Gräben und auf den Straßen zurückgelassen wurden. Am 3. Mai setzten sich die Wachsoldaten des Gefangenenzugs ab. Solomon-Langevin und eine kleine Gruppe französischer Frauen stießen schließlich auf französische Soldaten, die sich ihrer annahmen. Am 15. Mai 1945 erreichte Hélène Solomon-Langevin den Pariser Bahnhof Gare du Nord, wo ihre Eltern sie erwarteten.

Nachkriegszeit Hélène Solomon-Langevin fiel es nach ihrer Befreiung schwer, sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Sie wollte arbeiten, ihr Studium wieder aufnehmen und ihr politisches Engagement fortsetzen. Nachdem in Frankreich das Wahlrecht für Frauen von der provisorischen Regierung 1944 eingeführt worden war, konnten diese 1945 zum ersten Mal wählen und gewählt werden. Am 21. Oktober 1945 wurde Solomon-Langevin als Abgeordnete der PCF für Paris in die „Erste Verfassungsgebende Nationalversammlung“ (Ire Assemblée nationale constituante) gewählt. Sie gehörte zu den ersten 33 Frauen, die in die französische Nationalversammlung gewählt wurden. Nach Auflösung der ersten Nationalversammlung wurde sie am 2. Juni 1946 auch in die „Zweite Verfassungsgebende Nationalversammlung“ gewählt (IIe Assemblée nationale constituante), die zur Gründung der Vierten Republik führen sollte.

Auf Grund ihrer schlechten Gesundheit verzichtete sie auf eine Kandidatur bei den Parlamentswahlen im November 1946. Die Nachtsitzungen in der Nationalversammlung erschöpften sie zu sehr und sie brauchte Zeit, um sich zu erholen. Erst 1948 war sie gesundheitlich wieder in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen; sie arbeitete halbtags als Bibliothekarin im Dokumentationszentrum des CNRS. Es dauerte bis 1958, bis sie wieder in Vollzeit arbeiten konnte.

Am 13. Dezember 1947 sagte Solomon-Langevin im Krakauer Auschwitzprozess aus, in dem gegen vierzig Aufseher des KZ Auschwitz verhandelt wurde. Unter den Angeklagten befand sich Maria Mandl.

Am 29. Oktober 1958 heiratete sie den Chefredakteur der Zeitschrift La Pensée und Inhaber des Lehrstuhls für englische Literatur an der Sorbonne, André Parreaux. Da Hélène Parreaux-Langevin infolge ihrer Haft unfruchtbar geworden war, adoptierte das Ehepaar ein junges Mädchen (geboren 1946), das 1996 starb. 1965 erklärte Parreaux-Langevin in einem Interview, das Charlotte Delbo führte (Delbo wurde 1943 im selben Transport wie Solomon-Langevin deportiert), dass sie als Folge der Deportation immer noch und immer mehr unter starker Asthenie, großer Erschöpfung, Arthrose im Hals- und Lendenwirbelbereich sowie unter Osteoporose leide. Sie starb am 16. Januar 1995 in Sens.

Siehe auch

Frauen in der Résistance

Weblinks

Hélène Solomon im Nachlass von Paul Langevin, verfügbar: Université Paris Sciences et Lettres. Hélène Solomon-Langevins Zeugenaussage im Krakauer Auschwitzprozess (französische Übersetzung)

Einzelnachweise

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