Karl Wilhelm Adolf Kiefer (* 29. März 1892 in Berlin; † 2. März 1946 ebendort) war ein deutscher Journalist. Er wurde vor allem als ein führender Mitarbeiter der nationalsozialistischen Tageszeitung Der Angriff während der Jahre 1929 bis 1931 bekannt.

Leben und Tätigkeit Kiefer war ein Sohn des Kaufmanns Robert Fritz Emil Kiefer und seiner Ehefrau Marie Luise Agnes Elise, geb. Huth.

In den 1920er Jahren war Kiefer als Manager im Bereich des Amateurboxsportes tätig. Er wurde schließlich wegen Unterschlagung lebenslänglich aus den Verbänden der Amateurboxer ausgeschlossen. Laut Presseartikeln von 1931 soll er auch sonst Unterschlagungen begangen und Schecks gefälscht haben: So soll er bei einem Boxkampf in Breslau versucht haben, mit einem Scheck, der die gefälschte Unterschrift der Zirkusdirektorin Paula Busch trug, einen Berliner Finanzier zu betrügen. Schließlich soll er mehrere Sportler um größere Summen geschädigt haben, wofür ihm einer der Betroffenen einige Zähne ausgeschlagen haben soll.Verbrecherkumpan Goebbels, in: Klassenkampf vom 13. Februar 1929

Angeblich legte der Boxer Hans Breitensträter Joseph Goebbels Beweismaterial hierfür 1930/1931 im Reichstagsgebäude vor. Die KPD-Presse nannte ihn aufgrund seiner Vergangenheit später einen „Betrüger, Defraudant und Urkundenfälscher“.

Ab 1929 war Kiefer Redakteur mit Zuständigkeit für das Ressort Politik bei der Tageszeitung Der Angriff, dem Kampfblatt der Berliner NSDAP. Während dieser Zeit war er ein besonderer Protegé des Gauleiters der NSDAP in Berlin und Herausgebers des Angriffs, Joseph Goebbels. Dieser ließ ihn beispielsweise die Programmerklärung An das Nationalsozialistische Deutschland! Proklamation der Nationalsozialisten, der Reichstag zerschlagen verantwortlich zeichnen.

Zum 1. Oktober 1930 trat Kiefer der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 335.053).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20010941

Am 1. April 1931 unterstützte Kiefer, nach der gewaltsamen Besetzung des Berliner Gauhauses (in dem sich auch die Redaktionsräume des Angriff befanden) durch die gegen die politische Führung der NSDAP und ihren politischen Kurs bzw. ihre politische Strategie revoltierende Berliner SA (sogenannte 2. Stennes-Revolte) die Sache der Rebellen. Er half ihnen, den Angriff unter ihre Kontrolle zu bringen und die Ausgabe vom 2. April 1931 zu redigieren, die dementsprechend nicht auf der Linie der Parteiführer, sondern auf der der Rebellen, lag und von Walther Stennes, anstatt Goebbels, herausgegeben wurde. Daraufhin wurde Kiefer von Goebbels aus seinem Angestelltenverhältnis beim Angriff-Verlag entlassen und vom Obersten Parteigericht der NSDAP aus der Partei ausgeschlossen.

Von 1931 bis 1933 war Kiefer dann bei dem von Stennes begründeten Wehrwart-Verlag angestellt, der ein Stennes herausgegebenes Montagsblatt herausgab. Einem Spitzelbericht, der 1933 an die Reichskanzlei ging, zufolge soll er während dieser Jahres oft Zeitungsartikel von Stennes in die KPD-Presse lanciert haben, deren Ursprung nicht bekannt werden durfte. Später soll er Redakteur der Zeitung Die Wahrheit gewesen sein.

In den folgenden Jahren lebte er als Kaufmann in Berlin.

Kiefer starb Anfang 1946 im Krankenhaus in der Spandauer Chaussee 1 in Berlin-Charlottenburg an Gelbsucht.

Ehe und Familie Kiefer heiratete in erster Ehe am 3. September 1913. Er ehelichte die Frieda Minna Berta Holtz (* 1887). Diese Ehe wurde 1920 geschieden.

In zweiter Ehe heiratete Kiefer am 28. Januar 1922 Elisabeth Erlacher (* 1902).

Literatur Verbrecherkumpan Goebbels. Exboxmeisters Breitensträter verlorene Illusionen. Früher Urkundenfälscher - jetzt Angriff-Redakteur, in: Klassenkampf. Kommunistisches Organ für den Bezirk Halle-Merseburg vom 13. Februar 1931. Rauhe Kämpfer. Eine Wochenbilanz der NSDAP, in: Ingolstädter Volksblatt vom 21. Mai 1931.

Einzelnachweise

Kategorie:Person der NS-Propaganda Kategorie:Journalist (Deutsches Reich) Kategorie:Zeitungsjournalist Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1946 Kategorie:Mann