Angel Falls ist ein Musikalbum von Sylvie Courvoisier und Wadada Leo Smith. Die am 12. Oktober 2024 im Studio Oktaven Audio, Mount Vernon, New York, entstandenen Aufnahmen erschienen am 3. Oktober 2025 auf Intakt Records.

Hintergrund Der Trompeter Wadada Leo Smith schreibt seine Musik nicht als „Jazz“, sondern als „Creative Music“; außerdem lehnt er den Begriff „Improvisation“ zugunsten von „Creation“ ab, notiert Jack Jenny. Diese spezifische Wortwahl würde seinen einzigartigen Ansatz widerspiegeln, der tief in seinen frühen Erfahrungen mit Blues und Rhythm & Blues verwurzelt sei. Die Zusammenarbeit zwischen Smith und Courvoisier ging Smiths langjährige Zusammenarbeit mit verschiedenen Pianisten, darunter Vijay Iyer, John Tilbury, Angelica Sanchez und Amina Claudine Myers voraus. Ihre musikalische Partnerschaft begann 2017 bei einem von John Zorn organisierten Konzert. Smith war anschließend so beeindruckt, dass sie wenige Monate später in New Haven eine gemeinsame Aufnahme mit Schlagzeuger Marcus Gilmore machten, die allerdings bis dato unveröffentlicht blieb. Seit dieser ersten Begegnung haben sie regelmäßig in verschiedenen Formaten zusammengearbeitet, darunter in Trios und einem größeren Smith-Ensemble mit zwei Klavieren. Die Idee zu ihrem Duett-Album kam von Courvoisier, die vorschlug, auf Noten zu verzichten.

Die Aufnahmen für das Album haben nach ihren Angaben nicht länger als unbedingt erforderlich gedauert. „Wir haben“, sagt Sylvie Courvoisier, „beide keine Note zu viel gespielt“. Sie haben im Studio genau die Menge Musik in genau der Reihenfolge gespielt, wie sie sich nun auf dem Album findet. Anschließend haben sie beiden Musiker die Aufnahme abgemischt und dabei keine weiteren Änderungen vorgenommen. Am Tag danach haben sie die Titel für die Stücke gefunden und festgelegt. „Angel Falls“, zugleich der Titel des Albums und des längsten Stücks darauf, ist nach Angaben von Courvoisier der Name eines Wasserfalls. Allerdings sei der Titel nicht geografisch gemeint, sondern poetisch, eher metaphorisch.

Titelliste Sylvie Courvoisier / Wadada Leo Smith: Angel Falls (Intakt Records – Intakt CD 444) Olo’upnea And Lightning 8:36 Naomi Peak 6:21 Whispering Images 5:50 A Line Through Time 7:30 Vireo Bellii 8:53 Angel Falls 10:44 Sonic Utterance 4:33 Kairos 6:50

Die Kompositionen stammen von Sylvie Courvoisier und Wadada Leo Smith.

Rezeption mini|Wadada Leo Smith (2008) Nach Ansicht von Jack Jenny, der das Album in All About Jazz rezensierte, nutzt Smith die gesamte Bandbreite seines Instruments und spielt in seinem eigenen Tempo, mit einem tiefen Verständnis für die Kraft von Stille und Raum. Für ihn sei der Raum genauso wichtig wie die Töne selbst, da er die Resonanz jedes Klangs nachklingen lasse. Seine Phrasierung und seine melodischen Ideen trügen die emotionale und spirituelle Tiefe des Blues in sich und zeugten von seinem musikalischen Erbe. Sein Stil sei eine Synthese vielfältiger Einflüsse, darunter afroamerikanische, indianische und globale Musiktraditionen, die alle zu seinem einzigartigen kulturellen und politischen Bewusstsein beitragen. Die Musik auf dem Album habe ihre eigene Kraft; es sei gehaltvolle Musik.

Es sei das Duo-Format, das Smith liebe und zu dem er immer wieder zurückkehre, und das Ergebnis seien acht Titel von atemberaubender Unmittelbarkeit, die das Gefühl vermitteln, als würde die Klangarchitektur neu entdeckt, meint Simon Adams im Jazz Journal. Das Gefühl der Unmittelbarkeit würde jedes einzelne der acht Stücke durchziehen, die alle ihren Titel erhielten, während man sich gemeinsam die Aufnahme anhörte. Durchweg spiele Smith elegant und selten gehetzt, mit kontrollierter Emotion, sei es in verkündenden Fanfaren oder subtileren Passagen, manchmal mit offenem Horn, oft gedämpft. Courvoisier klinge durchweg einfallsreich und unberechenbar und liefere sowohl dröhnendes Pianorollen als auch einen Hauch von Boogie-Woogie, perkussive Zwischenspiele und romantische Passagen. Sie würde ein kindliches Staunen in die Musik einbringen, „eine freudige und spontane Unmittelbarkeit des Schaffens, in Echtzeit“. Zusammen klängen beide großartig und ergänzten sich, ohne zu begleiten, anzugeben oder sich in Szene zu setzen.

Jacek Brun (jazz-fun.de) meinte in seiner Besprechung von Angel Falls, dass die beiden Musiker zusammen einen Klangraum erschaffen hätten, der zugleich meditativ und eruptiv sei. Die Improvisationen entstünden aus einem fast telepathischen Verständnis füreinander – jeder Ton, jede Pause, jedes Atemholen scheine Teil einer größeren, ungeschriebenen Partitur zu sein. Zwischen melodischer Schönheit und frei fließenden Kaskaden entfalte sich dabei eine tiefe, fast rituelle Energie. Das Ergebnis sei ein „Werk von seltener Intensität – spirituell, kompromisslos, voller innerer Logik und emotionaler Klarheit. Eine Begegnung zweier Meister, die mit ihrer Musik nicht nur kommunizieren, sondern philosophieren. Unbedingt hörenswert.“

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Einzelnachweise

Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2025 Kategorie:Wadada Leo Smith