Der Sohn, der seinen Vater verschonte ist ein Märchen der Yoruba (AaTh 981: Altentötung) aus Nigeria.Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 37–39, 288.
Handlung Einem mächtigen König ist der Rat der Alten überdrüssig. Er kann deren Geschwätz nicht mehr ertragen und will tun, wonach ihm der Sinn steht. Also ruft er einige ehrgeizige junge Männer zusammen und verspricht ihnen Häuptlingstitel, wenn sie denn ihre Väter töten würden. Sie kommen der Aufforderung nach; nur einer bringt es nicht übers Herz, seinen Vater zu töten, also versteckt er ihn in einer abgelegenen Feldhütte. Der König merkt recht schnell, dass sich die jungen Männer noch mehr in seine Angelegenheiten einmischen, als die alten es zuvor getan hatten, also beschließt er auch sie loszuwerden. Dafür versammelt er sie und gibt ihnen auf, so wie jeder König es tun sollte, einen Anbau für den Palast zu bauen, jedoch müsse dieser von oben nach unten gebaut werden. Zudem verkündet er, dass ein jeder sich an dem Bau beteiligen müsse, sonst würde er getötet werden.
Die jungen Männer erschrecken. Derjenige aber, der seinen Vater nicht getötet hatte, geht zu diesem, holt sich Rat und tritt dem König am nächsten Tag aufrecht entgegen, wobei er meint, dass sie seinem Wunsch nachkommen werden, er aber den Grundstein legen müsse. Der von dieser Weisheit überraschte König lässt sich daraufhin von dem jungen Mann erzählen, dass er seinen Vater nicht getötet hatte. Also lässt er den Alten rufen und macht ihn zu seinem Baschorun, dem ersten Minister.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Bakare Gbadamosis und Ulli Beiers Not even God is Ripe enough (London 1968, S. 51 ff.) und erhielt in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Der Sohn, der seinen Vater verschonte. Eine Variante des Märchens in Richard M. Dorsons African Folklore (Bloomington, Ind. 1972, S. 403 f.), die von den Wala in Ghana stammt, erzählt von einem König, der nach dem süßesten und bittersten Teil einer Kuh verlangt, woraufhin der verschonte Vater zur Zunge rät. Verglichen werden kann zudem François Joseph Amon d’Abys La mare aux crocodiles (Abidjan / Dakar 1973, S. 26 ff.).
Literatur Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 37–39, 288.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Nigeria) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen