mini|hochkant|Jakob Hinrichs 2017 bei der 35. Saló Internacional del Còmic de Barcelona Jakob Hinrichs (* 1977 in Saarbrücken) ist ein deutscher Grafiker, Illustrator und Autor von Graphic Novels.
Leben Jakob Hinrichs wuchs in Saarbrücken auf und zog 1998 zum Studium nach Berlin.Tobias Kessler: „Das Papier muss man riechen können“, Saarbrücker Zeitung vom 26. April 2018 Wollte Jakob Hinrichs als Kind Naturwissenschaftler werden, ließ ihn sein Interesse an Pop-Kultur und Design die künstlerische Laufbahn einschlagen. Er studierte an der Universidad del País Vasco in Bilbao und an der Universität der Künste Berlin (UdK).Jakob Hinrichs in der Lambirk Comiclopedia Er schloss 2004 in Berlin ab. Er lebt und arbeitet seither als selbstständiger Illustrator in Berlin.“About me” auf der Homepage von Jakob Hinrichs Daneben gibt er Kurse und Workshops an Hochschulen wie der University of the West of England, der Hochschule Mainz und seiner Alma Mater, der UdK Berlin.
Werk Zu Jakob Hinrichs’ künstlerischen Einflüssen zählen Tomi Ungerer, John Heartfield, Marie Marcks, Niki de Saint Phalle, Otto Dix, Georg Grosz und andere Künstler der Neuen Sachlichkeit.
Illustrator Illustrationen von ihm wurden im deutschsprachigen Raum unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, Neuen Zürcher Zeitung, DAS Magazin des Tagesanzeigers, und bei Neon, sowie international in der New York Times, The New York Times Book Review, The Guardian, der Washington Post, The Boston Globe Magazine, der Bloomberg Businessweek, dem Wall Street Journal, Reader’s Digest und L’Express veröffentlicht.
Zu Boris Preckwitz's 2014er Übersetzung des Langgedichts Der fliegende Proletarier von Wladimir Majakowski steuerte Hinrichs die Illustrationen bei.Birgit Veit: Aufgepeppt und abgewürgt, Neue Zürcher Zeitung vom 26. Februar 2015 Die Stiftung Buchkunst zeichnete 2015 den Fliegenden Proletarier als Teil eines Triptychons von vergessenen, verschollenen oder versteckten Manuskripten als eines der schönsten deutschen Bücher aus. Zu Hinrichs’ Illustrationen merkte die Stiftung an:
Er überarbeitete und illustrierte eine Neuauflage von Paul Lindenbergs 1887 erstmals veröffentlichten Berliner geflügelte Worte, die 2022 im Verlag Favoritenpresse unter dem Titel Ick hau‘ Dir uff’n Kopp bis de Läuse piepen! erschien. Claudia Gerdes: Amüsantes Berlin-Buch der besonderen Art, page-online.de vom 21. Januar 2022 Er illustrierte auch Björn Kuhligks 2024 bei Favoritenpresse erschienene Berlin-Beschimpfung. Hierbei illustrierte Jakob Hinrichs nicht passiv, sondern seine Grafiken „funktionieren als Zwischenspiele, die wie kleine, aus Papier gefaltete Schiffchen auf dem Textfluss treiben und jeweils eigene Geschichten erzählen“ – so Heinrich Dubbel in der taz.Heinrich Dubel: Björn Kuhligks Buch über Berlin: Er kennt und liebt die Stadt, taz vom 21. Juni 2024 Der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die Stiftung Buchkunst nahmen Berlin-Beschimpfung in die Shortlist für das schönste Regionalbuch 2024 auf.deutschlands schönstes regionalbuch 2024, Stiftung Buchkunst Auch das Logo des Verlags Favoritenpresse hat Hinrichs entworfen.Nils Kahlefendt: Wie geht es den Favoriten?, Börsenblatt vom 29. August 2023
Graphic Novels Andreas Platthaus nannte Jakob Hinrichs 2016 einen der „begabtesten und eigensinnigsten deutschen Comicerzähler“.Andreas Platthaus: O, Fallada, der du da prangest, FAZ.net Blog vom 22. Februar 2016 Als Comic-Zeichner liegt der Schwerpunkt seines Schaffens in der visuellen Adaption literarischer Werke.
Er veröffentlichte 2012 eine Version der Traumnovelle von Arthur Schnitzler bei der Edition Guttenberg. Er begriff dabei die Graphic Novel nicht als Nacherzählung, sondern als künstlerische Interpretation. Hinrichs löste die Erzählung aus den 1920er-Jahren heraus und übertrug sie in eine zeitlose Gegenwart. Außerdem stellte er die Personen nicht naturalistisch dar, sondern ließ sie Metamorphosen durchleben. Der von ihm gewählte gestalterische Ansatz war, eine knallig-bunte Comicästhetik zu erschaffen, in der Traum und Realität ineinander übergehen sollten.Lukas Meyer-Marsilius: Mit der Galeere von Traum zu Traum, Tages-Anzeiger vom 13. November 2012 Hinrichs’ Verarbeitung der Novelle erzähle, so Andreas Platthaus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „metaphorisch und elliptisch, setzt also um und lässt aus, führt seine Figuren im Zickzack über die Seiten und nimmt damit ein bestimmendes Element von Schnitzlers Novelle kongenial auf: die Verunsicherung. Nur dass Bilder eben viel mehr verunsichern als ein ach so ordentlich gesetzter Text.“ Andreas Platthaus: „Traumnovelle“ als Albtraum-Graphic-Novel, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. November 2012 Das Werk wurde 2013 ins Spanische und 2014 ins Französische übersetzt. Hinrichs’ Traumnovelle wurde 2018 auch in thailändischer Sprache veröffentlicht.Prabda Yoon: เรื่องฝัน (TRAUMNOVELLE), prabdayoon.net vom 1. November 2018
Seine Arbeit zu Hans Falladas Werk Der Trinker war einer der letzten 2015 beim Verlag Metrolit veröffentlichten Titel.Christian Enders: „Der Trinker“ – Hochprozentiges von Hans Fallada, comic.de vom 11. November 2015 Das wirtschaftliche Ende von Metrolit führte dazu, dass dieses Werk zunächst rasch wieder vom Buchmarkt verschwand, ehe es 2016 als Lizenzausgabe beim neugegründeten Verlag Walde + Graf neu herausgegeben wurde. Hinrichs verband im Trinker Biografisches wie etwa den Schuss Falladas auf seine Ehefrau mit dem Werk und anderen weniger bekannten Arbeiten Falladas wie dessen Nachruf auf e.o. plauen. Diese Verbindung von Leben und Werk war nach Ansicht von Andreas Platthaus so gelungen, dass die Behandlung in Universitätsseminaren gerechtfertigt wäre, würde die Literaturform Comic dort nicht noch immer auf Voreingenommenheit stoßen. Nach Christian Endres handelt es sich um „eine inhaltliche und optische Collage aus Literatur-Adaption, Künstler-Biografie und zeitgeschichtlicher Dokumentation, festgehalten in surrealistischen Formen und Bildern, auf die man sich einlassen muss“. Der Trinker wurde 2016 wegen der variantenreichen Farbkomposition, dem Druck mit vier Sonderfarben, dem spannungsreichen Wechsel bei der Struktur und dem Lettering durch die Stiftung Buchkunst als eines der schönsten Deutsches Bücher in der Sparte Belletristik ausgezeichnet.Stefan Hauck: Fünf "Schönste deutsche Bücher" – Bücher zum Schwelgen, Börsenblatt vom 25. Mai 2016 Die französische Übersetzung Hans Fallada – La vie et mort du buveur wurde 2016 bei der französischen Comic-Messe Festival international de la bande dessinée d'Angoulême in die Kandidatenliste für Auszeichnungen aufgenommen.La sélection officielle Angoulême 2016, comixtrip.fr, 2016 (französisch)
Seine Adaption von Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür (2018) verband laut Tobias Kessler „den unverändert gelassenen Text eindrücklich mit dem groben Strich, der eigenwilligen Farbgebung und den verzerrten Perspektiven der Bilder“. Die Grafik verströme dabei „eine Atmosphäre des Beklemmenden, des Bedrohlichen“.
Er entwickelte 2022 im Auftrag seiner Geburtsstadt zusammen mit Julia Pierzina den Webcomic Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche. Darin werden als Teil der Erinnerungskultur die Schicksale zweier jüdischer Saarbrücker während der Zeit des Nationalsozialismus exemplarisch nachgezeichnet, um auch jüngere Generationen zu erreichen.Silvia Buss: Wie die Stadt Saarbrücken Jugendlichen mit einem Webcomic den Holocaust vermitteln will, Saarbrücker Zeitung vom 16. September 2022
Er wurde 2024 für die Traumnovelle, den Trinker und Draußen vor der Tür mit dem Hans Meid Preis der Hans-Meid-Stiftung ausgezeichnet und teilte sich den Preis mit Petra Schuppenhauer, die für ihre Holzschnitte ausgezeichnet wurde.Hans Meid Hauptpreis 2024, hans-meid-stiftung.de
Ausstellungen Einzelausstellungen 2016: Her mit dem Himmel, im Rahmen des Comic Symposium 2016 der Hochschule der Bildenden Künste SaarJakob Hinrichs – Her mit dem Himmel, HBKSaar 2017: Von Trinkern und Träumern, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Standort Dieselkraftwerk in CottbusDieselkraftwerk Cottbus: Von Trinkern und Träumern, niederlausitz-aktuell.de vom 7. September 2017
Ausstellungsbeteiligungen 2017: Recontres du 9e art, Aix-en-ProvenceAix 2017 : l’expo Jakob Hinrichs, bodoi.info vom 10. April 2017 2019: Die Comic-Kunst des Erzählens. Literatur als Graphic Novel, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf"Die Comic-Kunst des Erzählens. Literatur als Graphic Novel", duesseldorf.de vom 31. Mai 2019 2021: Die Revolte der Maschinen Revisited 21|21, Pingusson-Gebäude, SaarbrückenDie Revolte der Maschinen Revisited 21|21, www.die-Revolte.art 2024: Recontres du 9e art, Aix-en-ProvenceArtistes invité.E.S., bd-aix.com 2025: Berlin im Siebdruck, Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg, BerlinBerlin im Siebdruck – Ausstellung in der Galerie Neurotitan, tip-berlin.de vom 25. Februar 2025 2025: Neon Schatten Überschall, Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg, BerlinNeon Schatten Überschall, art-in-berlin.de
Weblinks
Webpräsenz von Jakob Hinrichs
Einzelnachweise
Kategorie:Comic-Zeichner (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Berlin) Kategorie:Illustrator (Deutschland) Kategorie:Absolvent der Universität der Künste Berlin Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1977 Kategorie:Mann