Der Jäger und seine getreuen Hunde ist ein Märchen der Dan aus Liberia.Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 20–23, 287.
Handlung Der Jäger Dea ist ein berühmter Bogenschütze, der auf der Jagd stets seine vier Hunde dabei hat und am liebsten Affen erlegt. Einmal entdeckt er eine Dianameerkatze auf einem Babaum und schießt sie mit einem Pfeil an, doch sie fällt nicht zu Boden. Da erklimmt er den Babaum mittels einer Kroliane, deren Wurzeln den Stamm des Baums umwachsen. Oben angekommen erlegt er zwei weitere Affen und wirft sie zu Boden. Der angeschossene Affe aber klammert sich an die Kroliane, also nimmt Dea sein Buschmesser, um ihn zu töten. Jedoch trifft er die Liane, die daraufhin zerreißt, wodurch er nicht mehr hinabsteigen kann und auf dem Baum gefangen ist. Die Hunde Deas beratschlagen sich daraufhin und rufen zu ihrem Herrn empor, dass sie ihm helfen werden und er dann die Sprache aller Tiere verstehen könne, verriete er dieses Geheimnis aber jemanden, so würde er sterben. Danach bringen sie viel Laub und als Dea in dieses hineinspringt, versteht er die Sprache aller Tiere.
Zurück in seinem Dorf ist der Vater seines Freundes gestorben und Dea hört eine Fliege, als diese meint, was für ein Glück sie hätte, einen so großen Leichnam zum Vergnügen zu bekommen. Dea muss darüber lachen, also verdächtigen die Leute ihn, den Alten ermordet zu haben und da sie ihn töten wollen, verrät er sein Geheimnis, woraufhin er stirbt.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Eberhard Fischers Erzählgut der westlichen Dan in Liberia (Anthropos, 62, 5–6, 1967, S. 720 f.) und trägt in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Der Jäger und seine getreuen Hunde. Aufgenommen wurde es 1960 nach dem Weber Sã aus dem Dorf Njor Diaple. Das Motiv der Tiersprache, die von einem Jäger verstanden wird, was bei Todesandrohung nicht verraten werden darf, ist nach Schild in Westafrika häufig anzutreffen. Dazu verglichen werden kann für die Mano Etta Becker-Donners Die Sprache der Mano (Wien 1965, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Phil.-Hist, Kl., 245/5, S. 164). In einer kongolesischen Nande-Variante wird die Frau eines Mannes wütend, da er ihre einäugige Mutter vermeintlich ausgelacht hatte. Eigentlich hatte er aber nur über die Hühner gelacht, die die blinde Seite der Mutter ausnutzen wollten, um an Erdnüsse zu gelangen. Auch diese Geschichte endet tödlich. Die Variante stammt aus Kambale Kavutirwakis Contes folkloriques nande (Musée Royal de l’Afrique Centrale, Nr. 22, Tervuren 1973, Band 1, Nr. 51) und erhielt in Almut Seiler-Dietrichs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu (Düsseldorf / Köln 1980) den Titel Der Mann, der die Tiersprache verstand.Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 169–172, 280.
Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958) wurde das Märchen den Motiven B 216: Der tiersprachenkundige Mann + C 425: Verbot, über die Kenntnis der Tiersprache zu sprechen zugeordnet. Verglichen werden kann Der Jäger und die Schlange.
Weblinks Der Jäger und seine getreuen Hunde auf hekaya.de
Literatur Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 20–23, 287. Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 169–172, 280.
Einzelnachweise
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