mini|Charlotte Payne-Townshend, 1932 mini|Charlotte und George Bernard Shaw (in der Mitte sitzend) mit Sidney und Beatrice Webb (links und rechts), 1932 Charlotte Frances Payne-Townshend Shaw (* 20. Januar 1857 in Rosscarbery, County Cork; † 12. September 1943 in Ayot Saint Lawrence, Hertfordshire) war eine irisch-britische politische Aktivistin und Frauenrechtlerin in Großbritannien. Sie war Mitglied der Fabian Society und Mäzenatin der London School of Economics and Political Science. Sie heiratete den Dramatiker George Bernard Shaw.
Leben Payne Townshend war die ältere Tochter von Horace Payne-Townshend (1825–1885) und Mary Susanna Kirby (1830–1891) aus dem irischen County Cork. Sie hatte eine Schwester, Mary Stewart Townshend (1859–1929). Die Familie war wohlhabend und Payne-Townshend erbte ein größeres Vermögen. Ihr finanzieller Reichtum ging einher mit verschiedenen Vorstellungen darüber, was sie mit ihrem Leben anfangen könnte, doch sie beklagte eine Orientierung:
London School of Economics 1895 lernte Payne-Townshend Sidney und Beatrice Webb kennen. Durch sie wurde sie Mitglied der Fabian Society. Beatrice Webb gab später eine pointierte Charakterisierung:
In dieser Situation kam Payne-Townshend über die Webbs in den Prozess der Gründung der London School of Economics and Political Science (LSE). Deren Gründer, Beatrice und Sidney Webb, Graham Wallas und George Bernard Shaw, alle vier Mitglieder der Fabian Society, hatten beschlossen mit einem Vermächtnis an die Fabian Society von 20.000 Pfund des Anwalts Henry Hunt Hutchinson eine Schule zu gründen. Als Sidney Webb auf der Suche nach einem Standort für die LSE war, konnte er Payne-Townshend gewinnen, die beiden obersten Stockwerke der Räumlichkeiten gefundenen Räumlichkeiten in der Adelphi Terrace 10 privat unterzuvermieten. Die anderen Teile des Gebäudes dienten dann der LSE und ihrer Bibliothek, was das Projekt erst finanzierbar machte. Im Jahr 1896 spendete sie 1.000 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek und gehörte neben Sidney Webb, William Clarke, Edward Pease und Richard Haldane zu deren ersten Trustees. Payne-Townshend war außerdem Mitglied des Advisory Board der LSE, das 1901 beim Board of Trade den Status einer Company beantragte. Danach war Payne-Townshend Governor. Die Aufzeichnungen zeigen außerdem, dass sie eine regelmäßige Quelle wichtiger finanzieller Mittel war, wann immer die Mittel der LSE knapp wurden. Die heute im 6. Stock des Old Buildings der LSE angesiedelte LSE Shaw Library ist nach ihr benannt.
George Bernhard Shaw Payne-Townshend direkte Umgebung war offenbar entschlossen, sie zu verheiraten. Sie selber vermerkte später: „Schon in meinen frühesten Jahren hatte ich beschlossen, niemals zu heiraten.“ Ihre Mutter suchte einen Ehemann für sie, aber sie wies mehrere Anwärter zurück. Sie verliebte sich in Axel Munthe, der aber nie um ihre Hand anhielt.
Beatrice Webb, die Payne-Townshend als „große, anmutige Frau mit einer Fülle schokoladenbraunem Haar“ beschrieb, entwickelte den Plan, sie mit Graham Wallas zu verheiraten. Im Januar 1896 lud sie beide in ihr Haus in Stratford St Andrew in Suffolk ein. Payne-Townshend jedoch langweilte sich in Wallas' Gesellschaft.
Webb lud auch George Bernard Shaw zu einem Aufenthalt ein, und die beiden entwickelten eine starke Zuneigung zueinander. Shaw schrieb an die Schauspielerin Janet Achurch: „Anstatt um zehn ins Bett zu gehen, gehen wir hinaus und spazieren eine Weile zwischen den Bäumen. Da sie ebenfalls Irin ist, erliegt sie meinen Künsten nicht so wie die arglose und wörtlich denkende Engländerin; aber wir kommen umso besser miteinander aus, reparieren Fahrräder, sprechen über Philosophie und Religion […] oder, wenn wir in schelmischer oder gefühlvoller Stimmung sind, flirten wir schamlos und unverhohlen.“ Payne-Townshend hatte offenbar Interesse, dass Verhältnis enger zu machen. Im Juli 1897 machte sie Shaw einen Heiratsantrag. Shaw war unentschlossener. Gegenüber Ellen Terry kolportierte er, dass Payne-Townshend „den Wert ihrer ungebundenen Unabhängigkeit kenne, da sie vor dem Tod ihrer Mutter und der Heirat ihrer Schwester, die sie freiließen, stark unter familiären Bindungen und Konventionalität gelitten habe.“ An Payne-Townshend selbst schrieb er: „Verlieb’ dich nicht: gehöre dir selbst, nicht mir und niemand anderem […] In dem Moment, in dem du nicht ohne mich kannst, bist du verloren […] Fürchte nichts: wenn wir einander brauchen, werden wir es erkennen. Alles, was ich weiß, ist, dass du den Herbst sehr glücklich gemacht hast und dass ich dich dafür immer gernhaben werde.“ Shaw lehnte den Heiratsvorschlag ab; er sei arm, sie reich und die Leute könnten ihn für einen „Mitgiftjäger“ halten. Payne-Townshend beschloss daraufhin, Shaw zu verlassen, und ging nach Italien.
Im April 1898 verunglückte Shaw. Payne-Townshend reiste zurück und veranlasste, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Shaw wurde operiert, wobei ein nekrotischer Knochen entfernt wurde. Die beiden heirateten am 1. Juni 1898, während er sich noch von der Operation erholte. Er war fast zweiundvierzig, sie war sechs Monate jünger. Das Paar wohnte zunächst in ihrem Haus in der Adelphi Terrace 10. Nach Ansicht von St. John Ervine „war ihr gemeinsames Leben durchweg glücklich“. Ihre Ehe gilt allgemein als nicht vollzogen, wobei strittig ist, ob es beider Wunsch war.
Im Jahr 1906 zog das Paar in ein Haus in Ayot Saint Lawrence, Hertfordshire, das heute Shaw’s Corner heißt. Sie unterhielten außerdem eine Stadtwohnung in London und reisten in den 1930er Jahren ausgedehnt um die Welt. Laut Shaws Freund, dem Mathematiker Archibald Henderson, beruht Shaws Schauspiel A Village Wooing (1933) auf der Geschichte des Paars.
Payne-Townshend wurde bald für Shaw nahezu unentbehrlich. Sie lernte, seine Stenografie zu lesen und zu tippen, nahm Diktat auf und half ihm, seine Stücke für den Druck vorzubereiten. Sie betätigte sich auch als Übersetzerin. Unter anderem übersetzte sie Eugène Brieux Stück Maternité für die Londoner Bühne. Es wurde 1910 im Daly’s Theatre aufgeführt.
Payne-Townshend starb 1943 an Morbus Paget und wurde im Golders Green Crematorium eingeäschert, wo ihre Asche bis zu Shaws Tod im Jahr 1950 aufbewahrt wurde. Beider Asche wurde nach Shaw’s Corner gebracht, vermischt und anschließend entlang der Wege und um die Statue der Heiligen Johanna in ihrem Garten verstreut.
Weblinks
Lotties Million, Der Spiegel, 33/1963.
Einzelnachweise
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