mini|Thronende Muttergottes, sogenannte „Aachener Madonna“ Die Thronende Muttergottes, auch „Aachener Madonna“ genannt, ist eine zweifigurige, geschnitzte Eichenholzskulptur einer Muttergottes mit Kind, die um 1230 entstand, aus der Sammlung von Alexander Schnütgen stammt und sich seit der Eröffnung 1910 im Kölner Museum Schnütgen befindet (Inv.-Nr. A 15).
Beschreibung und Ikonografie Die Muttergottes hat „kantige und herbe“ Gesichtszüge, welliges Haar mit einem Mittelscheitel und sitzt frontal, mit leicht geneigtem Kopf auf einem Kastenthron. Mit dem linken Arm stützt sie das auf ihrem Knie sitzende Christuskind, das zu ihr aufschaut, so dass ihre Blicke sich treffen. In beiden händen hält Maria je einen Apfel, wobei die linke Hand des Kinds auf dem Apfel in ihrer Linken liegt. ihre Rechte fasst einen zweiten Apfel, der auf ihrem rechten Oberschenkel liegt. Die rechte Hand des Christuskindes weist in einer Segensgeste senkrecht vor der Brust seiner Mutter herauf.
Maria trägt ein langes Kleid mit einer breiten Borte am Hals und darüber einen offenen Mantel, der links über die Thronbank und rechts über ihr Bein fällt. Um ihre beschuhten Füße legt sich zusätzlich ein Untergewand. Auch das Christuskind trägt ein langes Gewand. Während die Stoffe der Obergewänder in scharfkantigen Rillen und Vertiefungen geschnitzt sind, ist das Untergewand in weicheren Formen gearbeitet Die Eichenholzskulptur ist 102 Zentimeter hoch, 50 Zentimeter breit und 43,5 ZentimeterAngabe in Handbuch 2015: 98,7 × 50 × 84,5 cm, Tiefe hier offensichtich Druckfehler tief. Sie hat eine vielfarbige Fassung, wobei von der mittelalterlichen Farbgebung heute wenig erhalten ist. alternativtext=Nahaufnahme einer mit Steinen und Gold geschmückten Madonna mit Kind, man sieht die zwei Äpfel, die Maria und das Jesuskind halten bzw. berühren|mini|180x180px|Muttergottes mit dem Bergkristall Die Besonderheiten der Skulptur sind einerseits die Darstellung einer innigen Mutter- und Kindbeziehung, die von der zeittypischen, eher strengen Frontalität abweicht, bei der Maria als „Thron der Weisheit“ dargestellt wird. Andererseits fallen die zwei Äpfel auf, denen eine doppelte Symbolik zugrunde liegen könnte, einmal als Herrschaftszeichen für die „Himmelskönigin Maria“ und einmal für Maria als die „Neue Eva“. Ikonographisch vergleichbar ist im Museum Schnütgen nur die Madonna mit dem Bergkristall, die ebenfalls dieses seltene Motiv zeigt.
Erhaltungszustand und Fassungen Als Alexander Schnütgen die Skulptur übernahm, gab es ihm zufolge einen „graulichen Ölanstrich“, der entfernt wurde. Weitere Fassungen sind nur schwierig einer Zeitebene zuzuordnen; das heutige Erscheinungsbild ist „sehr heterogen“, da die Figuren auf verschiedene Farbebenen freigelegt wurden.
In der ursprüngliche Konzeption war die Skulptur – bis auf die Hautbereiche – vollständig metallisch gefasst, die Figuren goldfarbig, der Thron in Silberfarbe. An der Kleidung gab es zusätzlich grüne und rote Farbakzente. Die Haut war bräunlich-rosa. Die Marienfigur ist von hinten stark ausgehöhlt, so dass es an einigen Stellen sogar zu Durchbrüchen kam, die verkittet wurden. Im Bereich des Throns gibt es eine wohl als Reliquiendepositorium genutzte rechteckige Öffnung, bei der die Verschlusstür fehlt. Am Hinterkopf der Marienfigur ist erkennbar, dass die Haare hinten ursprünglich mit einem Schleier bedeckt waren; diese wurden abgearbeitet und die Haare nachträglich ersetzt.
Stilistische Einordnung Alexander Schnütgen zog 1908 Stilvergleiche mit dem Aachener Marienschrein und wies auf die „charakteristische straffe Fältelung“ hin, die sich insbesondere auch bei der Marienfigur am Aachener Schrein zeige. Dabei zog er auch den künstlerischen Einfluss der Rhein-Maas-Region in Betracht. Er datierte die Skulptur in das frühe 13. Jahrhundert, was in Folge auch unumstritten blieb.
Ulrike Bergmann sah es 1989 ebenfalls als naheliegend an, dass für die vergoldete Skulptur Werke der Goldschmiedekunst – wie in Aachen, aber auch an einem Marienschrein in Tournai – als Vorbild gedient haben könnten. So gebe es Anhaltspunkte, dass zusätzlich zur Vergoldung auch weitere (Edel-)Steinapplikationen vorhanden gewesen seien. Sie sah insbesondere im Kragenbereich Parallelen zu einer goldblechverkleideten Holzmadonna aus Beaulieu. Parallelen zur französischen Kathedralskulptur, in Köln vertreten durch den Dreikönigenschrein von Nikolas von Verdun, seien ebenfalls erkennbar.Abseits der Goldschmiedearbeiten werden für stilistische Vergleiche die Skulpturen zweier Kölner Cherubim im Museum Schnütgen herangezogen. Auf eine Ähnlichkeit mit dem Kruzifixus aus Nideggen wies Christian Beutler 1958/1959 erstmals hin, was von Reiner Haussherr 1989 als eher entfernte Verwandtschaft bewertet wurde. Dieser wiederum erwähnte eine Großskulptur des Erzbischofs Engelbert von Berg aus der Zisterzienserkirche in Gevelsberg, die denselben „Muldenfaltenstil“ aufweise. Wegen der genannten Stilparallelen gilt inzwischen neben der allgemeinen Zuordnung zu Niederrhein-Maasgebiet die Herkunft aus einer rheinischen, vermutlich Kölner Werkstatt als wahrscheinlich.
Provenienz Die Provenienz ist weitestgehend unbekannt: Alexander Schnütgen berichtete 1908 in der Zeitschrift für christliche Kunst, er habe die Skulptur etwa zehn Jahre zuvor „von einem niederrheinischen Antiquar im Nebenbetrieb, erworben, der leider den Fundort in Dunkel hüllte.“
Mit der von Schnütgen an die Stadt Köln gestifteten Sammlung kam die „Aachener Madonna“ in das 1910 eröffnete Museum, wo es bis in die Gegenwart einen prominenten Platz in der Präsentation einnimmt.
Literatur (Auswahl)
Christian Beutler: Die Aachener Madonna und der Kruzifix von Nideggen. In: Aachener Kunstblätter. Bd. 17/18, 1958/1959, S. 42–46 (Digitalisat).
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Skulptur (Museum Schnütgen) Kategorie:Skulptur (13. Jahrhundert) Kategorie:Marienstatue in Deutschland Kategorie:Holzskulptur