Die Schienenbusse des Herstellers Baudet Donon Roussel waren Dieseltriebwagen in verschiedenen Ausführungen. Sie wurden von dem französischen Unternehmen Établissements Baudet Donon Roussel gebaut und waren ursprünglich bei verschiedenen französischen Privatbahnen eingesetzt.

Baudet Donon Roussel – zweiachsig kurz Die kurzen zweiachsigen Schienenbusse von Baudet Donon Roussel wurden von der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) als ZZ A 1–4 und Chemin de Fer de Paris à Orléans et du Midi (PO-Midi) als ZZ B4E 23801–23802 in Betrieb genommen und auf verschiedenen Nebenbahnen der Gesellschaften im Personenzugdienst eingesetzt.

Die zweiachsigen Triebwagen waren von Straßen-Omnibussen abgeleitet. Sie wurden entwickelt, um den Personenverkehr auf schwach ausgelasteten Eisenbahnstrecken wirtschaftlicher zu betreiben. Die vier Fahrzeuge der PLM wurden in Pontarlier stationiert und bedienten die Strecken nach Vallorbe, Gilley und von Vallorbe nach Frasne.Yves Broncard, Autorails de France, Teil IV, 2007.Foto der BDR-Triebwagen auf der Strecke von Pontarlier nach Vallorbe auf coni-fer.com/

Zwei Fahrzeuge wurden von der PO-Midi, bezeichnet als ZZ B4E 23801–23802, gekauft. Sie hatten eine geringere Sitzplatzzahl und stattdessen ein größeres Gepäckabteil. Sie unterschieden sich in der Farbgebung von den PLM-Wagen.

Die PO-Midi-Wagen verkehrten vom Depot Mont-de-Marsan aus und wurden auf den Strecken nach Nérac und Morcenx eingesetzt. 1937 wurden sie ebenfalls von der PLM übernommen und in Pontarlier mit den anderen Triebwagen eingesetzt.

SNCF ZZ BD 10001–10006 1938 wurden sie von den SNCF als ZZ BD 10001–10006 übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1945 ihre Motoren ausgebaut. Mit normaler Zug- und Stoßeinrichtung ausgestattet wurden sie als Beiwagen weiter verwendet. 1959 waren sie in den Inventarlisten nicht mehr vorhanden.Jehan-Huber Lavie, Korrespondenz in LR Presse, L'art de composer les trains d'autorails, 2004

Technische Beschreibung Der stählerne Wagenkasten hatte eine äußere Höhe von nur 1995 mm.W. Hamacher: Die Bedeutung der Schienentriebwagen für die französische Eisenbahn in Verkehrstechnik Heft 1, 1935 Aus diesem Grund waren die Fenster sehr niedrig gehalten und die lichte Höhe entsprechend beengt. Sie besaßen einen mittleren Einstiegsraum mit nach innen zu öffnenden Doppeltüren. Beidseitig vom Einstiegsraum war der Fahrzeugraum mit Mittelgang. An einem Ende war ein Traglastenabteil.Fahrzeuggrundriss der BDR-Triebwagen auf i0.wp.com/trainconsultant.com Die Wagen besaßen keine Toilette. Die Türen zum Traglastenabteil waren nach außen zu öffnen. Die Stabilität wurde dem Wagenkasten über ein teils geschweißtes, teils genietetes Untergestell gegeben. Die Wagen konnten mit einer automatischen Willison-Kupplung gekuppelt im Verband fahren.

Der Vierzylinder-Zweitakt-Dieselmotor von Peugeot-Junkers hatte eine Leistung von 100 PS. Diese wurde über eine Einscheibentrockenkupplung auf ein Vierganggetriebe mit Wendegetriebe weitergegeben, von dort erfolgte die Kraftübertragung über eine Dreifach-Kette auf die Antriebsachse. Der Motor war im Traglastenabteil untergebracht, links davon befand sich ein enger Führerstand in einem gesonderten Abteil, auf der gegenüberliegenden Seite war diagonal auch ein Führerstand vorhanden.Führerstand des BDR-Triebwagens auf i0.wp.com/trainconsultant.com Der Motor wurde elektrisch angelassen.

Die PLM-Fahrzeuge hatten eine hellblaue Fahrzeugunterseite und ein graues Fahrzeugoberteil; die PO-Midi-Fahrzeuge waren dunkelblau/grau lackiert.Thierry Leleu, La grande encyclopédie des locomotives françaises, Teil 2 - les autorails, 2015, S. 16

Baudet Donon Roussel – zweiachsig lang

Die langen zweiachsigen Schienenbusse von Baudet Donon Roussel wurden 1932 von der Chemins de fer de l’Est (Est) bestellt, 1935 gebaut und im selben Jahr ausgeliefert. Sie wurden als ZZ ABCEs 40001–40002 bezeichnet. Eingesetzt wurden sie vom Depot in Mirecourt und für den Betrieb auf den Bahnstrecken Culmont-Chalindrey–Toul und von Toul nach Langres verwendet.

SNCF ZZ BD 10101–10102 1938 wurden sie von den SNCF übernommen und als ZZ BD 10101–10102 bezeichnet. Ein Wagen wurde im Zweiten Weltkrieg für den Betrieb mit einem Gasmotor umgebaut.

1945 wurden die Motoren ausgebaut. Mit normaler Zug- und Stoßeinrichtung wurden sie als Beiwagen weiterverwendet. Bis Ende 1959 wurden die Fahrzeuge außer Dienst gestellt.

Technische Beschreibung Der Wagenkasten besaß zwei als Schiebetüren ausgeführte Zugänge zu den Fahrgasträumen; einer zwischen den beiden Abteilen und einer am Ende des Fahrzeuges. Eine weitere Tür befand sich am Gepäckraum des Wagens, in den eine Tonne Gepäck geladen werden konnte. Der Wagenkasten besaß ein Abteil für der 1. Klasse mit 8 Sitzplätzen und eines der 3. Klasse mit 30 Sitzplätzen. Dazu gab es acht Klappsitze. Die Heizung der Wagen erfolgte mit dem Kühlwasser des Antriebsmotors.

Der Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor vom Typ Berliet MDK2 leistete 135 PS. Die Kraft wurde über ein Vorwählgetriebe von Cotal mit vier Gängen und eine Doppelrollenkette auf die Antriebsachse übertragen. Mit dem Fahrzeug konnten auf ebener Strecke mit 100 km/h gefahren werden, auf einer Steigung von 15 ‰ wurden 63 km/h und auf einer Steigung von 7 ‰ 78 km/h erreicht.

Die Lackierung war unter den Fenstern rot und darüber beige

Baudet Donon Roussel – Drehgestellvariante

mini|links|Triebwagen VT 101II in Bindweide Die Drehgestellvariante wurde von der Compagnie des chemins de fer du Nord beschafft. Diese vierachsigen Triebwagen hatten zwei Maschinenanlagen.

Die Gesellschaft wollte Erfahrungen mit verschiedenen Antriebsanlagen sammeln und holte von mehreren Firmen Angebote für Dieseltriebwagen mit mechanischer Kraftübertragung ein, darunter von Decauville mit einem mechanischen Getriebe der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik.

So wurden beiden Triebwagen von Baudet Donon Roussel mit einem elektromechanischen Vorwählgetriebe von Cotal beschafft. Der Kaufpreis der beiden Wagen betrug 700.000 Französische Franc.

Sie wurden dem Depot Compiègne zugewiesen und bedienten die Bahnstrecke La Plaine–Hirson, nach La Ferté-Milon und die Strecke Clermont–Beauvais. Nach ungefähr drei Jahren hatte jeder Triebwagen etwa 163.000 km zurückgelegt.

SNCF ZZ BD 1001–1002 1938 wurden die Wagen als ZZ BD 1001–1002 von den SNCF übernommen. Über den Betrieb während des Zweiten Weltkrieges sind keine Informationen vorhanden.

1944 wurden sie von der Westerwaldbahn gekauft. Ende Mai 1944 wurden sie in einem Zug mit weiteren Triebwagen für die Gelnhäuser Kreisbahnen in einem Bahnhof im Osten von Paris eingestellt und nach Gelnhausen überführt.Willi Merzhäuser: Die Westerwaldbahn, EK-Verlag, Freiburg, 1986, ISBN 3-88255-578-5 Der Triebwagen mit der Fabriknummer 15 konnte im September 1944 als WEBA VT 103 wieder fahrfähig in Betrieb genommen werden, der zweite ohne Maschinenanlage wurde nach Bindweide überführt und sollte als Beiwagen verwendet werden. Bei einem Schuppenbrand im Jahr 1946 wurde der Wagen nach nur 14.295 Kilometer Fahrleistung ein Opfer der Flammen. Daraufhin wurde der andere Wagen als WEBA VT 101,II mit nur einer Maschinenanlage von KHD A8 M 517 ausgerüstet, in Betrieb genommen und bis 1960 verwendet. Dann wurde der Wagen ausgemustert und verschrottet.

Technische Beschreibung

Die Triebwagen besaßen einen stählernen Wagenkasten in selbsttragender Konstruktion in Schweiß- bzw. Nietkonstruktion. Der Untergestellrahmen entstand aus zwei Langträgern, den Pufferbohlen, dem Querträger mit Drehzapfen und mehreren Versteifungen. Das Dach war in Tonnenform gestalten, die Stirnseiten abgerundet, die Seitenbleche waren an Dach und Untergestell angeschweißt. Der Wagenkasten ruhte zwei zweiachsigen Drehgestellen, die Räder waren durch Blattfedern abgefedert und durch Gummidämpfer gesichert. Die indirekte Federung der Drehgestelle wurde mit Blattfedern realisiert. Die Federungen waren von außen nicht sichtbar. Im Wageninnerem befand sich hinter dem vorderen Führerstand ein Gepäckraum. Der Innenraum war einklassig mit 58 Sitzplätzen. Zugänge zum Wageninneren waren durch zwei Eingangsbereiche mit zwei Doppelschiebetüren, einer in der Mitte, einer am Ende zum hinteren Führerstand.

Die Maschinenanlage war in jedem Drehgestell mit einem Saurer Typ BXD und einem mechanischen Vorwählgetriebe der Bauform Cotal mit vier Gängen ausgestattet, von dem der Getriebeausgang auf ein Kettenrad führte und über eine Doppelrollenkette auf beide Räder wirkte. Das Getriebe hatte vier Gänge, der Motor ragte in den Führerraum hinein.

Beim Umbau bei der Westerwaldbahn wurde nur noch eine Maschinenanlage in einem Drehgestell verwendet, das andere Drehgestell war danach nur ein Laufdrehgestell. Die Maschinenanlage bestand aus einem Achtzylinder-Viertakt-Dieselmotor von KHD mit der Bezeichnung A8 M 517, er leistete 180 PS bei 1500 U/min und wirkte auf ein Mylius-Getriebe, welches den Abtrieb auf die innere Achse des Antriebsdrehgestelles gab. Der Motor war etwas stärker als die Ursprungsversion, allerdings war die Höchstgeschwindigkeit nur noch 60 km/h begrenzt.

Ursprünglich waren die Wagen mit der automatischen Willison-Kupplung für Verbundfahrten vorgesehen. Verbundfahrten wurden mit ihnen allerdings nicht durchgeführt. Bei der Westerwaldbahn erhielten sie eine normale Zug- und Stoßeinrichtung. Lackiert waren die Wagen bei der Nordbahn mit einem durchgehend grünen Wagenkasten oder einem grünen Wagenkasten mit cremefarbenen Dach und cremefarbenen Stirnseiten, bei der Westerwaldbahn erhielt der rote Wagenkasten ein graues Dach und gelbe Zierlinien.

Siehe auch Liste der Lokomotiven und Triebwagen der SNCF

Literatur W. Hamacher: Die Bedeutung der Schienentriebwagen für die französische Eisenbahn in Verkehrstechnik Heft 1, 1935, Seite 13 ff. Willi Merzhäuser: Die Westerwaldbahn, EK-Verlag, Freiburg, 1986, ISBN 3-88255-578-5.

Weblinks

Internetseite über die Historie von Schienenfahrzeugen mit Erwähnung der Baudet Donon Roussel-Schienenbusse auf trainconsultant.com Internetseite über den PLM-Schienenwagenwettbewerb mit Erwähnung der Baudet Donon Roussel-Schienenbusse auf trainconsultant.com Internetseite über den Betrieb der Eisenbahnlinie Pontarlier–Vallorbe… nach Conifer auf coni-fer.com Internetseite über die Fahrzeuge der Westerwaldbahn mit Erwähnung der BDR-Triebwagen, Stand 2009 Foto des BDR-Triebwagens als VT 101II auf eisenbahnstiftung.de

Einzelnachweise

Kategorie:Schienenfahrzeug (Baudet Donon Roussel) Kategorie:Verbrennungsmotortriebwagen