mini|Das Museum des Warschauer Ghettos in einem ehemaligen Krankenhaus (2023) mini|Neubau (2026) Das Museum des Warschauer Ghettos () ist ein im Aufbau befindliches Geschichtsmuseum in Warschau, dessen künftige Dauerausstellung dem Leben der Warschauer Juden und der Geschichte des Warschauer Ghettos gewidmet sein soll. Seit März 2025 wird es von der Holocaust-Historikerin Katarzyna Person geleitet, und die Eröffnung für Besucher ist für September 2027 geplant.

Geschichte Die Schaffung des Museums wurde 2017 durch den polnischen Kulturminister Piotr Gliński angekündigt; vorgesehen war eine Einrichtung zum Leben und Tod im Warschauer Ghetto in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Historischen Institut. Das Projekt trat 2018 als staatlich verantwortete neue Museumseinrichtung hervor und wurde schon damals in den Streit um Polens Erinnerungspolitik eingeordnet. Als Standort wurde das ehemalige Bersohn-Bauman-Kinderkrankenhaus an der Sienna-/Śliska-Straße vorgesehen, ein Gebäude im früheren Ghettogebiet nahe einem erhaltenen Fragment der Ghettomauer. Der Museumsneubau soll den historischen Krankenhauskomplex mit neuen Gebäudeteilen verbinden und insgesamt 11.500 Quadratmeter Nutzfläche sowie eine rund 3500 Quadratmeter große Dauerausstellung umfassen.

Sammlung und Ausstellung Ein Kern der Sammlung sind archäologische Funde aus dem Gelände des früheren Ghettos, darunter Alltagsgegenstände und religiöse Objekte wie Tefillin sowie ein angesengter Kinderschuh. Bei Grabungen in den Jahren 2021 und 2022 wurden nach Angaben des leitenden Archäologen Jacek Konik etwa 5000 Artefakte gefunden, und die Arbeiten bezogen auch das Umfeld des nach Mordechaj Anielewicz benannten Bunkers ein. Die geplante Ausstellung soll die Geschichte der Warschauer Juden im breiteren Kontext erzählen und Stimmen von Frauen, Kindern und Flüchtlingen sowie Originalobjekte aus der archäologischen Forschung einbeziehen. Neben der ständigen Ausstellung sind Wanderausstellungen und Bildungsangebote vorgesehen.

Kontroversen Die Kontroverse um das Museum begann bereits mit dem Gründungskontext, weil Kritiker befürchteten, die Institution könne die PiS-Erzählung von polnisch-jüdischer Solidarität stärken und problematische Aspekte polnischer Beteiligung an der Verfolgung von Juden ausblenden. Im Zentrum stand 2018/2019 die Berufung des israelischen Holocaust-Historikers Daniel Blatman zum leitenden Historiker der Dauerausstellung, die von manchen Beobachtern als Zeichen wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit und von anderen als politischer „Feigenblatt“-Effekt gelesen wurde. Im Jahr 2025 berichtete Rzeczpospolita, die Zusammenarbeit mit Blatman werde beendet, während im Museum zugleich mehrere Leitungspositionen unbesetzt oder im Umbruch seien. Auch der Wettbewerb um die Leitung von 2025 wurde kontrovers begleitet: RMF24/PAP berichtete über ministerielle Angaben zu Druck- und Erpressungsversuchen mit privaten Mitschnitten, während Rzeczpospolita über Einwände gegen das Verfahren berichtete.

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