mini|Die venezianische Kirche im Plan des Jacopo de’ Barbari, um 1500 (Detail) mini|Übersichtskarte des Gebietes zwischen dem Darsena Grande, dem großen Becken des Arsenals, und dem Canale S. Pietro San Daniele, auch San Daniele Profeta, war ein Klosterkomplex nebst Kirche im Osten des venezianischen Sestiere Castello am Rio delle Vergini, östlich des Arsenals. Der Komplex, westlich des Rio S. Daniele gelegen, trug den Namen des Propheten Daniel. Vielleicht schon im 8. oder 9. Jahrhundert gegründet, wurde im 12. Jahrhundert ein Zisterzienserkloster eingerichtet, das allerdings bis 1437 so sehr darniederlag, dass es Augustinerinnen zugewiesen wurde, die bis 1806 blieben. 1839 wurde der Komplex abgerissen, ähnlich wie 1844 das benachbarte Santa Maria delle Vergini. Er gehört heute zum Arsenal, dessen Ausbau Kirche und Kloster weichen mussten.

Geschichte Der legendären Überlieferung nach erfolgte die Gründung der Kirche durch die Familie Bragadin, noch vor dem frühen 9. Jahrhundert. Sie soll erfolgt sein, als die Dogen noch in Metamaucum residierten und noch nicht im Dogenpalast. Damit galt sie als eine der ältesten Kirchen der Stadt.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 100. Die gesicherte Überlieferung setzt allerdings erst im Jahr 1046 ein.

Der Bischof von Castello, Giovanni Polano, schenkte die Kirche Manfredo, dem Abt von Fruttuaria, damit er daneben ein Kloster für die Zisterziensermönche errichten möge, denen Enrico Dandolo, Patriarch von Grado, das Kloster San Giorgio del Lido Pineto geschenkt hatte, das wiederum dem Patriarchat von Grado unterstand. Dort ernannte er einen Mönch namens Daniel zum Abt, der aus der adligen Familie Molina stammte, wie Flaminio Corner berichtet. Erster Abt des Klosters war Leon Molino. Dabei schuldete das Kloster in Anerkennung seiner Abhängigkeit von Fruttuaria der Abtei jährlich zwei „ampolle di vino“ und andere Ehrbezeugungen. Papst Alexander III. nahm das Kloster 1165 unter päpstliche Protektion und stattete es mit Privilegien aus, die er bei seinem Aufenthalt im Jahr 1177 bestätigte.

1219 wurde San Daniele erneut geweiht, inzwischen mit Reliquien aus Konstantinopel ausgestattet, die dort geraubt worden waren. Der Bischof von Castello überließ dem Kloster 1220 zwei Mühlen, um seinen Unterhalt zu gewährleisten. Dieses Gelände mussten die Mönche allerdings für den Ausbau des Arsenals im Jahr 1325 gegen eine dauerhafte Kompensation in Form staatlicher Gelder abtreten.

Danach begann der Niedergang des bis dahin wohlhabenden Klosters. Bis 1387 verblieb dort nur noch der Prior Giorgio di San Giorgio aus dem Piemont, der zudem auch noch als Schismatiker galt, der sich dem Gegenpapst Clemens VII. anschloss und seine Sache vertrat. Er wurde vom Abt von San Giorgio Maggiore durch einen seiner Mönche namens Antonio Gallina ersetzt. Die Kirche verfiel dementsprechend im 14. Jahrhundert, so dass ihr Prior Michele di Sebenico auf die Idee verfiel, einer Frau namens Chiara Ognibene, die als besonders fromm galt, das Haus zu überlassen, sich jedoch sämtliche Einnahmen vorzubehalten.

So griff Papst Eugen IV. im Jahr 1437 ein und veranlasste den Bischof von Castello, mit Zustimmung der Familie Bragadin, die noch immer das Patronatsrecht besaß, ein Nonnenkloster nach der Augustinusregel einzurichten. Die Bewohnerinnen sollten den Habit der Nonnen von Sant’Andrea della Zirada übernehmen. Dem 1438 zurückgetretenen Prior schuldete das Haus allerdings eine jährliche Pension von 100 Dukaten. Papst Alexander VI. unterstellte das Nonnenkloster der Congregazione de’ Canonici Lateranensi; auch durften sie seit Julius II. ihren grauen Habit gegen den weißen der Regularkanoniker tauschen. mini|Pietro da Cortona: Daniel in der Löwengrube, Öl auf Leinwand, 440 × 223 cm, 1663–1664, Gallerie dell'Accademia 1604 wurde das Kloster vollständig dem Patriarchen von Venedig unterstellt, aus der Priorin wurde 1659 eine Äbtissin, wie Papst Alexander VII. dem Kloster zugestand. Der römische Barock des Pietro da Cortona gelangte ab 1663–1664 durch dessen Altarretabel Daniel in der Löwengrube nach Venedig, das sich in der Accademia befindet.Stefania Mason: Die venezianische Malerei vom späten 16. bis 17. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig – Kunst und Architektur, Bd. 2, Könemann, Köln 1997, S. 524–575, hier: S. 574 f.

Im Zuge der Säkularisierung der Klöster unter Napoleon wurden die Kirche und das Kloster durch ein Dekret vom 28. Juli 1806 aufgelöst. Die Kirche wurde ihrer Ausstattung beraubt und zu einem Lagerraum umfunktioniert. Das Kloster kam an die Marine, um in eine Kaserne umgewandelt zu werden. Während der österreichischen Herrschaft wurde die Kirche 1839 abgerissen, ebenso wie ein großer Teil des Klosters.

Letzteres wurde wieder aufgebaut, um als Militärschule und bis heute als Kaserne der italienischen Marine zu dienen. Nur der Grundriss der Gebäude erinnert noch an die Anordnung der Kreuzgänge. Im Zuge der Erweiterung des Arsenals ab 1867 wurde das Areal dem Marinegelände eingegliedert.

Literatur Lovorka Čoralić: Iz vjerskoga života iseljenika S Istočnoga jadrana u Mlecima – Povezanost S Crkvom i Samostanom San Daniele (15.–16. stoljeće), in: Croatica Christiana periodica, 42 (2018) 43–53. (online)Sinngemäß: Aus dem religiösen Leben der Auswanderer von der östlichen Adria in Venedig – Verbindungen zu Kirche und Kloster San Daniele (15.–16. Jahrhundert). Elisabeth Santschi (Hrsg.): Benedettini in S. Daniele (1046–1198), Comitato per la pubblicazione delle fonti relative alla storia di Venezia, Venedig 1989. Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 29 Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 100–106. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 47 f. (Digitalisat)

Weblinks

S. Daniele (Venezia), Staatsarchiv Venedig: La guida al patrimonio documentario, archive.org, 4. März 2016

Anmerkungen

San Daniele Daniele Kategorie:Danielskirche Kategorie:Zerstört in den 1830er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien