Die Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. (MBM) ist ein deutscher Kulturverein zur Förderung der mitteldeutschen Musik- und Kulturlandschaft des 17. und 18. Jahrhunderts. Der gemeinnützige Verein hat seinen Sitz in Magdeburg und wird von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gefördert.

Geschichte Die Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. wurde am 4. Juli 1994 in Leipzig zunächst unter dem Namen Ständige Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründet. Die Initiative entstand im Zusammenhang der kulturpolitischen Neuordnung nach der deutschen Wiedervereinigung und verfolgte das Ziel, die historisch gewachsene mitteldeutsche Musiklandschaft des 16. bis 18. Jahrhunderts länderübergreifend zu erforschen, zu bewahren und öffentlich sichtbar zu machen.

Zu den Initiatoren gehörten Vertreter zentraler Forschungs- und Musikinstitutionen der Alten Musik in Mitteldeutschland, darunter Claus Oefner, Ingeborg Stein, Wolf Hobohm, Hans-Joachim Schulze, Wolfram Steude, Monika Lustig und Edwin Werner. Wichtige Impulse gingen zudem von den Kulturministerien der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Kulturabteilung des Bundesministeriums des Innern aus.

In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt der Tätigkeit vor allem auf Forschung und Dokumentation. Gefördert wurden Quellenerschließungen, wissenschaftliche Editionen, Publikationen, Tagungen und Konferenzen zur mitteldeutschen Musikgeschichte. Zu den frühen Projekten gehörten die Editionsreihe Denkmäler Mitteldeutscher Barockmusik, die Schriftenreihe zur Mitteldeutschen Musikgeschichte sowie Forschungsprojekte zur Erfassung historischer Musikinstrumente und regionaler Musiküberlieferungen.

Seit Mitte der 1990er-Jahre weitete die MBM ihre Tätigkeit zunehmend auf die Förderung des Musiklebens und der historischen Aufführungspraxis aus. 1995 fand in Weißenfels der erste Tag der Mitteldeutschen Barockmusik statt. Seit 1998 veranstaltet die MBM das länderübergreifende Heinrich Schütz Musikfest, das sich zu einem der bedeutenden Festivals für Musik des 17. Jahrhunderts in Deutschland entwickelte.

Eine Phase struktureller Neuorientierung begann ab 2008 nach Kürzungen des Etats und einer grundlegenden Evaluation der Förderpraxis durch Bund und Länder. Unter dem Präsidenten Wolfgang Hirschmann sowie der seit 2009 amtierenden Geschäftsführerin Christina Siegfried wurde das Profil der Institution neu ausgerichtet. Der Schwerpunkt verlagerte sich stärker auf projektbezogene Förderung, überregionale Sichtbarkeit und Netzwerkbildung im Bereich der Alten Musik. Zugleich wurden neue Fördergrundsätze beschlossen, die Öffentlichkeitsarbeit modernisiert und die Zusammenarbeit mit Forschungs- und Kulturinstitutionen ausgebaut.

Projekt- und Nachwuchsförderung Ein zentraler Tätigkeitsbereich der MBM ist die Förderung von Projekten zur mitteldeutschen Musik- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Im Mittelpunkt stehen vor allem Konzerte, Nachwuchswettbewerbe und Festivalprojekte der historischen Aufführungspraxis sowie wissenschaftliche, editorische und musikvermittelnde Vorhaben. Darüber hinaus vergibt die MBM Förder- und Sonderpreise im Bereich der Alten Musik, unter anderem im Rahmen des Internationalen Telemann-Wettbewerbs Magdeburg und des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs Freiberg. Über die Vergabe der Fördermittel entscheiden die Gremien des Vereins auf Grundlage eines Antragsverfahrens und festgelegter Förderkriterien.

Veranstaltungen Die MBM veranstaltet seit ihrer Gründung eigene Festivals, Konzertreihen und Vermittlungsprojekte zur Musik- und Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Zu den wichtigsten Eigenveranstaltungen zählen unter anderem das 1995–2022 jährlich organisierte Barock.Musik.Fest (vorher: Tage Mitteldeutscher Barockmusik) sowie das internationale Heinrich Schütz Musikfest.

Das seit 1998 veranstaltete Heinrich Schütz Musikfest findet jährlich im Oktober an zentralen Wirkungsstätten des Komponisten Heinrich Schütz in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt. Es gilt als das einzige deutsche Festival, das einem Komponisten des 17. Jahrhunderts gewidmet ist. Das Festival verbindet historische Aufführungspraxis mit wissenschaftlicher Vermittlung, zeitgenössischen Konzertformaten und Auftragskompositionen, die Musik des 17. Jahrhunderts mit gegenwärtigen künstlerischen Perspektiven in Dialog setzen.

Ergänzt wird das Programm durch digitale und interdisziplinäre Projekte wie die SWALK Heinrich Schütz-Soundwalks sowie das internationale Kooperationsprojekt "open_psalter". Mit Projekten wie dem mehrjährigen Klanginstallationszyklus "Kaleidoskop der Räume" des Komponisten und Klangkünstlers Fabian Russ integriert die MBM zudem elektronische Musik, 3D-Audio-Technologien und immersive Klangräume in seine Programmatik.

Weblinks Website Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Literatur Claudia Konrad: Die Ständige Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik und ihr Wirken für die Verbreitung alter Musik, in: Historische Aufführungspraxis und ihre Perspektiven: XXX. wissenschaftliche Arbeitstagung Michaelstein, 10. bis 12. Mai 2002, hrsg. von Boje Schmuhl, Augsburg 2007, S. 68–71. SCHÜTZ22 - "weil ich lebe": anlässlich des 350. Todestages von Heinrich Schütz: Almanach zum Festjahr 08.10.2021 bis 06.11.2022. Gesamtredaktion: Bernhard Schrammek, Christina Siegfried, Viola Mey, Blankenburg 2021. Themenheft: Mitteldeutsche Barockmusik. Musik & Kirche 95, Heft 3, Mai/Juni 2025.

Einzelnachweise

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