Hans Heinrich Bernhard Schaudinn (* 6. März 1901 in Lübeck; † 24. Juli 1956 in Zermatt, Kanton Wallis) war ein deutscher Schauspieler, NSDAP-Rundfunk-Funktionär und SA-Brigadeführer.

Leben und Wirken Schaudinn wurde als Sohn des Seemaschinisten Gustav Adolf Schaudinn und der Emilie Sophie Margaretha Elise geb. Brüggemann geboren.Kirchenarchiv St. Marien Lübeck, Taufen 1901–1906, S. 20. Nachdem er zwei Jahre die Volksschule besucht hatte, wechselte er auf die 1. Knabenmittelschule, welche er als Primus verließ, um die Oberrealschule zum Dom zu besuchen. Diese musste er mit der Primareife verlassen, da es seinen Eltern aus finanziellen Gründen nicht möglich war, den weiteren Schulbesuch zu finanzieren und ihm seinen Berufswunsch Ingenieur zu erfüllen.

Nach der Schule begann er eine vierjährige kaufmännische Lehre, die er aber Anfang 1919 gütlich löste, um Schauspieler zu werden. 1919 und 1920 verbrachte er als Statist und kleinen Rollen am Theater in Eisenach, wechselte danach als jugendlicher Held und Liebhaber nach Hildesheim, Osnabrück, Meiningen (Landes-Theater) und Görlitz, wo er am Stadttheater im zweiten Jahr anfing, Regie zu führen.Hans Schaudinn. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1920. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 31. Jg., Berlin 1920, S. 394.Hans Schaudinn. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1921. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 32. Jg., Berlin 1921, S. 383.Hans Schaudinn. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1922. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 33. Jg., Berlin 1922, S. 487/488.Hans Schaudinn. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1927. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 38. Jg., Berlin 1927, S. 365/366.Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1927. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 39. Jg., Berlin 1928, S. 387. Daneben trat er in der Sommerspielzeit 1927 im Kurtheater in Bad Altheide auf.Deutsches Bühnenjahrbuch., Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, 1927, S. 172. Sommerspielzeit 1927 1929 schlug er ein Angebot des Staatstheaters Kassel aus, um seine guten Verbindungen zum Film in Berlin auszunutzen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war er dauerhaft am Schlosspark Theater Steglitz engagiert und daneben beim Film und anderen Bühnen beschäftigt.

1930 trat Hans Schaudinn in Berlin in die SA ein, wo er im Oktober 1932 von dem damaligen Führer der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg, SA-Gruppenführer Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, mit der kommissarischen Führung der Standarte 35, die ihren Sitz in Brandenburg/Havel hatte, betraut wurde. Gleichzeitig erfolgte seine Ernennung zum Sturmbannführer.

Schaudinn trat zum 1. März 1931 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 474.515).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/18491010 Nach seiner aktiven Zeit bei der SA, in der er später noch bis zum SA-Brigadeführer aufstieg, bewarb er sich Anfang Oktober 1934 bei der Berliner Reichs-Rundfunk-Gesellschaft um Anstellung, diese erfolgte zum 15. Oktober 1934. Zunächst mit einer dreimonatigen Probezeit, als Referent für Sonderaufgaben.Handbuch des deutschen Rundfunks. 1938, S. 63. Als solcher war er ein Intimus des Reichssendeleiters Eugen Hadamovsky.Willi A. Boelcke: Kriegspropaganda, 1939-1941. 1966, S. 79. Ursprünglich war er für eine künstlerische Tätigkeit auf Grund seiner guten Mikrofonstimme für die Reichssendeleitung angestellt worden.

1936 wurde er neben 15 weiteren Personen als Gründungsmitglied in den Kulturkreis der SA berufenKultur und SA. In: Der SA-Führer. 1937, S. 39. und nahm am Bankett zum zehnjährigen Bestehen der NBC teil.siehe die alphabetische Liste Notables in Radio and Other Fields Guests at NBC Anniversary Banquett ... in Broadcasting, 15. November 1936, S. 59 ff. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 vertrat er den Rundfunk in den Geheimen Ministerkonferenzen.Willi A. Boelcke: Kriegspropaganda, 1939-1941. Geheime Ministerkonferenzen., Deutsche Verlags-Anstalt, 1966, S. 79.

Im März 1942 wurde er als Oberregierungsrat zum stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Rundfunk-Arbeitsgemeinschaft berufen.Die Glocke. Aufgabe F vom 6. März 1942, S. 4. Innerhalb der Abteilung III (Rundfunk) des RMVP war er als Leiter der Rundfunkkommandostelle tätig.Willi A. Boelcke: Kriegspropaganda, 1939-1941: Geheime Ministerkonferenzen. Deutsche Verlags-Anstalt, 1966, S. 207

Laut Organisationsplan des Propagandaministeriums von 1943 war Schaudinn Leiter des 3. Referats „Mobreferat“. Die Aufgaben des Mobreferats waren: G-Sachen, Verbindung zum OKW, alle Verhandlungen mit der Wehrmacht, Betreuung der G-Sender, Personalangelegenheiten, Archive, Senderkartei, Eingangsempfänger, Bürobetrieb, Personal- u. Urlaubsfragen.

Schaudinn war ab Oktober 1935 verheiratet.Eintrag Standesamt Berlin-Tegel Nr. 289/1935 vom 18. Oktober 1935 Nach Kriegsende zog er wieder nach Lübeck zurück, wo er als Ministerialrat a. D. in Travemünde lebte.Adressbuch der Hansestadt Lübeck. 156 Jahrgang, 1951, S. 37.

Theaterrollen (Auswahl) 1924 in Osnabrück: Rustan und Damba in Zwischen neun und neun, Bühnenadaption von Hans SturmHannoverscher Kurier vom 23. Januar 1924, S. 3. 1925 in Meiningen: Auftritt in Peer Gynt von Henrik IbsenHans Schaudinn auf IbsenStage 1928 in Meiningen: Auftritt in Der zerbrochne Krug von Heinrich Kleist

Filmografie 1934: Stoßtrupp 1917Benjamin Haase, Manfred Haase: Chronik des deutschsprachigen Films. 2021, Lit Verlag, ISBN 978-3-643150059, S. 87. Joseph Wulf: Theater und Film im Dritten Reich. Eine Dokumentation. 1989, S. 371.

Literatur Schaudinn, Hans. In: Frank Arnau: Universal Film Lexicon. Bd. 2, 1933, S. 197. Willi A. Boelcke: Die Macht des Radios. Weltpolitik u. Auslandsrundfunk 1924-1976. 1977, S. 141. Ansgar Giller: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. 1980, S. 340–363. Klaus Winker: Fernsehen unterm Hakenkreuz. Organisation, Programm, Personal. 1994, S. 290 f.

Weblinks Hans Schaudinn in der IMDb

Einzelnachweise

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