Charles Lagus (* 1928 in Tschechien als Karl Alexander Lagus) ist ein Kameramann, der sich besonders als Natur- und Tierfilmer verdient machte.

Leben miniatur|Das Lindt-Gebäude am Wenzelsplatz in Prag Charles Lagus, ein Sohn von Guido und Liza Lagus, stammt aus einer Prager Familie. Schon sein Vater arbeitete in der Filmindustrie, obwohl er eigentlich Architekt war. Guido und Liza Lagus, geborene Löwy, deren Vater August sich später August Lindt nannte, emigrierten nach London und eröffneten eine Werkstatt für Kunstblumen usw. in Soho. Guido Lagus stammte aus einer frommen Familie, die im ehemaligen Prager Ghetto lebte. Er hatte in August Lindts chemischer Fabrik gearbeitet und 1927 als Bauleiter den Neubau des Hauptquartiers des Unternehmens betreut. Anschließend hatte er eine entsprechende Ausbildung absolviert und bis 1939 in dieser Branche gearbeitet. Er hatte eine Bürogemeinschaft mit Rudolf Wels, einem Loos-Schüler, gebildet und 1934 an den Kulissen für die Filmkomödie Hej rup! mitgearbeitet. Auch an weiteren Filmen der Barrandov Studios war Guido Lagus beteiligt. Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, war Guido Lagus Herausgeber der Neuen Deutschen Blätter geworden. 1939 verließ die Familie Prag und gelangte über Polen nach Dover. Charles Lagus war damals zehn Jahre alt. Seine ältere Schwester Sonja war schon als Au-pair-Mädchen in England; sie heiratete später Maurice Broomfield.

Charles Lagus studierte zunächst Medizin, wechselte aber 1946 zur Fotografie. Er begann bei Imperial Chemical Industries zu arbeiten und drehte Filme zu medizinischen und anderen Themen. Schließlich wurde er der erste Kameramann, den die BBC für naturgeschichtliche Aufnahmen engagierte. In Sierra Leone drehte Lagus 1954 die erste Folge von Zoo Quest, in der David Attenborough zusammen mit einem Zoo-Team auf der Suche nach exotischen Tieren war. Die Zusammenarbeit war erfolgreich. Daraufhin filmte Lagus auch sämtliche weiteren Folgen der Serie bis auf eine einzige.

1957 begleitete er mit der Kamera Peter Scotts Expedition nach Australasia, woraus die Serie Faraway Look entstand. Zwei Jahre später war er Leiter und Kameramann bei den Aufnahmen zu Kariba und schrieb außerdem ein Buch mit dem Titel Operation Noah über die Bemühungen, die Tiere zu retten, ehe das Wasser angestaut wurde, um ein Wasserkraftwerk betreiben zu können.

1976 drehte er Lure of the Dolphin (Anglia Television). Er stand auch für die BBC bei Animal Magic hinter der Kamera und filmte Nature Watch für ITV. Seine Tätigkeit beschränkte sich aber nicht auf Naturfilme. 1963 drehte er Jane Eyre, 1964 Z Cars und 1981 filmte er für The Great Muppet Caper aus der Luft und unter Wasser.

Von 1982 bis 1989 lehrte er an der National Film and Television School, 1984 wurde er ein Mitglied der British Society of Cinematographers (BSC) und 1986 bekam er auf dem Wildscreen International Film Festival in Bristol den Award „Lifetime Achievement Panda“.

Im Ruhestand zog er nach Mauritius.

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Einzelnachweise

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