Beziehungsideen (engl. ideas of reference, referential ideasUwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 84.) bedeuten, dass zufällige Ereignisse für Menschen eine ungewöhnliche Bedeutung haben. Sie sind ein psychopathologisches Symptom und treten bei psychiatrischen Erkrankungen auf. Partnerschaftliche Beziehungsgestaltungen sind hiermit nicht gemeint.

Beschreibung Dinge in der Umgebung werden ohne objektivierbaren Anlass vom Patienten auf sich bezogen. Dies wird meist negativ, abwertend oder bedrohlich erlebt. Der Patient fühlt sich im Mittelpunkt von Ereignissen.Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: . Das AMDP-System, 11. Auflage. hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3157-1, S. 150. Er hat das Gefühl, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Er kann jedoch bei Nachfragen dies als nicht realistisch ansehen. Das Symptom kann ohne Krankheitswert (kein Leidensdruck oder keine Behandlungbedürftigkeit) sein, aber auch Teil einer paranoiden Persönlichkeitsstörung.

Beziehungsideen können sich zu einem Wahn weiterentwickeln. Bei diesem ist jedoch die Überzeugung des Patienten unkorrigierbar. In der klassischen Psychiatrie wurde von Ernst Kretschmer (1918) das Konzept eines sensitiven Beziehungswahns entwickelt. Es beschreibt Menschen mit "sensitiv-asthenischen" Persönlichkeitszügen, bei denen sich meist nach Kränkungserlebnissen eine wahnhafte Symptomatik herausbilden kann.Eugen Bleuler: Lehrbuch der Psychiatrie. 13. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1975, S. 515.

Beispiele

„Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute im Bus über mich reden könnten, aber das kann ja eigentlich nicht sein.“

„In der Öffentlichkeit habe ich immer das Gefühl, dass mich die Leute wegen meiner abstehenden Ohren anstarren.“

Einordnung Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) finden sich Beziehungsideen unter ZP3.

Diagnostik Das Symptom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird nicht immer spontan, ohne weiteres vom Patienten berichtet. Man kann dann z. B. folgende Fragen stellen: „Kennen Sie so etwas, dass für Sie Dinge in ihrer Umgebung eine besondere Bedeutung haben?“ „Kennen Sie den Gedanken oder das Gefühl, dass Sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, Sie von allen beobachtet werden?“Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 6., überarbeitete Auflage. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S. 83.

Abgrenzung (Differentialdiagnose)

Misstrauen: Das Verhalten anderer Menschen wird ängstlich-unsicher oder feindselig auf die eigene Person bezogen. Wahnwahrnehmungen: Einer an sich richtigen Wahrnehmung wird eine wahnhafte Bedeutung zugeschrieben. Beziehungswahn: ebenfalls Beziehungserleben, jedoch unkorrigierbar. Wahnstimmung: unkonkrete Stimmung der Unheimlichkeit, des Misstrauens und der Angst. paranoide Persönlichkeitsstörung: Empfindlichkeit gegen Zurückweisung, Misstrauen.

Literatur

Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes). 11. Auflage. hogrefe, 2023, ISBN 978-3-8017-3193-9.

Einzelnachweise Kategorie:Psychopathologisches Symptom