mini|Caroline Rothschild Porträt von Friedrich Johann Gottlieb Lieder Caroline Gelche Freifrau von Rothschild (geborene Caroline Stern, am 28. Juli 1782 in Frankfurt am Main; gestorben 25. November 1854Isidore Singer (Hrsg.): The Jewish encyclopedia. Vol. 10, Philipson – Samoscz. Funk and Wagnalls, New York and London, 1905 (), S. , Rothschild Pedigree ― Continued (Freimann-Sammlung)Giacomo Meyerbeer, Sabine Henze-Döhring (Hrsg.): Briefwechsel und Tagebücher. Bd. 6, 1853 – 1855. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017289-5, S. 649 (Kommentar zu Nr. 23 Salomon Mayer Freiherr von Rothschild an Meyerbeer vom 17. I. 1853) in Paris) war ein Mitglied der Familie Rothschild, in die sie 1800 einheiratete und als solches am Aufbau des Wiener Zweiges der Familie beteiligt.
Leben Caroline Stern wurde 1782 in die jüdische Bankiers- und Unternehmerfamilie Stern geboren und wuchs in der Frankfurter Judengasse auf.Laura S. Schor: The Life & Legacy of Baroness Betty de Rothschild. Verlag Peter Lang, New York 2006, ISBN 0-8204-7885-7, S. 6–8 Ihr Vater war Samuel Hayum Stern (1760–1819), ihre Mutter Sara Stern. Sie hatte einen Bruder, Jacob Samuel Heyum Stern (1780–1833), der zunächst eine Weinhandlung führte, später das Bankhaus der Familie Stern gründete. Caroline Stern erhielt eine umfangreiche breitgefächerte Erziehung. Neben Französisch und Hochdeutsch schrieb sie auch Jiddisch und konnte Hebräisch lesen.Klaus Weber: Salondamen und Sozialarbeiterinnen: Frauen der Familie Rothschild. In: Institut für jüdische Geschichte Österreichs: Juden in Mitteleuropa (Themenheft „Salondamen und Dienstboten. Jüdisches Bürgertum um 1800 aus weiblicher Sicht“), 2009, S. 22–23 Die Familie Stern war sehr an Kunst interessiert und über die Jahre waren die Mitglieder der Familie bedeutende Kunstsammler.
Caroline Stern heiratete am 26. November 1800 den späteren Chef des Bankhauses zu Wien Salomon Mayer Rothschild (1774–1855),Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser 1877 (S. 729 f.: Haus zu Wien) den zweiten Sohn des Dynastiegründers Mayer Amschel Rothschild und seiner Ehefrau Gutle Schnapper (1753–1849). Neben ihrer Aussteuer und Geschenken brachte sie als Mitgift 10.000 Taler in die Ehe ein, zudem die Zusicherung ihres Vaters auf jeweils 500 Florin für die Geburt eines ersten und zweiten Kindes. Als Erbteil wurde ihr die Hälfte dessen versprochen, was ihr Bruder erhalten würde. Die traditionelle jüdische Vermählung vereinte zwei erfolgreiche Familien.
Aus der Ehe mit Salomon Rothschild gingen zwei Kinder hervor: Der Sohn Anselm Salomon von Rothschild (1803–1874) heiratete Charlotte von Rothschild (1807–1859). Sie war die erste Tochter des in London residierenden Bankiers Nathan Mayer Rothschild (1777–1836). Dieses Ehepaar hatte acht Kinder. Die Tochter Betty de Rothschild (1805–1886) heiratete 1824 den in Paris residierenden Bankier James de Rothschild (1792–1868), den jüngeren Bruder Salomons. Diese Ehe brachte fünf Kinder hervor.
Bedeutung innerhalb des Familiengeflechtes Die Familie wohnte der Tradition folgend einige Jahre bei Carolines Familie im Haus der Sterns und danach weitere Jahre bei ihren Schwiegereltern im Haus zum Grünen Schild, wo sie an den Familiengesprächen, Diskussionen und Plänen der Familie Rothschild teilhatte. 1807 erhielt Salomon Rothschild die behördliche Erlaubnis, sich außerhalb der Judengasse in der Schäfergasse anzusiedeln, hielt aber weiterhin engen Kontakt zu allen Verwandten. Das Paar sorgte für eine gute Ausbildung der Kinder und ließ sie durch Hauslehrerinnen und -lehrer unterrichten. Auch ihre Tochter wurde neben Klavier, Singen, Tanz, Malerei und jüdischer Religion im Erlernen verschiedener Sprachen unterrichtet.
In Frankfurt gehörte Caroline Rothschild, auch aufgrund ihrer Ausbildung im Haus Stern, zu den Frauen der Familie Rothschild, die die Bücher der Unternehmungen der Familie führte. Dies wurde dokumentiert, als es 1808 zu einer Razzia im Kontor kam, bei der die Firmenbücher versiegelt wurden und nachdem zunächst die männlichen Mitglieder der Familie verhört wurden, auch die Frauen verhört wurden, da offenbar wurde, dass die Bücher von den Frauen geführt wurden. Dabei konnte Caroline Rothschild das Verhör geschickt versanden lassen.
Caroline Rothschild war auch politisch interessiert und erkannte als erste in der Familie die drohenden Beschneidungen der jüdischen Bürgerrechte, nachdem „auf dem Wiener Kongress Tendenzen spruchreif wurden, die Rechte der Juden zurückzunehmen“. In einem Brief an ihren Mann in London ersuchte sie ihn, seine gesellschaftlichen Beziehungen zu Gegenmaßnahmen zu nutzen.Sonja Thäder: „Man kann wegen die jüdische Angelegenheiten nicht genug fleissig sein.“ Die Familie Rothschild und die Judenemanzipation. In: Christian Wiese, Stefan Vogt, Mirjam Wenzel, Doron Kiesel, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Das jüdische Frankfurt – von der Emanzipation bis 1933. Band 2, De Gruyter, Oldenbourg 2023, doi:10.1515/9783110792478-004, ISBN 978-3-1107-9157-0, S. 58 1819 erlebte sie mit ihren Kindern noch die Hep-Hep-Krawalle, „bei denen auch die Judengasse schwer in Mitleidenschaft gezogen und die Mitglieder der Familie namentlich bedroht wurden“.
In den Rothschild-Archiven befinden sich einige erhaltene Briefe von Caroline an Salomon Rothschild. In diesen schilderte sie ihm die Entwicklungen in Frankfurt, klärte ihn scharfsinnig über politische Veränderungen und über die Belange der jüdischen Emanzipation auf. Sie investierte einen Teil ihres Geldes, über das sie unabhängig verfügen konnte, in die Geschäfte ihres Mannes. Auch führte sie die philanthropischen Aktivitäten der Familie in Frankfurt fort. So war sie an den Planungen für die jüdische Schule in Frankfurt, dem Philanthropin beteiligt.Laura S. Schor: The Life & Legacy of Baroness Betty de Rothschild. Verlag Peter Lang, New York 2006, ISBN 0-8204-7885-7, S. 11
Der Wiener Zweig der Rothschilds Salomon Rothschild wurde der Gründer des Wiener Zweiges des Bankhauses Rothschild. Zwei ihrer Neffen absolvierten dank ihrer Verbindung eine Lehre bei M. A. Rothschild in Frankfurt und 1824 eröffnete die Familie Stern eine Bank in Paris, 1833 eine in Berlin und 1836 eine in London. Nachdem 1820 Fürst Metternich, der österreichische Außenminister, in Verhandlungen mit dem Bankhaus Rothschild bezüglich eines Großdarlehens getreten war, welches in der Form einer Lotterie realisiert werden sollte, musste, um die komplexen Verhandlungen zu führen, ein Mitglied der Familie Rothschild nach Wien ziehen, um dort die Geschäfte zu führen. Salomon Rothschild, der bislang schon die Geschäfte in Österreich geführt hatte, zog so nach Wien und begründete mit seiner Frau Caroline den Wiener Zweig der Familie.
Caroline Rothschild zog jedoch nicht nach Wien.Roman Sandgruber: Pretty Kitty (PDF), abgerufen am 7. Mai 2026 Dies lag auch daran, dass es auswärtigen Juden in Wien nicht möglich war, ein Haus zu erwerben. So wohnte Salomon Rothschild im „Hotel zum römischen Kaiser“ in der Renngasse 1, mietete nach und nach alle Räume und lebte dort auch mit Caroline und den Kindern. Als Dank für die Arbeit von Salomon Rothschild in Wien wurde die Familie Rothschild 1816 in den Adelsstand und 1822 in den Freiherrnstand erhoben. Teilweise begleitete Caroline Rothschild ihren Mann auf seinen Reisen, die oft auch über Paris nach London führten. Zumeist lebte Caroline Rothschild jedoch in Frankfurt und hielt mit ihrem Mann durch Briefe Kontakt, die sie im „Judendeutsch“ verfasste, einer dem Deutschen sehr ähnlichen Variante des Westjiddischen, die damals die Umgangs- und Korrespondenzsprache der meisten deutschen Juden war.
Spätere Jahre und Tod Caroline von Rothschild lebte nach der Revolution von 1848 mit ihrem Mann in Paris bei ihrer Tochter Betty de Rothschild und ihrem Schwager und Schwiegersohn James de Rothschild. Dort starb sie am 25. November 1854. Bei ihrer Beisetzung am 28. November hielten der Rabbiner Lazare Isidor und der Präsident des Jüdischen Wohltätigkeitskomitees von Paris, Albert Cohn, Trauerreden.
Einige Leihgaben aus den Rothschildarchiven wurden 1994 im Jüdischen Museum Frankfurt ausgestellt, darunter auch ein von Friedrich Johann Gottlieb Lieder angefertigtes Porträt von Caroline Rothschild und eine Mappe mit Trauerreden und Nachrufen.
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Einzelnachweise
⚭Caroline Kategorie:Person (Frankfurt am Main) Caroline Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Geboren 1782 Kategorie:Gestorben 1854 Kategorie:Frau