mini|hochkant|Léonce Bénédite (1923)von Amélie Beaury-SaurelMusée d’Orsay, Paris Léonce Bénédite (geboren am 14. Januar 1859 in Nîmes; gestorben am 12. Mai 1925 in Paris) war ein französischer Kunsthistoriker und Direktor des Musée du Luxembourg in Paris und später Kurator des Musée Rodin.

Leben Bénédite entstammte einer jüdischen Familie. Er war ein Sohn des Händlers Samuel Bénédite (1826–1865) und dessen Frau Sara Isabelle (geborene Lisbonne; * 31. März 1840) sowie ein jüngerer Bruder des Ägyptologen Georges Aaron Bénédite (1857–1926). Nach dem frühen Tod des Vaters heiratete seine Mutter Georges Lafenestre (1837–1919), einen Dichter, Kunstkritiker und Kurator des Louvre.Lafenestre (George Edouard). In: Christophe Charle, Eva Telkès: Les professeurs du Collège de France. Dictionnaire biographique 1901–1939 (= Dictionnaire biographique des universitaires au XIXe et XXe siècles. 3). Paris 1988, S. 118–121 (persee.fr). Aus dieser Verbindung hatte er noch einen Halbbruder Louis Pierre Lafenestre (21. Februar 1878 – 1937). Er studierte an der juristischen Fakultät und im Fachbereich Geschichte der in Paris. Im Alter von 21 Jahren begann er als Redakteur des Katalogs für den Salon der Société des Artistes Français in Paris zu arbeiten. Er wurde 1882 Kurator am Schloss Versailles und begann 1886, für das Musée du Luxembourg zu arbeiten. 1892 übernahm Bénédite als Nachfolger von Étienne Arago (1802–1892) zunächst die kommissarische Leitung als stellvertretender Kurator des Museums und wurde 1895 zum ständigen Kurator ernannt. Er bekleidete bis zu seinem Tod die Stelle des Leiters des Musée du Luxembourg, das als „Musée national d’art vivant“ für die damals „moderne“ Kunst zuständig war. Trotz eines sehr knappen Budgets gelang es ihm die Sammlung zu erweitern. So konnte er unter anderem das Vermächtnis des impressionistischen Malers Gustave Caillebotte eingliedern und erteilte für diese Werke den Auftrag für einen provisorischen Anbau an die bestehenden Gebäude des Museums in der Orangerie du Luxembourg. Er erarbeitete auch Pläne für einen Wiederaufbau des alten Museums, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Er pflegte enge Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern und begeisterte sich insbesondere für die Werke Auguste Rodins.

1910 wurde für Bénédite an der École du Louvre ein Lehrstuhl eingerichtet, wo er Vorlesungen zur Geschichte der Kunst des 19. Jahrhunderts, die Künstler der belgischen und britischen Schule, die Dekorateure des 19. Jahrhunderts und die Entwicklung der Malerei in Frankreich vom Realismus zum Impressionismus hielt. Er sammelte auch privat zahlreiche Werke bekannter Künstler, mit denen er teilweise eng befreundet war. Die Sammlung wurde 1928 versteigert.Catalogue des peintures, dessins, aquarelles et estampes par A. Besnard, F. Bonvin, E. Boudin … etc. composant la collection de Madame Léonce Bénédite, dont la vente … aura lieu à Paris, Hotel Drouot le jeudi 31 mai 1928. Paris 1928.

Bénédite war Mitglied des Präsidiums mehrerer Vereinigungen, wie der „Société des artistes lithographes français“ und der „Société des peintres orientalistes français“, die er 1893 gemeinsam mit Étienne Dinet und anderen gründete, und deren Präsident er bis zu seinem Tode blieb. Da er sich auch für die orientalistische Kunst interessierte, beteiligte er sich 1907 an der Gründung der Künstlervilla Villa Abd-el-Tif in Algerien. Seit 1913 war er Mitglied der Kommission, die Pläne für ein Rodin-Museum ausarbeitete. 1919 wurde er dessen erster Kurator im Hôtel Biron.

Familie Bénédite war seit dem 12. Juni 1884 mit Valentine Amélie (geborene Le Mancel; 1853–1930) verheiratet, mit der er zwei Töchter hatte: Eva Denise Andrée Bénédite (1885–1956) ⚭ am 14. Februar 1908 mit dem Entomologen und Mineralogen Léon Henri oder Leo Heinrich Ungemach (1879–1936). Das Paar hatte vier Kinder. Rosa Michelle Valentine Bénédite (1890–1966) ⚭ 1927 mit dem Professor für Romanische Sprachen William Doty Maynard (1889 – 25. Dezember 1975)William Doty Maynard archive.dartmouthalumnimagazine.com (englisch). Leon Maynard

Auszeichnungen (Auswahl) 16. August 1900: Ritterkreuz der Ehrenlegion 8. Januar 1920: Korrespondierendes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de BelgiqueAcadémie royale de Belgique – Index biographique des Membres et associés décédés 1769–2008. S. 14 (französisch, academieroyale.be PDF). 8. August 1920: Offizier der EhrenlegionLéonce Bénédite in der Base Léonore (französisch).

Schriften (Auswahl) Bénédite betätigte sich als Kunsthistoriker und Kunstkritiker und veröffentlichte zahlreiche Schriften, verfasste Vorworte zu Ausstellungskatalogen französischer und ausländischer Künstler und schrieb mehr als dreißig Bücher. Von ihm stammen Monografien über Théodore Chassériau, Jean-Charles Cazin, Henri Fantin-Latour, Albert Lebourg, Ernest Meissonier, Auguste Rodin, Ignacio Zuloaga. Zudem erschienen rund hundert Artikel Bénédites in unterschiedlichen Zeitschriften wie Art et Décoration, die Gazette des Beaux-Arts, L’Art et les Artistes, L’Artiste oder die Revue de l’art ancien et moderne und Beiträge für das Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Er publizierte auch unter dem Pseudonym „L. B. Butterfly“. Le Musée National du Luxembourg. Catalogue raisonné et illustré des peintures, sculptures, dessins… des écoles contemporaines. Librairies-imprimeries réunies, Paris o. J. .

Frankreich. In: Die Krisis im Kunstgewerbe. Studien über die Wege und Ziele der modernen Richtung. S. Hirzel, Leipzig 1901, S. 21–38 (). Deux idèalistes Gustave Moreau et E. Burne-Jones. P. Ollendorff, Paris 1899 (). Meissonier. H. Laurens, Paris 1910 (). Le Musée du Luxembourg, les peintures. H. Laurens, Paris 1912. Auguste Rodin (1840–1917). In: Gazette des Beaux-Arts. 4. Pér. Band 14, 1918, doi:10.11588/diglit.24916, S. 5–34 (digi.ub.uni-heidelberg.de). Léon Bonnat (1833–1922). In: Gazette des Beaux-Arts. 5. Pér. Band 7, 1923, S. 1–15. Musée Rodin. Catalogue sommaire des œuvres d’Auguste Rodin et autres œuvres d’art de la donation Rodin exposés à l’Hôtel Biron. Frazier-Soye, Paris 1919. Ignacio Zuloaga. Paris 1920 (). Rodin. Rieder, Paris 1926. Andre Dezarrois (Hrsg.): Theodore Chasseriau. Sa vie et son oeuvre. 2 Bände, Braun, Paris 1931 (nach einem nachgelassenen, unbearbeiteten Manuskript mit zahlreichen Abbildungen).

Literatur Mathilde Arnoux: Que montrer de son voisin? La correspondance entre les conservateurs Alfred Lichtwark et Léonce Bénédite, une coopération intellectuelle franco-allemande au tournant du siècle. In: Revue de l'art. Nr. 153, 2006, S. 57–68 (ub.uni-heidelberg.de).

Weblinks

Mathilde Arnoux: Bénédite, Léonce. In: Dictionnaire critique des historiens de l’art actifs en France de la Révolution à la Première Guerre mondiale. 8. Februar 2008 (inha.fr) Léonce Bénédite (1859–1925) – Toutes ses œuvres data.bnf.fr (Werkverzeichnis)

Einzelnachweise

Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Museumsleiter (Frankreich) Kategorie:Hochschullehrer (École du Louvre) Kategorie:Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Offizier) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1859 Kategorie:Gestorben 1925 Kategorie:Mann