mini|Grabstein des Pintaius Der Grabstein des Pintaius ist eine bei Bonn aufgefundene Grabstele eines römischen Feldzeichenträgers (signifer). Sie wird in die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert.
Das Original befindet sich im LVR-Landesmuseum Bonn (Inv. Nr. U 98); ein Abguss ist in Bonn-Castell (Römerstraße 20/24) aufgestellt. Weitere Abgüsse der Stele befinden sich im Archäologischen Park Xanten sowie in mehreren spanischen Städten: León (Partnerstadt von Bonn), Oviedo und Gijón.
Auffindung mini|Lindenschmits Abbildung des Pintaius-Grabsteins (1858) Der kaiserzeitliche Grabstein wurde Anfang 1748 von Philipp Aschenbroch aufgefunden. Augustin Aldenbrück publizierte im Folgejahr eine Beschreibung der Soldatenfigur und eine fehlerhafte Lesung der Inschrift.Augustin Aldenbrück: De religione antiquorum Ubiorum … Noethen, Köln 1749, S. 103 f. (Digitalisat)
Beschreibung Die Grabstele des Pintaius ist 295 cm hoch, 89 cm breit und 22 cm tief. Das Material ist Kalkstein. In Hüfthöhe des Dargestellten ist sie quer gebrochen.
Die Vorderseite der Stele zeigt in ihrem oberen Teil in Hochrelief den in einer Bogennische mit verzierten Eckzwickeln stehenden Verstorbenen in voller Rüstung. Diese 114 cm hohe Figur trägt eine halbrund geschürzte Tunica, darüber den Panzer mit Fransensäumen an den Armen und an der Hüfte. Sein Cingulum militare besteht aus Dolchgurt mit rechts hängendem Dolch und parallelem Schwertgurt mit links hängendem Schwert. Vom oberen Gurt hängen vier in Lunulae endende Riemchen und eine Riemenzunge. Um den Hals trägt der Verstorbene ein mehrfach geschlungenes Tuch (focale), das ihn vor Reibungswunden schützt. Den Kopf bedeckt ein Helm, über den als Kennzeichen des signifer das Kopffell eines Bären gezogen ist, dessen Pranken mit langen Krallen über der Brust des Verstorbenen kreuzweise befestigt sind.
Während die linke Hand des Verstorbenen sich auf den Schwertknauf stützt, erfasst die rechte Hand das Feldzeichen (signum): eine Lanze, deren Eisenschuh in den Boden gerammt werden konnte und die einen nach unten gebogenen Griff aufweist, mit dem sie wieder aus der Erde gezogen werden konnte. Darüber befinden sich Quaste, Rundknauf und nach oben gebogene Lunula. Über der Hand des Feldzeichenträgers sieht man einen Adler auf Blitzbündel mit gewendetem Kopf und seitlich steil aufgerichteten Flügeln, eine Scheibe mit Randprofil, ein Querholz und einen Kranz. Das Feldzeichen endet in einer lanzenblattförmigen Spitze.Oliver Stoll: Römisches Heer und Gesellschaft: Gesammelte Beiträge 1991–1999. Steiner, Stuttgart 2001, S. 22 (Tabellarischer Anhang zur Darstellung des Legionsadlers und anderer Signa in der römischen Plastik).
Die Figur des Feldzeichenträgers wirkt sehr steif. Zwar sind Stand- und Spielbein unterschieden, aber Hüfte und Schultern nicht entsprechend dem Kontrapost geneigt. Die perspektivische Verkürzung der angewinkelten Unterarme ist missglückt. Der Rumpf ist eine konturlose Fläche, die auch vom sorgfältig ausgearbeiteten Faltenwurf der Tunica nicht belebt wird.Gerhard Bauchhenß: Militärische Grabdenkmäler, Bonn 1978, S. 27.
Der untere Teil der Stele trägt folgende lateinische Inschrift:
Pintaius Pedilici / f(ilius) Astur Trans/montanus caste(l)lo / Intercatia signifer / c(o)ho(rtis) V Asturum // anno(rum) XXX stip(endiorum) VI[I]. / h(eres) ex t(estamento) f(aciendum) c(uravit). / ave.
„Pintaius, Sohn des Pedilicus, Asturer, von der anderen Seite der Berge aus dem Kastell Intercatia, Feldzeichenträger der 5. Kohorte der Asturer, 30 Jahre alt geworden, 6 (7) Jahre Militärdienst. Sein testamentarischer Erbe ließ diesen Grabstein herstellen. Lebe wohl.“Deutsche Übersetzung: Hans-Werner Fröhlich: Pintaius − Ein hispanischer Soldat am Rhein, 2002, S. 651.
Interpretation Der Herkunftsort des Pintaius war das Kastell Intercatia (Paredes de Nava) in Asturien. Sein Vater Pedilicus trägt einen keltisch-iberischen Namen. Der ebenfalls keltisch-iberische Name Pintaius ist nur auf dieser Grabinschrift aus Bonn bezeugt; hier könnte ein Fehler des Steinmetzen vorliegen und der im nordwestlichen Spanien gängige Name Pintamus gemeint sein.Andreas Kakoschke: Die Personennamen in den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, S. 201 und 217.
Die Cohors V Asturum, der Pintaius als Feldzeichenträger angehörte, wurde nach der römischen Niederlage in der Varusschlacht zur Sicherung der Rheingrenze an den Niederrhein verlegt. Ihr neuer Standort war das Auxiliarkastell Bonna. Diese Einheit ist nach dem Bataveraufstand nicht mehr bezeugt, ging also entweder in den Kämpfen unter oder wurde von Kaiser Vespasian aufgelöst.Hans-Werner Fröhlich: Pintaius − Ein hispanischer Soldat am Rhein, 2002, S. 652.
Literatur Géza Alföldy: Die Hilfstruppen der römischen Provinz Germania inferior (= Epigraphische Studien, Band 6). Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1968, S. 194 Nr. 91. Gerhard Bauchhenß: Militärische Grabdenkmäler (= Corpus der Skulpturen der Römischen Welt: Deutschland (Germania Inferior, Bonn und Umgebung), Band 3,1). Habelt, Bonn 1978, S. 26 f. Nr. 5. Hans-Werner Fröhlich: Pintaius – Ein hispanischer Soldat am Rhein. In: Antike Welt, Band 33 (2002), S. 651 f. Hanns Gabelmann: Die Typen der römischen Grabstelen am Rhein. In: Bonner Jahrbücher, Band 172 (1972), S. 65–140 (PDF) Hans Lehner: Die antiken Steindenkmäler des Provinzialmuseums in Bonn. Cohen, Bonn 1918, S. 264. (Digitalisat) Ludwig Lindenschmit: Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. Victor von Zabern, Mainz 1858, Heft 11, Tafel 6,1. (Digitalisat)
Weblinks
iDAI.objects: Grabstein des Pintaius Internet-Portal „Westfälische Geschichte“: Grabstein des Feldzeichenträgers Pintaius
Anmerkungen
Kategorie:Römisches Grabmal Kategorie:Archäologischer Fund (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Archäologischer Fund (Römische Kaiserzeit) Kategorie:Museumsbestand (Rheinisches Landesmuseum Bonn) Kategorie:Antike Stele Kategorie:Kalksteinskulptur Kategorie:Skulptur (Bonn) Kategorie:Römische Inschrift in Deutschland Kategorie:Skulptur (1. Jahrhundert)