mini|Gemälde von Kiwschenko „Schlacht bei Schipka-Schejnowo 1877“ (1894) Die Schlacht bei Schejnowo (8. und 9. Januar 1878, julianisch 27./28. Dezember 1877) war eine der letzten großen Auseinandersetzungen im Russisch-Osmanischen Krieg und bildete den Abschluss der monatelang anhaltenden Schlacht am Schipka-Pass. Der nördlich von Kasanlak erreichte russische Sieg über die letzte kampfkräftige türkische Balkanarmee erzwang den endgültigen Durchbruch durch das Balkangebirge. Der russische Vormarsch auf Adrianopel war dadurch geöffnet.
Hintergrund Nachdem am 10. Dezember (28. November) die Vorräte der osmanischen Truppen im umschlossenen Plewna aufgebraucht waren, unternahm Osman Pascha einen verzweifelten Durchbruchsversuch, dieser scheiterte jedoch und die noch 40.000 Mann starke Armee musste sich ergeben. Der Oberbefehlshaber der russischen Balkanstreitkräfte, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, beschloss die bei Plewna freigewordenen russischen Truppen trotz des Wintereinbruches zur entscheidenden Offensive zu nutzen. Ohne diese Offensive drohte der Untergang der meisten nach Süden vorgeschobenen Truppen unter Josif Wladimirowitsch Gurko (bei Etropol) und der Gruppe von Fjodor Fjodorowitsch Radezki (am Schipkapass), diese hätten den ganzen Winter über in den Bergen zurückgelassen werden müssen. Die Aufgabe der Bergstellungen wäre andererseits taktisch unmöglich gewesen, diese hätten im Frühjahr zurückerobert werden müssen. Diese Erwägungen veranlassten den Großfürsten, unverzüglich den Befehl zum sofortigen Überqueren des Balkans zu erteilen. Die Lage der Russen und Bulgaren am Schipkapass blieb weiterhin kritisch. Neben den rein militärischen Schwierigkeiten litten die russischen Einheiten und bulgarischen Trupps unter den harten klimatischen Bedingungen und anderen alltäglichen Unannehmlichkeiten.
Zuerst wurde Radezkis Truppenstärke am Schipka-Abschnitt auf 54.000 Mann verstärkt. Doch selbst unter diesen Umständen war ein Angriff auf die stark befestigten Stellungen von Veysel Pascha (rund 32.000 Mann) riskant. Die Westarmee (71.000 Mann) unter General Josip W. Gurko hatte Befehl, über das Balkan-Gebirge auf Sofia durchstoßen, die verstärkte Schipka-Armee von Radezki hatte den Befehl, die türkischen Blockadetruppen beidseitig zu umgehen und auf Kasanlak vorzurücken. Die türkische Hauptmacht lag in einem befestigten Lager, gegenüber dem südlichen Ausgang des Schipka-Passes. Es diente als Stützpunkt der Streitkräfte, die die Pässe des zentralen Balkangebirges blockierten. Das kreisförmig angelegte Lager war durchschnittlich 1,5 km tief, das Dorf Schejnowo befand sich etwa im Zentrum. Der östliche Teil war mit einer 2 km langen doppelten Verteidigungslinie stark befestigt und verband das Dorf Schipka mit dem Dorf Sekerechewo (heute Hadschidimitrowo). Die erste Linie ruhte auf fünf Hügeln mit zwei Batterien und Schützenständen. Die zweite Linie bestand aus fünf Redouten, die für Kreuzfeuer gegen flaches und offenes Gelände positioniert waren. Am Hügel Kosmatka waren die Reserven von Veysel Pascha stationiert. Die Erdwälle waren zusätzlich verstärkt und mit Langstreckenartillerie bestückt.
Das Kommando über die östliche Kolonne (9. Division, Teile 30. Division mit etwa 19.000 Mann und 24 Geschütze), die durch den Trjawna-Pass vorrücken sollte, wurde Fürst Nikolai Iwanowitsch Swjatopolk-Mirski übertragen. Diese Kolonne umfasste einen Zug bulgarischer Milizen Die westliche Kolonne (16. Division mit 16.500 Mann und 14 Geschütze), die durch den Imitli-Pass vorrücken sollte, wurde Generalleutnant Michail Dmitrjewitsch Skobelew anvertraut. Skobelews Kolonne umfasste fünf Züge bulgarischer Milizen. Die verbliebenen Kräfte (etwa 11.000 Mann) der Armeegruppe Radezkis verblieben am Schipka-Pass, sie sollten nach Ankunft der Umgehungsgruppen im Süden von Norden her einen Ablenkungsangriff starten, um zu verhindern, dass Veysel Pascha seine gesamten Streitkräfte im befestigten Lager konzentrieren konnte.
Verlauf Der russische Vorstoß begann am 5. Januar (24. Dezember): Am Morgen brach die Kolonne von General Swjatopolk-Mirski aus der Gegend um Trewna und Drenow auf. Obwohl ein bis zu zweitausend Bulgaren starkes Detachement vorausgeeilt war, um die schneebedeckten Straßen freizuräumen, wurde der Vormarsch über den Pass bald sehr schwierig, so dass man die Feldartillerie in Trewna zurücklassen musste, nur eine Gebirgsbatterie blieb bei der Kolonne. Die Kolonne von Skobelew brach erst am Abend des 24. Dezembers vom Dorf Toplish auf. Beim Durchqueren des Passes stießen sie auf noch größere Schwierigkeiten als die westliche Kolonne. Sie mussten sich buchstäblich durch Schneeverwehungen kämpfen, die stellenweise bis zu zwei Meter hoch waren. Der Vormarsch verlief aufgrund der schwierigen, engen und tief verschneiten Bergstraßen nur langsam, der Transport der Feldartillerie wurde unmöglich.
Am 6. Januar (25. Dezember) hatte die Kolonne Swjatopolk-Mirski den Trawna-Passes überwunden, stieg zur Südseite des Balkans hinab und bezog Angriffspositionen. Dennoch konnte die Kolonne gegen 17:00 Uhr an der Südseite der Berge absteigen und sammelte sich in der Nähe des Dorfes Gjusowo.
Am 7. Januar (26. Dezember) sammelte sich die linke Kolonne südlich des Tryavna-Passes, während die rechte Kolonne durch schwierige Straßenverhältnisse aufgehalten wurde und erst in der Nacht vom 27. Dezember (8. Januar) mit ihrer Vorhut Imitli besetzen konnte. Swjatopolk-Mirskis Kolonne stieg auf die Südseite der Berge ab, während die Hauptstreitmacht Stellungen nahe des Dorfes Gjusowo bezog. Neben natürlichen Hindernissen stieß Skobelews Kolonne auf türkische Abteilungen, die die Höhenzüge am Südhang besetzt hielten und die sie mit Gewalt zurückerobern musste. Swjatopolk-Mirski griff die Ostfront der osmanischen Befestigungen an und eroberte bis Mittag die erste Verteidigungslinie, doch ein weiterer Vormarsch kam zum Erliegen. Skobelew, der auf das Eintreffen der Hauptstreitkräfte wartete, beschränkte sich auf Demonstrationskämpfe gegen die Westfront.
8. Januar Am Morgen des 8. Januar (27. Dezember) erreichte die Kolonne von General Swjatopolk-Mirski als erste die Zufahrtswege zum Dorf Schejnowo, nachdem sie den Trawna-Pass überquert hatte. Die rechte Kolonne, die keine Zeit zum Sammeln gehabt hatte, beschränkte sich anfangs auf Demonstrationsaktionen. Im türkischen Lager befanden sich 11,5 Bataillone, die von 29 Geschützen unterstützt wurden. Diese Truppen starteten einen Gegenangriff gegen Swjatopolk-Mirskis Kolonne, wurden aber zurückgeschlagen. Gleichzeitig startete Skobelew eine entscheidende Offensive an der Westfront, durchbrach die osmanischen Verteidigungsanlagen und eroberte mehrere Schanzen. General Radezki, der einen Teil der feindlichen Streitkräfte binden wollte, organisierte einen Frontalangriff von Norden, der jedoch keine nennenswerten Erfolge brachte. Skobelews Kolonne erreichte ihre Angriffspositionen nicht rechtzeitig. Der Imitli-Pass war unerwartet tief verschneit. Die Angreifer mussten Schneeverwehungen überwinden und unter widrigen Wetterbedingungen schmale Bergpfade erklimmen. Die Verzögerung beim Abstieg der Kolonne aus den Bergen gab den Türken Zeit, sich vom anfänglichen, unerwarteten Angriff der aus den Bergen herabsteigenden Russen zu erholen. Veysel Pascha organisierte einen kraftvollen Gegenangriff gegen die Truppen von Swjatopolk-Mirski. Die Truppen der linken russischen Kolonne waren im Dorf Maglizh konzentriert. Es wurde beschlossen, das befestigte Lager Schejnowo anzugreifen. Die Hauptstreitkräfte wurden zur Ostseite des Lagers beordert.
Gegen 12:30 Uhr eroberten die Angreifer die erste Verteidigungslinie des Feindes. Ein Versuch, die zweite Verteidigungslinie einzunehmen, scheiterte. Sie wehrten den anschließenden türkischen Gegenangriff ab. Der Kommandant schätzte die Erschöpfung seiner Einheiten ein und beschloss, die Nacht in der besetzten Stellung zu verbringen. Swjatopolk-Mirski, der erhebliche Verluste erlitten und große Mengen Munition verbraucht hatte, hielt seine Lage für äußerst schwierig und sandte einen entsprechenden Bericht an Radezki. Dieser konnte aufgrund des dichten Nebels, der das Tal einhüllte, den Beginn von Skobelews Offensive nicht erkennen und beschloss daher, einen Teil der türkischen Streitkräfte durch einen Angriff auf ihre Frontstellung abzulenken. Sieben Bataillone wurden für diese Aufgabe abgestellt.
9. Januar mini|hochkant|General Nikolai Swjatopolk-Mirski In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar sammelte Veysel Pascha seine Truppen neu. Das Lager Schejnowo wurde mit vier Bataillonen, die vom Schipka-Pass kamen, verstärkt. Der türkische Angriff am Morgen des 9. Januar wurde jedoch erfolgreich abgewehrt. Ein Teil der Kolonne umging Schejnowo südlich und vereinigte sich mit der Kolonne von General Swjatopolk-Mirski nördlich Kasanlak. Besonders heftig wurde in der Nähe des Waldes beim Dorf Sekertschowo gekämpft. Die Türken wurden zurückgedrängt und neue Schanzen in der zweiten Verteidigungslinie bezogen. Eine weitere Ausnutzung dieses Erfolgs erwies sich als unmöglich, da zu diesem Zeitpunkt (gegen 10:00 Uhr) der Angriff von Skobelew noch nicht begonnen hatte. Wenig später begann die rechte Kolonne ihren Angriff, rückte energisch vor, näherte sich dem türkischen Lager von Westen und eroberte die erste Schanze. Gegen Mittag griff auch die zentrale Kolonne die türkischen Streitkräfte am Schipka-Pass an. Um 12:00 Uhr stiegen sie vom Berg St. Nikolaus herab. Doch der weitere Vormarsch auf der schmalen, vereisten Straße unter feindlichem Artillerie- und Gewehrfeuer war von so enormen Verlusten begleitet, dass die Truppen, nachdem sie die erste Schützengrabenreihe erreicht hatten, zum Rückzug gezwungen waren. Unterdessen begann Skobelew kurz nach 11 Uhr seine Offensive und richtete seinen Hauptangriff auf die südwestliche Ecke des Dorfes Schejnowo. Den Hauptschlag führte das 55. Podolsker Infanterieregiment. Das Brjansker und das Schitomierer Infanterieregiment machten einen Umweg. Das 63. Uglitsky-Infanterieregiment, die 9. Schützenbrigade und das 5. Freiwilligenbataillon griffen die zentrale Schejnower-Redoute Nr. 2 an und eroberten sie. Auch der Angriff des 3. Schützenbataillons des 63. Uglitsky-Infanterieregiments auf die Schejnowski-Redoute Nr. 1 war erfolgreich. Nicht nur wurden alle türkischen Gegenangriffe abgewehrt, die Russen konnten gegen 14:00 auch das Dorf Schipka und mehrere Schützengräben erobern. Um 14:00 Uhr vereinigten sich Teile der linken und rechten Kolonne südlich des eroberten Dorfes. Berittene Tscherkessen und ein Teil der regulären türkischen Kavallerie versuchten zusammen mit einer kleinen Infanterieeinheit, die jetzt vollständige Umzingelung zu durchbrechen, doch nur einer kleinen Gruppe von Tscherkessen gelang dies. Angesichts der drohenden Niederlage entsandte Veysel Pascha einen Unterhändler zu Generalleutnant Michail Skobelew mit einem Kapitulationsvorschlag. Gegen 15:00 Uhr hisste Veysel Pascha die weiße Flagge und entsandte einen Friedensgesandten zu Skobelew mit einem Vorschlag zur Kapitulation der türkischen Truppen. Skobelew forderte für seine Zustimmung, dass Veysel Pascha zunächst den türkischen Truppen, die die Passstellungen am Schipka verteidigten, den Befehl zur Übergabe erteilte. Insgesamt 9.000 Mann mit 29 Geschützen ergaben sich im Tal, 13.000 Mann mit 54 Geschützen in den Bergen. Die türkischen Streitkräfte kapitulierten um 15:00 Uhr zusammen mit 83 Geschützen.
Ergebnisse und Folgen Die Schlacht endete mit der Gefangennahme der gesamten osmanischen Zentralarmee (3 Paschas, 765 Offiziere und 22.000 Soldaten). Die Türken verloren etwa 1.000 Mann an Gefallenen und Verwundeten. Die russischen Verluste beliefen sich auf rund 5.000 Tote und Verwundete. Anfang 1878 war das Osmanische Reich am Balkan seiner kampfstärksten Armee beraubt. Die türkische Verteidigungslinie entlang des Balkangebirges waren endgültig durchbrochen, der weitere Vormarsch nach Adrianopel war geöffnet.
Literatur