Der Hase und der Mensch ist ein Märchen der Nyiha (AaTh 122: Befreiung aus Gefangenschaft) aus dem Gebiet des Malawisees in Tansania und Malawi.Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 66–69, 348–349.
Handlung Ein Mann hat auf seinem Feld Hirse und Erdnüsse angepflanzt. Da kommt ein Hase und frisst wiederholt davon, sodass der Mann mit allerlei Fallen versucht, den Hasen zu fangen. Doch dieser macht die Fallen stets unschädlich und labt sich weiter an der Kost des Mannes. Dieser sucht daraufhin einen Wahrsager auf, der ihm rät, aus einem Stück Holz die Figur einer Frau zu schnitzen, mit Brüsten und der Kopf solle das Tuch der Ehrfurcht tragen. Davor solle er einen Schemel stellen und davor ein Gefäß mit Mehlbrei, der zugedeckt sein muss. Nachdem der Mann dies umgesetzt hat, kommt der Hase und grüßt die Figur, doch diese schweigt. Da deckt der Hase den Mehlbrei auf, doch es herrscht Schweigen. Also isst er etwas von dem Mehlbrei, aber nichts passiert. Auch das Holen von Erdnüssen hilft nichts und selbst, als er sie vorkaut und ihr reicht, bleibt die Frau stumm. Er isst dann den ganzen Mehlbrei auf und als keine Reaktion kommt, steigt er auf den Schemel, der aber mit Vogelleim bestrichen ist und so bleibt er kleben. Er gibt der vermeintlichen Frau dann eine Ohrfeige, woraufhin seine Hand kleben bleibt. Mit der anderen verhält es sich nicht anders und auch seine Beine sowie seine Brust bleiben nach Stößen kleben. Schließlich beißt er die Figur, sodass auch seine Zähne kleben bleiben.
So findet ihn der Mann am nächsten Morgen vor und er übergibt den Hasen seinen Sohn, der ihn zubereiten soll. Der Hase macht dem Sohn aber weis, dass sein Vater gesagt hätte, er solle dem Hasen den Hahn zubereiten. Also tut er dies, was der Hase sich schmecken lässt. Danach meint der Hase, er wolle sich schlafen legen, doch er wickelt einen Stein in seine Schlafmatte und legt sich selbst im Freien nieder. Als der Vater nach Hause kommt, erschrickt er ob dem Passierten, nimmt eine Axt und schlägt auf den Stein, woraufhin ihn der Hase verhöhnt.
Hintergrund Das Märchen erhielt in Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (Jena 1927) den Titel Der Hase und der Mensch.Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 237–239, 282. Der Hase wird hier als kluges Tier dargestellt, wie in Der Löwe und der Hase. Dazu verglichen werden können die Märchen Der böse Hase und Der Hase.
Die Nyiha sind wie die benachbarten Konde eine Untergruppe der Nyakyusa in Tansania und Malawi.
Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 66–69, 348–349. Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 237–239, 282.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Hase in der Kunst